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E-Alleskönner für die Feuerwehr © Ernst Kainerstorfer

Rosenbauer-CEO Dieter Siegel

E-Alleskönner für die Feuerwehr

Feuerwehrautos und erzielt knapp eine Milliarde Euro Umsatz. Jetzt hat man sogar die Elektrifizierung von Einsatzfahrzeugen geschafft, denen die Flammen nichts anhaben können. Am Steuer agiert mit Dieter Siegel „einer aus der Familie“.

Von Georg Wailand

12.01.2022

Flughafen im heißen Dubai, einem Knotenpunkt der internationalen Luftfahrt: Die dort beheimateten „Emirates“-Maschinen werden von modernsten Rosenbauer-Feuerwehrautos beschützt, hoch innovative Modelle sind das und sie haben mit rund einer Million Euro auch ihren Preis. Stolz erklären die regionalen Manager die speziellen Vorzüge: Als erstem Anbieter ist es Rosenbauer gelungen, Feuerwehreinsatzautos so zu fertigen, dass diese als Elektroautos moderns­ten Ansprüchen gerecht werden. In Madrid, Warschau oder auch in Griechenland und sonst wo auf der Welt: Wenn es um das Thema Feuerwehrautos geht, dann ist Rosenbauer weltweit die Nummer eins.

So stolz wir Österreicher auf so einen erfolgreichen Nischenplayer auch sind: Einfach war diese Position nicht zu erreichen  – und es bleibt spannend. Dieter Siegel, der CEO des börsennotierten Unternehmens, im Interview mit GEWINN-Herausgeber Georg Wailand: „Die Elektrifizierung unserer Modelle war das Gebot der Stunde.“ Das hat einen Innovationsvorsprung gebracht, der aus Wettbewerbsgründen auch immer wieder notwendig ist. Dieter Siegel redet nicht um den heißen Brei herum: „95 Prozent unserer Umsätze kommen von öffentlichen Auftraggebern.“ Soll heißen: Da muss man höchste Qualität und modernste Standards bieten. Anders wären die Auftragsvergaben nicht zu rechtfertigen.

Als „weltgrößter Hersteller von Feuerwehrfahrzeugen“ kommt Rosenbauer auf knapp eine Milliarde Euro Jahresumsatz, 4.000 Mitarbeiter zählt der traditionsreiche Familienbetrieb, davon sind allein 1.800 in Österreich (zwei Werke) beschäftigt, weitere 900 in den USA (vier Werke), 800 in Deutschland (zwei Werke), die anderen verteilen sich auf die Standorte in Spanien, auf das Jointventure in Moskau, auf Singapur und zehn weitere Service- und Vertriebsstandorte.

Feuerwehrauto
Neues Löschfahrzeug der Superklasse: Mit Elektroantrieb und zahlreichen technischen Finessen, die das Löschen erleichtern. ­Kostenpunkt: eine Million Euro.© Rosenbauer International

Feuerwehrautos seit mehr als 100 Jahren

Wer naiverweise annimmt, dass Feuerwehrautos halt eher primitive Fahrzeuge sind, sollte sich diese Alleskönner einmal näher anschauen: Alles ist daran speziell, da rollen keine Normfahrzeuge vom Band, sondern sie müssen für die unterschiedlichsten Anforderungen perfekt vorbereitet sein. Dieter Siegel nicht ohne Stolz: „So ein Fahrzeug ist eine fahrbare Einsatzzentrale. Strom und Feuer sind für uns kein Problem, seit dem ers-ten Modell sind schon gut eintausend Einsätze erfolgreich absolviert worden.“
Wie schützt man einen Elektro-Lkw gegen die Wirkung der Flammen? Wie viel Wasser kann in welcher Zeit gepumpt werden und wie lange? Kein Wunder, dass diese Feuerwehrautos ein eigenes Fahrgestell brauchen, um bei Einsätzen optimale Möglichkeiten zu bieten. Dieter Siegel: „Wir haben 2012 begonnen, dieses neue Fahrzeug zu entwickeln, das ist ja eine technologische Revolution.“ Bei dem Preis von einer Million Euro sei allerdings auch ein 24-Stunden-Servicevertrag dabei. Im Laufe der Zeit hofft man, die Kosten und damit auch den Preis senken zu können.
In einem Hochkostenland wie Österreich soll das gelingen? Offenbar geht das, allerdings auch nur mit einer ausgeklügelten Strategie: So hat man beim Assembling eine Partnerschaft mit der Elektrosparte von Volvo, anders wären die Kosten noch viel höher.
Dieter Siegel verrät auch das Verkaufsziel: 200 Stück von dem neuen Super-Feuerwehrauto will man pro Jahr in Zukunft absetzen. Dank neues­ter Technologie, dank eines ext­rem kleinen Wendekreises, einem selbstverständlichen Allradantrieb, „der ein Einparken fast wie mit einem Pkw erlaubt“.

