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Interview Matthias Reder
„Bitcoin minen, statt PV-Strom zu verschenken“
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Matthias Reder beschäftigt sich als ehemaliger Banker mittlerweile seit Jahren ausschließlich mit Bitcoin und vor allem auch mit dem Mining von Bitcoin. Er ist als selbstständiger Berater und als Buchautor aktiv und veranstaltet zum Beispiel auch den jährlich stattfindenden „Bitcoin meets Burgenland“-Kongress. Bei der diesjährigen Ausgabe des Kongresses hat er in seinem Vortrag darauf hingewiesen, dass Krypto-Home-Mining für Haushalte mit PV-Anlage inzwischen sehr attraktiv geworden ist.
GEWINN: Warum ist es für Besitzer von PV-Anlagen so interessant geworden, Bitcoin zu minen?
Reder: Erstens, weil die Einspeisevergütung für Solarstrom deutlich gesunken ist. In vielen Fällen wurden die Tarife für Überschussstrom, den man an Energieanbieter verkauft, von 13 oder 14 Cent auf zwei oder drei Cent reduziert. Damit waren viele Tausende PV-Anlagenbesitzer in Österreich in letzter Zeit konfrontiert. Und da haben sich viele die Frage gestellt, ob sie wirklich den produzierten Strom quasi verschenken möchten. Außerdem kann es in Zukunft ja so weit kommen, dass die Netzbetreiber die privaten PV-Anlagen temporär abdrehen, wenn das Netz bei zu viel Sonnenstrom überlastet wird. Und zweitens gibt es erstmals ein Bitcoin-Mining-Gerät, das wirklich für Home-Mining geeignet ist.
GEWINN: Was unterscheidet dieses Gerät von anderen Mining-Geräten?
Reder: Professionelle Bitcoin-Mining-Geräte, sogenannte ASIC-Miner, brauchen in der Regel sehr viel Energie und sind aufgrund der hohen Lautstärke für Wohnräume ungeeignet. Der Avalon-Q-Miner vom chinesischen Anbieter Canaan ist da ein echter Gamechanger. Er läuft mit maximal 45 Dezibel Betriebslautstärke. Das entspricht einem Geräuschniveau eines Kühlschranks. Und zweitens ist das Gerät sehr effizient. Das bedeutet, dass es mit relativ wenig Strom für viel Rechenleistung auskommt. Damit kann man erstmals wirklich komfortabel und effizient zu Hause Bitcoin-Mining betreiben.
GEWINN: Wie viel kostet das Gerät und wie viel Stromleistung braucht es?
Reder: Der Miner kostet aktuell bis zu 1.800 Euro und braucht maximal 1.700 Watt.
GEWINN: Wie gut muss man sich mit Bitcoin-Mining auskennen, um dieses Gerät in Betrieb nehmen zu können?
Reder: Man muss dazu gar nicht wissen, wie das Mining im Detail funktioniert. Man sollte lediglich das Mining-Gerät, das als Plug-and-Play-Lösung geliefert wird, sauber konfigurieren. Aber das ist kein Hexenwerk. Wer es schafft, seinen neuen WLAN-Router vom Mobilfunkanbieter selbst einzurichten, wird auch das Home-Mining-Gerät konfigurieren und damit zu Hause mit Überschussstrom Bitcoin minen können.
GEWINN: Wie läuft die Abrechnung bzw. wie kommt man dann zu seinen Bitcoins?
Reder: Man muss sich zunächst bei einem Mining-Pool anmelden, wo viele andere privaten Miner beteiligt sind. Abgerechnet wird nach der Zeit, die das Mining-Gerät in Betrieb ist. Wenn das Gerät jetzt zum Beispiel nur eine Stunde und 13 Minuten läuft, dann wird für eine Stunde und 13 Minuten abgerechnet. Man bekommt dann seinen anteiligen Mining-Erlös täglich in seine Bitcoin-Wallet ausbezahlt. Für die Steuerung, dass das Mining-Gerät wirklich nur mit überschüssigem Sonnenstrom läuft, gibt es auch eigene Anbieter.
GEWINN: Wie lange dauert es, bis sich die Anschaffung des Miners amortisiert?
Reder: Das ist sehr individuell und hängt davon ab, wie viel der Miner tatsächlich läuft und wie hoch der Bitcoin-Preis ist. Wir haben diesbezüglich mit dem Unternehmen Sun+ einen Rechner entwickelt, wo das jeder für seine eigene Situation berechnen kann. Beim aktuellen Bitcoin-Kurs von rund 56.000 Euro je Bitcoin lukriert das Gerät circa sechs Cent je eingesetzter Kilowattstunde Strom. Beim Kurshoch im Oktober 2025 wären es noch über neun Cent gewesen.


