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Zwischen Vorsorge und Selbst­optimierung
Regelmäßige, moderate Bewegung, gutes Stressmanagement und ausreichend Schlaf sind wahre Leistungsfähigkeitsbooster.
© monkeybusinessimages – GettyImages.com

Gesundheit

Zwischen Vorsorge und Selbst­optimierung

Der Markt für Nahrungsergänzungsmittel boomt. Längst handelt es sich dabei nicht mehr nur um klassische Apothekenprodukte – sie sind Lifestyle, Ausdruck eines bestimmten Lebensstils und ein Milliardenmarkt.

Von Andrea Zauner-Dungl

02.06.2026
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Gleich vorweg: Nahrungsergänzungsmittel unterscheiden sich grundlegend von Medikamenten. Sie sind nicht als Dauer­medikation gedacht, sondern sollen eine ausgewogene Ernährung zeitlich ­begrenzt ergänzen, zum Beispiel in Phasen besonderer Belastung oder während der Rekonvaleszenz.

Erst kürzlich hatte ich eine Klientin, die mit den Worten „Das alles nehme ich ein, aber ich bin nicht sicher, ob das auch gut ist“ zehn verschiedene Packungen auf meinen Tisch stellte. Um uns einen Überblick zu verschaffen, erstellten wir ein Nahrungsergänzungsmittel-Tagebuch. Rasch wurde deutlich, dass sich einige Präparate in ihrer Wirkung überschnitten und die empfohlene Tageshöchstdosis teils mehrfach überschritten wurde. Besonders auffällig dabei war Vitamin D (Cholecalciferol). Es spielt für die ­Knochengesundheit eine wichtige Rolle, beeinflusst unter anderem das Immunsystem, entzündliche Prozesse und die psychische Stabilität. Zudem wirkt es auf zahlreiche Gene, die an Zellschutz und an Alterungsprozessen beteiligt sind. Idealerweise wird Vitamin D mit Vitamin K2 kombiniert, das den Einbau von Calcium in die Knochen unterstützt und sich positiv auf Gefäß- und Herzgesundheit auswirken kann. Doch gerade hier ist ­Vorsicht geboten. Vitamin D verbleibt lange im Körper. Eine Überdosierung kann zu Hypervitaminose und erhöhten Calciumwerten im Blut führen.
Nach einer gemeinsamen Evaluierung reduzierten wir die Zahl der ­Präparate auf zwei. Erwartungsgemäß verbesserte sich dadurch auch der ­Appetit der Dame wieder.

Longevity als Kapsel?

Der Trend zu Selbstoptimierung und Healthy Aging ist nachvollziehbar. ­Immerhin sind rund 27 Prozent der Bevölkerung älter als 60 Jahre. Viele Substanzen werden heute mit dem Versprechen beworben, Alterungsprozesse zu verlangsamen. Sie stützen sich auf neuere Forschungsergebnisse aus Zellmodellen, die zeigen, dass ­einzelne Stoffe möglicherweise schützende Zellstrukturen, die sogenannten Telomere, positiv beeinflussen können. Allerdings fehlen vielfach ­belastbare Langzeitstudien am Menschen. Hier besteht noch erheblicher Forschungsbedarf.

Die Leistungsfähigkeitsbooster

Das eigentliche Problem liegt oft weniger in einem Nährstoffmangel als in unserem Lebensstil. Ständige Erreichbarkeit und fehlende Regenerationsphasen fördern die Zellalterung. Dabei sind die wirksamsten Longevity-Strategien oft erstaunlich simpel – und nicht patentierbar. Neben ausgewogener Ernährung und ausreichend sozialen Kontakten sind vor allem drei Maßnahmen wissenschaftlich gut ­belegt:

  • Machen Sie Pausen: Spätestens nach 90 Minuten eine kurze Unterbrechung einzulegen, wirkt nicht nur der Zellalterung entgegen, sondern steigert auch die Konzentrationsfähigkeit. Disstress versetzt Zellen in einen permanenten Alarmzustand. Das erhöht oxidativen Stress und schädigt langfristig unsere Zellkraftwerke.
  • Täglich sieben Stunden Schlaf: Im Schlaf laufen zentrale Reparatur- und Regenerationsprozesse ab, für die tagsüber oft keine Kapazitäten vorhanden sind. Untersuchungen weisen darauf hin, dass chronischer Schlafmangel zur beschleunigten Alterung des Gehirns beitragen kann.
  • Regelmäßige moderate Bewegung: Bewegung kann Zellen buchstäblich verjüngen und zum Erhalt der Telomere beitragen. Ideal ist ein Tempo, bei dem man gerade noch sprechen kann. Diese Form der Belastung fördert den Abbau des Stresshormons Cortisol und führt zur Ausschüttung stimmungshebender Endorphine.

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