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Das Darmmikrobiom als Gesund­heitsbooster
Ist die Darmflora gestört, treten häufig Beschwerden wie Völlegefühl oder Blähungen auf.
© AndreyPopov – GettyImages.com

Gesundheit

Das Darmmikrobiom als Gesund­heitsbooster

Studien zufolge leiden rund 30 Prozent der Österreicher an Verdauungsbeschwerden. Probiotika können helfen, ­müssen aber gezielt ausgewählt werden. 

Von Andrea Zauner-Dungl

28.04.2026
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Wer von Völlegefühl, Blähungen oder dem Reizdarmsydrom betroffen ist, greift häufig zu einem Probiotikum, um die Darmflora wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Zuletzt fragte mich wieder eine Patientin, ob das von ihr bevorzugte Präparat überhaupt gut sei. Diese Frage lässt sich allerdings nicht so einfach beantworten.

Unser Darm beherbergt Billionen an Mikroorganismen, die sich gegenseitig beeinflussen. Bakterien, Pilze und Viren bilden dabei ein fein aus­geklügeltes System. Im Vordergrund steht die Mikrobiota, der Bakterien­rasen auf der Darmschleimhaut. Drei große Bakterienstämme, bestehend aus jeweils Hunderten bis Tausenden unterschiedlichen Bakterien, übernehmen gezielt einzelne Aufgaben und beeinflussen unseren Stoffwechsel. Umso wichtiger ist es, das Verhältnis der Stämme im Gleichgewicht zu halten. Unsere Mikroben sind nämlich aktiver Teil unseres Stoffwechsels. Sie organisieren sich dabei wie Versorgungseinheiten, die Energie, Schutz und Kommunikation im Fokus haben.

Schon seit Längerem steht der Einfluss des Mikrobioms auf Stoffwechsel und Energiegewinnung im Blickfeld der Forschung. Studien zeigen Zusammenhänge zwischen den Firmicutes-Bakterien und dem Fettstoffwechsel, aber auch der Energiegewinnung aus der Nahrung. Bis zu 200 Kalorien täglich können diese ­Keime aus Ballaststoffen lukrieren.

Ebenso stehen rund 70 Prozent unserer Immunabwehr in direkter Verbindung zum Darmmikrobiom. Hauptverantwortung übernehmen hier die Bacteroidetes, jener Stamm, der vor allem das Eindringen pathogener Keime verhindert, Immunzellen trainiert und auch die Darmbarriere stabilisiert.

Besonders faszinierend ist der Austausch zwischen Darm und Gehirn. Über Nervenbahnen, Stoffwechselprodukte und Immunbotenstoffe kommunizieren beide Systeme mit­einander. Bekannter Vertreter ist hier das Bifidobacterium, das zur Gruppe der Actinobacteria zählt. Neben der entzündungshemmenden Wirkung ist es entscheidend für die Entwicklung des Immunsystems und die Regulierung der Darm-Hirn-Achse.

Ist das Gleichgewicht der mikrobiellen Gemeinschaft gestört, ist eine Dysbiose die Folge. Wesentliche Schutzfunktionen sind beeinträchtigt, und das eigene Wohlbefinden kommt aus dem Tritt. Wissenschaftliche Untersuchungen bringen solche Veränderungen unter anderem mit Darmbeschwerden, chronischen Entzündungen und Stoffwechselstörungen in Verbindung. Um die mikrobielle Balance zu unterstützen, hilft Folgendes:

  • Achten Sie auf kleine Pausen
    Nehmen Sie sich Zeit für ein paar tiefe Atemzüge. Die Bewegung des Zwerchfells hilft einer verbesserten Durchblutung sowie dem Stoffwechsel im Darm.
  • Gezielter Einsatz von ­Lebensmitteln
    Kurzkettige Kohlenhydrate wie Zucker und Weißmehlprodukte bringen das Gleichgewicht im Darm in Schieflage, während pflanzenbasierte, ballaststoffeiche Nahrung sowie Bitterstoffe die Diversität unseres Mikrobioms unterstützen. Ideal als „Dünger“ für die Darmflora geeignet sind: Hülsenfrüchte, Kürbisgewächse, Spargel, Kohl, Brokkoli, Zwiebeln, Lauch, Chicorée, Endivie und Radicchio.

Balance als Schlüssel

Für mich gleicht die Balance im Darm einem Orchester. Einzelne Stars stechen heraus, letztendlich entsteht die Schönheit der Musik aber durch das Zusammenspiel aller Mitglieder. Erst die Diversität des Mikrobioms sorgt für ausreichende Harmonie Ihrer Gesundheit. Entscheidend ist also weniger die Anwesenheit einzelner „guter“ Bakterien, sondern deren Vielfalt. Vor Einnahme eines Probiotikums ist gezielte Beratung hilfreich. Unter Umständen kann eine Mikrobiomanalyse des Stuhls wertvolle Hinweise zur ­gezielten Therapie liefern. 

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