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Die Schätze des Ostens
Danzig in Polen mit dem berühmten Krantor
© Claudia Jörg-Brosche

Osteuropa-Städtereisen

Die Schätze des Ostens

Die Reiseziele Zentral- und Osteuropas werden aktuell etwas weniger besucht – und sind ­gerade deswegen eine Reise wert! Die besten Tipps und Neuheiten.

Von Claudia Jörg-Brosche

30.08.2022
Exklusiv für GEWINN-Abonnenten

Danzig in Nordpolen war einst unermesslich reich: Ab dem 13. Jahrhundert verfügte die baltische Stadt (und spätere Hansestadt) über das größte Getreidelager Europas, einen florierenden Hafen für die Ostsee und gewaltige Bernsteinschätze, das „Gold der Ostsee“. Ein Handelsmonopol bescherte Warenaufschläge von 50 bis 200 Prozent. Gewaltige Speicher aus rotem Backstein (einst 359, heute gibt es nur noch drei), schmucke Patrizier- und Bürgerhäuser, herrliche Kirchen in nordischer Backsteingotik und eine königliche Residenz sind Ausdruck des Wohlstands. Bekanntestes Wahrzeichen ist das berühmte Krantor am Fluss Mottlau aus dem Jahr 1444: Der damals größte Kran Europas (27 Meter) verrichtete 500 Jahre seine ­Dienste.

Danzig ist aber auch die Stadt der schmerzhaften deutsch-preußisch-polnischen Geschichte und der Freiheit: Hier begann der Zweite Weltkrieg. 1945 wurden 90 Prozent der Stadt von den Russen dem Erdboden gleich gemacht, und von hier aus rollte Lech Wałęsas Bürgerbewegung „Soli­darność“ als Welle über Osteuropa.

Heute ist Danzig eine moderne Metropole mit unverwechselbarem Charakter und ein blühendes Zent­rum für Kultur, Wirtschaft, Wissenschaft und Unterhaltung. Das wunderschöne mittelalterliche Zentrum namens „Rechtsstadt“ wurde meisterhaft originalgetreu wiederaufgebaut. Straßenmusikanten beleben das bunte Straßenbild zusätzlich, großartige Museen laden ein, die spannendsten sind das Europäische Zentrum Solidarność am Werftgelände, das Bernsteinmuseum in der mittelalterlichen Großen Mühle und das krachmoderne Museum des zweiten Weltkriegs.

Das Gesicht der Stadt wird aber auch von gepflegten Parkanlagen, gewaltigen Werftkränen am neuen Ostseehafen, einer lebendigen Clubszene in postindustriellen Hallen, dem futuristischen, bernsteinfarbenen Fußballstadion und – nicht zu vergessen – seinen herrlichen, nahegelegenen Sandstränden geprägt. Die Ostsee ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln leicht zu erreichen, am allerschönsten ist das nostalgisch-mondäne Seebad Zoppot (Sopot) mit der 516 Meter langen, weißen Mole, dem längsten Holzsteg Europas. Danzig wird ab Wien direkt angeflogen (eine Stunde zwanzig, Ryanair; gdansk.pl/de).

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