Hauptinhalt

DAC – wohin geht der Weinweg?
Die Wachau versuchte, per DAC-Verordnung so viele Weine wie möglich einzubringen. Nun sind 18 Sorten bzw. Verschnitte als Gebietsweine erlaubt
© Stefan Rotter – GettyImages.com

DAC – wohin geht der Weinweg?

Vor Jahrhunderten galt die Herkunft mit den jeweils charakteristischen Weintypen als Wegweiser in der Weinwelt. Wo diese Philosophie dominiert, sprechen wir vom romanischen Qualitätsprinzip.

Von Walter Kutscher

04.02.2022

Doch immer mehr rückten dann in manchen Ländern das Sortendenken und die Reinsortigkeit in den Vordergrund, bis sie schließlich im Dritten Reich, analog zur Rein­rassigkeit, nahezu zur Pflicht erhoben wurden. In diesem Fall ist vom germanischen oder alemannischen Qualitätsprinzip die Rede.
Als in Österreich mit der Ernte 1997 Lieferprobleme für die Großabnehmer im Export und im heimischen Lebensmittelhandel aufkamen, tauchten vermehrt „unsere“ Sorten wie Grüner Veltliner oder Blaufränkisch aus Ungarn in den Regalen auf. Die Lehre daraus: Sorten sind austauschbar, die Herkunft nicht!
Gemäß dem Vorbild der Bourgogne (Burgund) wurden Leitsorten mit spezifischer Herkunft versehen, und die neue DAC-Ära war geboren. Wobei „DAC“ für „Districtus Austriae Controllatus“ steht.
Als Vorreiter dabei fungierte 2002 das Weinviertel mit dem gebietstypischen Grünen Veltliner. Auch im Blaufränkischland Mittelburgenland (2005) und dem Südburgenland (2009) konnte mit einer Leitsorte, Blaufränkisch, das Auslangen gefunden werden.
Die Weinbaugebiete an der Donau, Traisental, Kremstal und Kamptal, holten sich zum Grünen Veltliner auch den Riesling mit ins DAC-Boot (2006 bis 2008).

Beim Leithaberg DAC wurde die Sache schon erstmals komplizierter, denn vier Weißweinsorten und der Blaufränkisch verursachten schon eine gewisse Unübersichtlichkeit. Und nachdem die Sortenvielfalt in manchen Gebieten den Strategen im Nationalen Weinkomitee den ursprünglichen Gedanken konterkarierte, mündete die DAC-Idee in einer „eierlegenden Wollmilchsau“.

Der Gipfel dabei gelang der Wachau. Grund dafür war, dass alle Nicht-DAC-Weine automatisch als Herkunft nur das Bundesland (als generisches Weinbaugebiet) am Etikett ausweisen durften. Die Wachau aber versuchte, per DAC-Verordnung so viele Weine, wie möglich mit der Herkunft Wachau zu versehen, was zum Ergebnis hatte, dass 18 verschiedene Sorten bzw. Verschnitte als Gebietswein erlaubt sind.
Das Wagram DAC steht inzwischen unter ähnlichen Voraussetzungen in der Startphase, während die Thermenregion weiter überlegen möchte.

Bei der Herkunftspyramide (Gebietswein-Ortswein-Riedenwein) stand das Burgund nochmals Pate. Doch noch nicht alle DAC-Gebiete sind auf diese vernünftige Einteilung aufgesprungen. Dieses „Durcheinander“ bewirkt, dass der nicht immer fachkundige, weininteressierte Laie die einst als vereinfachend gedachte Herkunftsphilosophie nicht wirklich zu durchschauen vermag.

Weine des Monats

© Weingut Frauwallner, Weingut Jöbstl, Weingut Gager, Weingut Neustifter, Weingut Urbanihof, Weingut Lenz Moser

(von links nach rechts):

Welschriesling 2021, Vulkanland Steiermark DAC
(7,40 Euro): 11,5% Alk.
Feine Frucht mit grünem und gelbem Apfel, ein Hauch von Zitrus samt sortentypischer Würze; saftiges Säurespiel, finessenreicher Verlauf, garantiert Trinkfluss.
Weingut Frauwallner
8345 Straden, Karbach 7, Tel. +43 3473 71 37
weingut@frauwallner.com, www.frauwallner.com

Schilcher 2020 Ortswein Eibiswald, Weststeiermark DAC
(8,30 Euro): 12% Alk.
Klassisches Altrosa, perfekte Sortentypizität mit allem, was Ribisel an Aromen wieder­geben kann; verspielt, animierend und betörend, vibrierend und saftig konzipiert.
Weingut Jöbstl
8551 Wernersdorf/Wies, Am Schilcherberg 1, Tel. +43 3466 43210
info@joebstl.eu, www.joebstl.eu

Blaufränkisch 2018 Ried Fabian
(11,30 Euro): 14% Alk.
Zarte Würze, etwas Zimt und viel reife, dunkle Frucht; Extraktsüße und archaische Grafit-Noten, mit genügend Tannin vermengt, verstrahlt Wärme und Komplexität.
Weingut Gager
7301 Deutschkreutz, Karrnergasse 2, Tel. +43 2613 80385
info@weingut-gager.at, www.weingut-gager.at

Grüner Veltliner Exklusiv 2020 Ried Hermannschachern
(11,30 Euro): 13% Alk.
Klassische Sortentypizität, mit jugendlichem Früchteflair ­unterlegt sowie dezenter Heublumenwürze; saftig und ­eloquent strukturiert, ­Zitrus-Touch im Abgang.
Weingut Neustifter
 2170 Poysdorf, Laaer Straße 10, Tel. +43 2552 3435
info@weingut-neustifter.com, www.weingut-neustifter.at

Grüner Veltliner 2019 Ried Dorner Alte Reben BIO
(14 Euro): 13% Alk.
Harmonischer Dialog aus gelber Frucht und nussiger Würze, von eleganter Reife eingeleitet; breit gefächerte Fruchtvielfalt, nobles Säuregerüst, wohliger Nachhall.
Weingut Urbanihof
3481 Fels am Wagram, Sankt-Urban-Straße 3, Tel. +43 2738 2344-12
weingut@urbanihof.at, www.urbanihof.at

Trockenbeerenauslese Prestige 2017, Burgenland
(16,20 Euro): 11% Alk., Naturkork.
Flüssiges Gold; wohlige Botrytis, mit Honig und tropischer Trockenfrucht vermengt; von spannender Süße und Säurebalance getragen, hocharomatisch im Nachhall.
Weinkellerei Lenz Moser
3495 Rohrendorf, Lenz-Moser-Straße 1, Tel. +43 2732 85541
office@lenzmoser.at, www.lenzmoser.at

Weitere Artikel

GEWINN Mai 2022

Könige der Alpenküche

St. Kassian im Gadertal in Südtirol, weit oben in den Dolomiten. Hier, auf mehr als 1.700 Meter...

Weiterlesen: Könige der Alpenküche
GEWINN extra 2022

In Kreisläufen denken

Das Prinzip hinter Cradle to Cradle ist das Denken in Kreisläufen. Wiederverwerten statt wegwerfen,...

Weiterlesen: In Kreisläufen denken
GEWINN extra 2022

Fleisch von der Pflanze

Der vegane Markt bietet pflanzliche Alternativen zu Hendl, Lachs und Co. Wie viel Co2 sich damit...

Weiterlesen: Fleisch von der Pflanze