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Pimp my E-Bike © aerogondo – GettyImages.com

GEWINN-Test

Pimp my E-Bike

Neben den Herstellerakkus gibt es „Nachbauservices“ mit erhöhter Reichweitenleistung. Wenn der Akku nach Jahren ausgetauscht werden muss, kann man mehr Leistung zu einem besseren Preis erhalten.

Von Herwig Wöhs

03.03.2022

Die letzten Jahre hat mein Winora E-Bike gute Dienste geleistet. Der Leistungsverlust des Akkus hat rund 25 Kilometer in der Reichweite gekostet, ungefähr 20 Prozent. Aber dann, gerade beim Hügelaufwärtsfahren schaltete sich der E-Antrieb bei 60 Prozent Ladestand weg, ließ sich zwar vollladen, aber nach wenigen Minuten schaltete sich der Motor wieder weg. Eine Zelle im Akku war defekt und deren Spannung brach unter der Last zusammen. Ein neuer Akku muss her.
Normalerweise führt der Weg zum Fachhändler, wo das E-Bike gekauft wurde, um einen Originalersatz zu besorgen. Wenn aber der Händler mittlerweile nicht mehr existiert oder das E-Bike im Versandhandel oder beim Diskonter erworben wurde, dann ist Hilfe aus dem Netz gefragt.

Akku: Tausch statt neuer Batterie

Je nach Pflege des Akkus und der Qualität der Zellen hält eine E-Bike-Batterie mit den obligaten Lithium-Ionen Zellen typischerweise 600 bis 1.000 Ladezyklen lang, selten, aber doch auch länger. Gerade in Zeiten nachhaltigen Wirtschaftens ist dabei das Interesse groß, Altes nicht gleich wegzuwerfen und durch Neues zu ersetzen, sondern auch zu versuchen, Dinge zu reparieren. Im Falle eines Akkupacks schaut das so aus, dass es Zellen gibt, die defekt geworden sind, aber auch noch Zellen, die weiter funktionieren. Wenn es technisch machbar ist, können dann diese einzelnen Akkus ausgetauscht werden. In den meisten Fällen, wenn die Akkuanschlüsse verschweißt sind, werden allerdings alle Zellen ausgetauscht und in das bestehende Gehäuse samt der alten Steuerelektronik eingebaut. Je nach Anbieter werden die Zellen auch einzeln durchgemessen und so zusammengestellt, dass sie gut im Akkupaket „zusammenarbeiten“, also in ihrer Charakteristik aufeinander abgestimmt sind.

Der Vorteil des Akkutausches ist vor allem der finanzielle Aspekt. Im Fall des Winora E-Bikes mit dem 36V- TranzX-Akku kostet der Tausch je nach Anbieter mindestens 40 Prozent weniger als ein neuer Akku (siehe Kas­ten). Dazu kommt der Umweltschutzaspekt, weil nur jene Teile ersetzt werden, die tatsächlich defekt sind, das Gehäuse mit den Steckern, die verbaute Elektronik und das Ladegerät können weiterverwendet werden. Natürlich prüfen die Akkutauscher die Funktion und verständigen Sie, wenn sich eine Reparatur nicht (mehr) lohnt.
Wichtiger Aspekt für Besitzer eines „exotischen“ E-Bikes ist die Tatsache, dass es hier oft zu Problemen bei den Ersatzteilen kommt, es gibt schlichtweg keinen neuen Batteriesätze. Hier bieten die Akkutauscher an, auch solche Akkupacks wieder mit neuen Zellen aufzurüsten und für ein neues Leben des E-Bikes zu sorgen.

Leistungs-Upgrade

Da sich die Akkutechnologie weiterentwickelt hat, ist auch eine Leis­tungs­steigerung beim Akku möglich, in dem moderne Zellen mit höherer Kapazität gewählt werden. Dabei gilt die Faustformel, dass sich rund sieben Ah mehr Leis­tungsdichte mit einem Aufpreis von 100 Euro niederschlagen. Auch hier gilt, die Kosten eines Upgrades beim Zellentausch sind geringer als der Aufpreis bei einem neuen stärkeren Akkupaket. Während der originale TranzX- BL03-Akku für rund 80 km Reichweite gut war, wurde im Zuge des Austausches von 11 auf 17 Ah upgegradet, was 85 Euro mehr gekostet hat.
Bevor Sie den Dienstleister mit dem Umbau beauftragen, fragen Sie nach der Dauer des Umbaus. Manche Anbieter erledigen das binnen zweier Tage plus zwei Mal Postweg, da ist der Akku nach gut einer Woche wieder bei Ihnen. Manche benötigen zehn bis 14 Werktage und zu Beginn der Saison noch länger, plus Postwege sind schnell drei Wochen verbraucht.

