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Alte Meisterinnen
Jungstar: Fede Galizia war schon als 20-Jährige international als Malerin von Stillleben, Porträts und religiösen Motiven etabliert. Im Dorotheum kommt nun „Judith mit dem Haupt des Holofernes“ (1610/15) zur Auktion – Schätzwert: 200.000 bis 300.000 Euro.
© Dorotheum/Fotopump

Sammlerthema Gemälde

Alte Meisterinnen

Erst in jüngster Zeit erhalten Künstlerinnen des 17. und 18. Jahrhunderts gebührende Anerkennung, bei steigenden Preisen.

Von Marie-Thérèse Hartig

05.05.2023
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„Sie hat ein unglaubliches und als Weib ungeheures Talent.“ So schwärmte Johann Wolfgang von Goethe von seiner Freundin Angelika Kauffmann (1741–1807), einer der erfolgreichsten Künstlerinnen des Klassizismus. Damit hatte die schweizerisch-österreichische Malerin freilich eine Ausnahmeposition inne: Im Allgemeinen wurden die „alten Meis­terinnen“ bis vor Kurzem von Kritik und Markt gleichermaßen ignoriert, unterschätzt und als nicht an ihre männlichen Kollegen heranreichend betrachtet.

„Da Institutionen und Museen ­versuchen, das Ungleichgewicht der Werke in ihren Sammlungen auszugleichen, nimmt das Interesse an Arbeiten von Frauen zu“, berichtet Vera ­Hinteregger, Kunsthistorikerin und Cataloguer für alte Meister im Wiener Dorotheum. „Eine englische Studie hat kürzlich ergeben, dass Werke von Künstlerinnen nur sieben Prozent der in internationalen Museen ausgestellten Objekte ausmachen. Die National Gallery in London beispielsweise verfügt über eine Sammlung von 2.391 Kunstwerken – und nur 21 davon von Frauen, etwas mehr als ein Prozent.“

So verwundert es kaum, dass es bis 2020 dauerte, ehe die National ­Gallery erstmals einer historischen Malerin, Artemisia Gentileschi (1593–1654), eine Soloausstellung widmete. Dabei kann Gentileschi getrost als ein Paradebeispiel erfolgreicher weiblicher Kunst des 17. Jahrhunderts gelten. „Man darf nicht vergessen, dass es für Frauen zu dieser Zeit äußerst schwierig war, sich als Künstlerinnen auszubilden, da sie aufgrund geschlechtsspezifischer Vorurteile und fester sozialer Rollen keinen ­einfachen Zugang zu Werkstätten und Akademien hatten“, schildert ­Hinteregger. Ihre Kollegin Kareen Schmid vom Auktionshaus im Kinsky ergänzt: „Die meisten der heute bekannten und preislich gefragten Altmeisterinnen wurden schon in eine kunstschaffende Familie geboren und erhielten dort auch ihre Förderung. Sie waren schon zu Lebzeiten anerkannte und zum Teil hochdotierte Persönlichkeiten.“ Das trifft auf Kauffmann ebenso zu wie auf Gentileschi, aber auch auf Fede Galizia (1578–1630) und Orsola Maddalena Caccia (1596–1676), die das Dorotheum als Highlights der Altmeis­ter-Auktion Anfang Mai präsentiert.

„Museumsqualität“ attestiert Dorotheum-Experte Mark MacDonnell dem Ölbild „Judith mit dem Haupt des Holofernes“ von Fede Galizia: „Es ist ein bisher unbekanntes Meisterwerk, eine wichtige, signierte Wiederentdeckung dieser bedeutenden Künstlerin.“ Geschätzt wird die Arbeit auf den sehr moderaten Wert von 200.000 bis 300.000 Euro. Noch höher klettern die Preise bei ihren Früchte-Stillleben, die als Motiv gefragter sind als religiöse Darstellungen: Galizias „Glasschale mit Pfirsichen, Jasminblüten, Quitten und einer Heuschrecke“ spielte 2019 bei Sotheby’s in New York 2,4 Millionen US-Dollar (2,77 Millionen Euro) ein.

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