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Modegeschäfte erfolgreich finanzieren
Richtig geplant, ist auch für den Modehandel eine Finanzierung drin.
© fiphoto – GettyImages.com

Kredite für den Einzelhandel

Modegeschäfte erfolgreich finanzieren

Lange litten kleine Boutiquen unter den Lockdowns. Doch langfristig bleiben Modegeschäfte in guten Lagen eine lukrative Einnahmequelle – sofern es mit der (Gründungs-)Finanzierung klappt.

Von Michael Kordovsky

30.03.2022

So viel steht fest: Das richtige Konzept ist bei der Gründungsfinanzierung wichtiger als Warengruppen bzw. Segmente.

Wichtig für Banken ist, wie die Erste Bank auf GEWINN-Anfrage beschreibt, dass Gründer ihre Zahlen kennen, insbesondere die Anlaufkosten, zumal ein Shop nicht vom ersten Tag an den Break-even-Umsatz liefert. Liquiditätsplanung auf Monatsbasis ist daher die Grundlage, um den Betriebsmittelbedarf zu eruieren.

Wichtig für Banken, aber auch Förderstellen ist auch ein Businessplan, der Geschäftsidee, Zielgruppe und Einzugsgebiet beschreibt. Wichtig sind aber auch „ein Liquiditätsplan, die Nachvollziehbarkeit der gewünschten Höhe der Kredite, die Darstellbarkeit der Bedienbarkeit, entsprechende Eigenmitteleinbringung sowie Sicherheiten. Die Lage des Verkaufslokals und die Höhe einer Miete oder Pacht spielen natürlich auch eine wesentliche Rolle“, ergänzt die VKB-Bank.

25 Prozent Eigenkapital und Dreijahresplan

Franz Weisz, Ressortleiter Privatkunden UniCredit Bank Austria, nennt ca. 25 Prozent Eigenkapital und ein plausibles Unternehmenskonzept mit einer Dreijahresplanung als wesentliche Kriterien und ergänzt: „Auch sollte im Unternehmenskonzept gerade im Bereich des Einzelhandels ein ‚Corona-Szenario‘ mit möglichen Gewinnrückgängen enthalten sein.“

Bei einem bestehenden Geschäft „benötigen wir für die Vergabe eines Investitionskredits die Vorlage von Unterlagen, welche eine positive Geschäftsentwicklung dokumentieren, bzw. die aktuellen Unternehmenszahlen“, so Weisz. Auch im Fall der Erweiterung einer bestehenden Filiale sei die Vorlage eines Dreijahresplans unter Berücksichtigung eines Corona-Szenarios wesentlich. Zusätzliche Eigenmittel und Sicherheiten sind ebenfalls gewünscht.

Finanzierungsbeispiel: bestehende Boutique für Bekleidung in Übergrößen

Einzelunternehmen einer 37-jährigen Inhaberin, Räumlichkeiten gemietet, normale Haushaltsrechnung der Unternehmerin.

Gewinn nach Steuern und SVS: 30.000 bis 35.000 Euro/Jahr
Schulden: Betriebsmittelrahmen von 35.000 Euro zu 10.000 Euro ausgeschöpft
Vorhaben: Größere Filiale (in Miete) in der gleichen Stadt samt Online-Geschäft, Kaution von 18.000 Euro bringt Unternehmerin auf.
Finanzbedarf: Lage: 50.000 Euro, Online-Shop: 30.000 Euro, PR: 10.000 Euro = insgesamt 90.000 Euro; plus 50.000 Euro für die Anlaufphase als Liquiditätsreserve für zwei Teilzeitkräfte und zwei geringfügige Mitarbeiterinnen.
Basisszenario: 20.000 bis 25.000 Euro künftig zusätzlicher Nettogewinn

Finanzierungslösungen:
VKB Bank: Die aktivierbaren Investitionen könnten über einen geförderten ERP-Investitionskredit (AWS) zinsgünstig finanziert werden. Die erforderlichen Sicherheiten sind bonitätsabhängig. Die nicht aktivierbaren Investitionen (Betriebsmittelfinanzierung, Werbeaufwand etc.) sind per Betriebsmittelrahmen zu finanzieren, die Sicherheiten ebenfalls bonitätsabhängig. „Zur Feststellung eines exakten Liquiditätsbedarfes benötigen wir einen Liquiditätsplan. Daraus ableitbar sind der durchschnittliche Liquiditätsbedarf und auftretende Liquiditätsspitzen“, so die VKB Bank.

Weisz von der UniCredit Bank Austria hätte für die 90.000 Euro folgende Idee: „Für die Investitionen in die neue Filiale, die auch in der Bilanz aktiviert werden, schlagen wir einen geförderten Investitionskredit über die AWS vor, die restliche Summe kann über einen Betriebsmittelkredit finanziert werden, der dann mit einer Förderung der AWS besichert wird.“

Hintergrund: AWS gibt Garantien für Betriebsmittelkredite mit einer Quote bis zu 80 Prozent für endfällige Finanzierungen bis zu 100.000 Euro und Finanzierungen mit gleich hohen halbjährlichen Tilgungsraten in Höhe von bis zu 2,5 Millionen Euro für KMU.

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