Selbst ist der Handwerker

Mit ein wenig handwerklichem Geschick und einem Wochenende Zeit kann der Zellentausch natürlich auch selbst durchgeführt werden. Knifflig ist das Öffnen des Gehäuses, das ohne Beschädigung erfolgen muss, damit nach dem Wechsel wieder die Wasserdichtigkeit hergestellt werden kann. Wer in seiner Heimwerkerkiste ein Messgerät zur Prüfung der Zellen hat, ist auf der sicheren Seite, sonst empfiehlt es sich nur Akkuzellen von namhaften Herstellern zu kaufen, da hier die Gefahr des Einbaus einer defekten Zelle minimiert wird. Im Internet gibt es darüber hinaus viele Anleitungen, teilweise sogar semiprofessionelle Videos, die das sehr gut erklären.

In insgesamt zehn Stunden (inkl. Pausen!) war dann der Testakku zerlegt, umgebaut und wieder zusammengesetzt, Voltmeter, Lötkolben und Schraubenzieher diverser Größen waren dafür notwendig. Die Akkus gibt’s bei denselben Anbietern, die auch einen Austausch durchführen, die Preisersparnis liegt bei rund 100 Euro. Die Verwendung von (ausgewiesenen) A-Grade-Zellen zum Beispiel der Größen im Akkugeschäft wie Samsung und Panasonic hat einen großen Einfluss auf die Kapazität und Lebensdauer einer E-Bike-Batterie. Handwerkerprofis erledigen den Umbau deutlich schneller, bei mir war es auch die Freude am Basteln, die zur Entscheidung geführt hat, den Umbau selbst vornehmen zu wollen.

© Akkuman.de

Das Batteriemanagement BMS

Das BMS in modernen E-Bike Akkus schützt die Lithium-Ionen Zellen vor Schäden, verlängert das Leben des Akkus bzw. der einzelnen Zellen und soll für eine gleichbleibende Leistung sorgen. Schutz vor Überspannung (und auch Unterspannung bei entleertem Akku) und die Kontrolle der Ladezyk­len helfen, alle Zellen im Akkupack gleichmäßig zu laden, was insgesamt für eine längere Lebensdauer sorgt. Last, but not least sorgt ein Temperatursensor dafür, dass die Zellen nicht überhitzen, das würde zu einem schnelleren Zellentod führen.
Ältere Akkupakete sind meist nicht mit einem BMS ausgestattet, hier macht es Sinn bei einem neuen Ersatz darauf zu achten, ob ein BMS eingebaut ist. Der Mehrpreis dafür ist kaum merkbar und liegt bei wenigen Euro. Via Display oder Bluetooth aufs Handy kann der Fahrer, die Fahrerin Parameter wie den aktuellen Ladestand, die Temperatur (des Akkus), die Leistung und auch die Fahrdauer kontrollieren. Tipp: In Fahrpausen nicht nur als E-Biker Schatten aufsuchen, auch der E-Bike-Akku, der meist in einem dunklen und sich damit aufheizenden Gehäuse verpackt ist, freut sich über ein schattiges kühles Plätzen und sollte nie direkt der Sonne ausgesetzt werden.

Tipps für ein langes Akkuleben

Nachdem der Akku umgebaut worden ist, vor der ersten Ausfahrt den Akku mit dem bestehenden Ladegerät aufladen, dann vollständig leerfahren und erst dann wieder aufladen, um einen vollständigen Ladezyklus zu erzielen. Erst nach vier bis fünf solcher Ladezyk­len hat der Akku seine maximale Kapazität erreicht. Diese vollständigen Ladezyklen von fast null auf 100 Prozent sollten dann tourlich wiederholt werden, damit sich die Displayanzeige auf die abnehmende Leistung des Akkus kalibrieren kann. Sonst zeigt das Display mehr Reichweite an, als tatsächlich zur Verfügung steht.
Wenn Ihr E-Bike mit einer austauschbaren Batterie ausgestattet ist, nehmen Sie das Akkupack aus dem Rad und laden Sie die Batterie bei Zimmertemperatur wieder auf. So wie Akkus nicht gerne zu heiss werden, haben Sie auch Probleme mit Kälte, was sich beim winterlichen E-Biken deutlich auf die Reichweite auswirkt.

Nutzen Sie die Batterie für längere Zeit nicht, sollte der Akkupack bei Zimmertemperaturen lagern. Selbstentzündungen von Akkus sind äußerst selten, kommen aber vor, deshalb nach erfolgter Ladung das Ladegerät abstecken und den Akku auf Beschädigungen oder aufgeblähte Gehäuse kontrollieren.
Für die Aufbewahrung in der Wintersaison geben die Hersteller unterschiedliche Anweisungen, als Faustregel gilt, dass ein Akku immer mit einer Restladung gelagert werden sollte. Dann ist es ggf. notwendig im Winter ein- oder zweimal nachzuladen. Für eine lange Lebensdauer empfehlen die Anbieter den Akku möglichst in einem Ladezustand zwischen 20 und 80 Prozent zu halten. Die Verwendung von Schnellladegeräten wirkt sich nicht positiv auf die Lebensdauer des Akkus aus. Eine zeitweise Nutzung z.B. auf Radtouren ist aber sicherlich ohne Langezeitfolgen möglich. Tiefentladungen von Akkus sind Gift für die Lebensdauer, der Akku muss baldmöglichst wieder aufgeladen werden, sonst wird er defekt, die Gewährleistung erlischt.

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