Mann

Dieter Siegel, CEO Rosenbauer:
Unsere Fahrzeuge sind alles zugleich, vom Bagger bis zum Formel-1-Boliden – und das in Situationen, in denen es auf die Geschwindigkeit ankommt.

© Rosenbauer International

Einen „Panther“ für die ganze Welt

Aber Umsatzsprünge dieser Dimen­sion sind für Rosenbauer schon bisher Meilensteine in der Erfolgsstory gewesen. So ist auf über 100 (!) Flughäfen dieser Welt der „Panther“ von Rosenbauer vertreten. Seit 1991 ist dieses Modell im Programm und bereits in der vierten Generation in einer Pole-Position: 45 Prozent aller Flughafenlöschfahrzeuge weltweit sind ein „Panther“ von Rosenbauer.
Da kommt selbst der sonst so ­zurückhaltende Rosenbauer-Boss ins Schwärmen: „Unsere Fahrzeuge sind alles zugleich, vom Bagger bis zum Formel-1-Boliden, sie müssen alles können.“ Zum Beispiel 17.000 Liter Wasser in hoherGeschwindigkeit punktgenau zum Einsatz bringen und trotz der Multifunktionen wen-dig und beweglich bleiben. Dieter Siegel selbstbewusst: „Wir haben seit 15 Jahren die Nase vorn, wir haben ein eigenes Fahrgestell, wir haben spe-zielle Aufbauten, Pumpen, Engineering-Lösungen.“ Achsen und Motor werden zugekauft, auch bei Lenkung und ­Getriebe ist Spezialistentum gefragt.

Feuerwehrauto
Der „Panther“ von Rosenbauer: Auf über 100 Flughäfen dieser Welt im Einsatz© Rosenbauer International

Sieben Prozent in Österreich, 93 Prozent in aller Welt

Wie stark Rosenbauer über die heimischen Dimensionen hinausgewachsen ist, zeigt schon eine einzige Zahl: Rund sieben Prozent des Umsatzes werden in Österreich gemacht, 93 Prozent hingegen in aller Welt. Und weil es meist um Aufträge öffentlicher Stellen geht, gibt es größere Schwankungen in den Auftragseingängen. Derzeit glänzen diese wieder wie zu besten Zeiten: Rund ein Jahresumsatz ist schon in den Büchern. Aber es ist eine permanente Herausforderung, jährlich zwischen 2.000 und 2.500 dieser hochwertigen Feuerwehrautos abzusetzen. Eine immer größere Bedeutung kommt inzwischen auch dem Service-bereich zu. Bei der richtigen Schutzbekleidung ist Rosenbauer weltweit die Nummer zwei und inzwischen punktet man auch mit speziellen Feuer­wehrhelmen.

