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Investieren in stürmischen Zeiten © Povozniuk - GettyImages.com, Sergii Zysk–æ - GettyImages.com

Märkte

Investieren in stürmischen Zeiten

Aktien, Anleihen, die meisten Rohstoffe und Währungen und sogar Gold – fast alle Assetklassen liegen heuer im roten Bereich. Und die Krise ist noch nicht ausgestanden. Deshalb raten Profis mehr denn je, bei Investments selektiv vorzugehen.

Von Hans-Jörg Bruckberger

11.10.2022
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Dax minus 26 Prozent, Nasdaq minus 33 Prozent, Hang Seng minus 22 Prozent, Nikkei 225 minus zehn Prozent. Für die Aktienmärkte war das Jahr 2022 bisher zum Vergessen. Die Kombination aus hohen Inflationsraten, entsprechenden Zinserhöhungen, gepaart mit Rezessionsängsten sowie ­geopolitischen Spannungen, ist wahrlich toxisch. Notenbanken und Börsianer sind zwischen Hoffnung auf erfolgreiche Inflationsbekämpfung und Sorge vor konjunkturellen Schwächeanfällen hin und her gerissen. Freilich waren die Märkte zuvor auch stark gestiegen. Der deutsche Leitindex Dax hatte sich vom Corona-Tief im März 2020 bis Jahres­ende 2021 um fast 80 Prozent verteuert. Auf Sicht von zehn Jahren hatte er sich beinahe verdreifacht. Da nimmt man schon mal Gewinne mit und steigt aus, „wenn die See rauer wird“. „Es sind wirklich harte Zeiten, was die Performance betrifft“, räumt Bruno Vanier ein. Vanier ist Gründer und Präsident von Gemway Assets, einer auf Emerging Markets ­spezialisierten Fondsgesellschaft, deren ­GemEquity-Fonds heuer rund 20 Prozent im Minus liegt.

Im Gleichschritt bergab

Besonders bemerkenswert am bisherigen Jahresverlauf an den Finanzmärkten ist aber Folgendes: Parallel zu den Aktienkursen gingen auch die Kurse festverzinslicher Wertpapiere auf Talfahrt: So liegt der aus verschiedenen deutschen Bundesanleihen bestehende S&P-Germany-Sovereign-Bond-Index seit Jahresbeginn 2022 rund zwölf Prozent im Minus. Ähnlich viel verlor ein ­Index mit erstklassigen europäischen Unternehmensanleihen im Investmentgrade. Europäische High-Yield-Anleihen liegen sogar 14 Prozent im Minus. Amerikanischen Anlegern erging es kaum besser. Der Grund ist die erfolgte Zinswende: Steigende Zinsen bedeuten, dass es für neue Anleihen höhere Zinskupons gibt als für laufende Emissionen. Dem passen sich die Renditen bereits begebener Anleihen an, indem ihr Kurs eben sinkt.

Das ist bitter für all jene, die sich mit Anleihen absichern wollten. Denn ty­pischerweise bleiben Anleihenkurse tendenziell stabil, wenn es an den ­Aktienbörsen mal wieder kräftig nach unten geht. Dass Aktien und Staatsanleihen nun aber im Gleichschritt fielen, hat daher viele Anleger beunruhigt.

Dollar als sicherer Hafen

Als ob das nicht schon schlimm genug wäre, schaut es auch bei anderen An­lageklassen heuer traurig aus. Viele Rohstoffe sind ebenfalls deutlich billiger ­geworden. Kupfer hat sich um fast 20 Prozent verbilligt, Aluminium um rund 16 Prozent, Silber um 22 Prozent.

Und sogar der Preis von Gold hat nachgegeben. Damit hat das Edelmetall als vermeintliches Kriseninvestment, das üblicherweise auch als Inflationsschutz gilt, diesmal versagt (siehe Artikel). Dafür gibt es mehrere Gründe: Die steigenden Zinsen sind einer davon. Denn Gold wirft keine Zinserträge ab, andere Anlageformen werden attraktiver. Auch der US-Dollar spielt eine Rolle: Diesen treiben die hohen Zinssätze der Fed in die Höhe.

Der Dollar verfügt derzeit über eine hohe Anziehungskraft, Gelder aus Schwellenländern wurden zuletzt abgezogen und in den vergleichsweise „sicheren Hafen“ USA investiert. Die US-Währung hat entsprechend aufgewertet, was Goldinvestoren im Euro-Raum zugutekommt: Da das Edelmetall in Dollar gehandelt wird, wurden Kursverluste für sie durch die Wechselkursentwicklung abgefedert. Allerdings – und das ist die Kehrseite der Medaille – wurde Gold für Neuinvestitionen all jener, die außerhalb des Dollar-Raumes leben, weniger attraktiv, damit sinkt die weltweite Nachfrage.

Der Dollar-Höhenflug erfolgte zum Nachteil anderer Länder. Denn nicht nur Importe werden teurer, sondern auch die Bedienung von Krediten. Die straffe Geldpolitik der US-Notenbank bekommen daher vor allem einkommensschwächere Länder zu spüren, die sich während der Pandemie hoch verschuldet und ihre Kredite in US-Dollar aufgenommen haben. Die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Kristalina Georgiewa, warnt seit Monaten vor einer Schuldenkrise für Länder mit mittleren und niedrigen Einkommen.

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