In 15 Minuten voll im Einsatz sein

Egal, wer der Kunde ist: Feuerwehrautos sollten innerhalb von 15 Minuten voll im Einsatz sein können. Das ringt Dieter Siegel ein großes Lob für die heimischen Feuerwehren ab: „Wir haben 4.500 freiwillige Feuerwehren und sechs Berufsfeuerwehren in Österreich, so ein starker Rückhalt ist sonst nur noch in Deutschland bei der Bevölkerung gegeben, im Rest der Welt ist das eigentlich nicht so. Aber 98 Prozent der freiwilligen Feuerwehren in Österreich sind sehr professionell, im Schnitt werden alle 25 Jahre die Fahrzeuge getauscht.“ Die Langlebigkeit der Rosenbauer-Fahrzeuge ist rund um den Globus kein Geheimnis. Da können nur entscheidende Innovationen zwischendurch einen Kaufimpuls auslösen.
Die Konkurrenz ist meist regional verankert und nicht flächendeckend vertreten, das gilt für Mitbewerber in den USA ebenso wie für die japanische Konkurrenz. Dieter Siegel: „Rosenbauer ist der einzige Feuerwehrkonzern weltweit, der innovationsgetrieben die Technologieführerschaft erreicht hat und zudem über einen breiten regionalen Marktzugang verfügt.“

Zwei Männer im Gespräch
Dieter Siegel beim Interview mit Georg Wailand (r.) : Zum Jahresende kleine Umsatzkorrektur wegen Engpässen in den Liefer­ketten© Ernst Kainerstorfer

Ein Familienbetrieb, der an der Börse notiert

Speziell sind nicht nur die Feuerwehr-autos von Rosenbauer, sondern auch die Eigentumsverhältnisse: Denn 1993 wagte man als traditionsreicher und eher konservativ geführter Familienbetrieb den Gang an die Börse. Die Familie bündelte die absolute Mehrheit in einer Beteiligungsverwaltungsgesellschaft und ab da war dann „nur noch Platz für ein Familienmitglied an der Spitze“, so Dieter Siegel. Das sei ein „radikaler Änderungsschritt“ gewesen, seither komme nur jemand in Frage, der die Topposition auch ausfüllen kann. Inzwischen loben selbst sonst kritische „Börsenbriefe“ die Erfolge von Rosenbauer. Der „Platow-Börsenbrief“ etwa attestiert den Österreichern, nicht einmal in schwierigsten Jahren einen Verlust gebaut zu haben, was ein Zeichen für die umsichtige und zugleich zukunftsorientierte Strategie sei. Freilich, der Streubesitz könnte noch größer sein, aber bis das der Fall ist, genießen vor allem auch einige institutionelle Investoren die solide Ertragslage und die feuer­festen Dividenden.

Die Säulen des speziellen Erfolges

Auf die Frage, was den Rosenbauer-Erfolg über die Jahrzehnte hinweg ausgemacht hat, antwortet ihr Topmanager: „Erstens die Marktführerschaft über die ganze Zeit, wir wollen auch der Rising Star im Feuerwehrautobau bleiben. Zweitens: Eine zufriedenstellende Profitabilität über die langen Zeiträume. Und Drittens: Wachstumspotenzial durch Innovation, Zuverlässigkeit, begeisterte Mitarbeiter und direkten Marktzugang.“

Kooperation mit Sigi Wolf ante portas?

Das Kooperationsmodell von Rosenbauer lässt auch eine weitere zündende Idee möglich erscheinen: Warum sollte es für den oberösterreichischen Feuerwehrautospezialisten nicht auch zu einer Kooperation mit dem Investor Sigi Wolf kommen, der gerade die Lkw-Produktion in Steyr auf völlig neue Beine stellt? Und der ebenfalls Elektro-Lkw im Auge hat. Das wäre ein endgültiges Happy End in einer schwierigen Branche. Denn derzeit plagen alle Hersteller Lieferverzögerungen und Verteuerungen bei den Zulieferungen. Für eine mögliche Zusammenarbeit mit Sigi Wolf spricht auch dessen Stärke auf dem russischen Markt, Rosenbauer wiederum ist in einem Jointventure vertreten. Dieter Siegel: „Wir sind für gute Ideen offen, wir haben uns immer auf Nischen fokussiert, das wird auch so bleiben.“

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