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Zweites Leben von Laptops und Co.
Es muss nicht immer neu und teuer sein, der Markt für überarbeitete Geräte wird immer größer.
© refurbed

KMU: Refurbished

Zweites Leben von Laptops und Co.

Wiederverwenden statt Verschwenden – warum es sich für Private und vor allem KMU durchaus auszahlt, Refurbished-Computer, -Smartphones oder -Elektronikgeräte anzuschaffen.

Von Herwig Wöhs

02.01.2023

Refurbished oder Refurbed bedeutet überarbeitet, wiederinstandgesetzt oder überholt. Es beschreibt das Angebot von Internetplattformen, auf denen gebrauchte Laptops, Smartphones, Tablets oder Smartwatches, die wiederinstandgesetzt mit ordentlichem Rabatt zum Neupreis, auf eine zweite Verwendung warten. Sogar Kameras, Haushalts-, Sportgeräte wie E-Bikes oder, ganz neu, auch Skis werden mittlerweile in diesem boomenden Segment angeboten. Aber auch lokale Händler bieten solche Geräte nicht nur zum anonymen Versand, sondern zum Angreifen und zur Abholung im Shop.

Damit der Vergleich mit einem Altwarentandler erst gar nicht aufkommt:

Während dort ein Gebrauchtgerät einfach so wie es ist, gebraucht eben, den Kunden verkauft wird, werden Refurbished-Geräte von ausgewählten Fachbetrieben gereinigt, instandgesetzt, defekte Teile ersetzt und geprüft.

Jedes gebrauchte Gerät wird von Partnern der Plattformen in ganz Europa in bis zu 40 Schritten erneuert. Je nach Qualitätsstufe (siehe Kasten) gibt es leichte Gebrauchspuren bis zu einem neuwertigen Zustand. Die Geräte sehen danach aus wie neu und funktionieren auch wie neu – mit mindestens zwölf Monaten Gewährleistung und bei manchen Anbietern erweiterter Garantie auf drei Jahre.

Als Kunde hat man die Möglichkeit jedes Gerät 14 Tage bis einen ganzen Monat kostenlos zu testen und bei Nichtgefallen meist kostenfrei zurückzusenden. Neben den meist aus der Startup-Szene stammenden Spezialisten, springen auch die „Großen“ wie der Apple Store, Amazon oder Conrad auf den Zug der Zeit auf und bieten mittlerweile Refurbed-Produkte an.

Tabelle mit Internetplattformen für Refurbed-Geräte

Wiederverwenden statt verschwenden

Reparieren und Wiederinstandsetzen benötigt deutlich weniger Ressourcen als ein Neugerät, daher stammt auch der grüne Touch der ersten Anbieter. Mittlerweile ist aber das Wiederverwenden statt Verschwenden oder das Konsumentenrecht auf Reparatur in der Mitte der Gesellschaft angekommen und sowohl für Privatpersonen als auch für Unternehmen interessant. Der AFBShop z. B. setzt zusätzlich auch noch auf Inklusion bei der Auswahl der Mitarbeiter, andere wiederum pflanzen pro verkauftem Gerät einen Baum im Namen des Kunden und CO2-neutraler Versand ist sowieso ein „Must“.

Eines muss jedenfalls bewusst sein: Die Refurbed-Geräte sind bereits in Gebrauch gewesen und nicht der letzte Stand der Technik. Wer immer das neueste Modell haben will, ist hier fehl am Platz. Wer aber solide, bewährte Technik zum günstigen Preis sucht, der Umwelt was Gutes tun und preiswert seine IT einkaufen will, ist mit Refurbed-Hardware gut bedient.

Oft stammen die Geräte aus dem IT-Bestand großer Unternehmen, die regelmäßig Systemwechsel vornehmen, oder aus Leasingrückläufern, meist sind sie zwei bis vier Jahre alt. Wer z. B. immer noch Rechner mit dem alten Windows 7 (seit 2020 ohne Sicherheitsupdates) im Unternehmen betreibt, kann mit einem Refurbed- Rechner oder -Laptop preiswert in die IT-Sicherheit investieren.

Sparpotenzial

Ob und wie viel man mit Refurbed-Hardware sparen kann, zeigen nachfolgende drei Beispiele mit Angebots- stand 7. 12. 2022.

  • Beispiel eins: Bei Refurbished.at zeigt sich das niederländische Stammhaus in diversen Menüs, wenn z. B. nach Rechnern für den „Alledaags gebruik“ gesucht werden kann. Uns ist das 2020er-Modell des Lenovo Think- Pad T15 Gen1 im Zustand „wie neu“ um 739 Euro ins Auge gestochen. Ursprünglich kostete der Rechner im Bestpreis 1.199 Euro, ist also rund 38 Prozent billiger als der damalige Bestpreis. (Für Nostalgiker gibt’s noch ein- zelne Exemplare ab 1.399 Euro, allerdings ist der leistungsidente Nachfolger Generation zwei bereits ab 1.164 Euro erhältlich.)

  • Beispiel zwei: Als Schülernotebook soll ein Einsteigermodell unter dem Christbaum liegen, wir haben uns für das Fujitsu Lifebook U727 von Refurbed.at entschieden, das mit wohlfeilen 195 Euro angeboten wurde. Der Verkauf dieses Modells wurde 2019 eingestellt, der letzte Bestpreis für die Version mit dem i5-6200U-Prozessor und 8/256 GB Speicher lag bei knapp über 1.000 Euro. Ausgestattet mit einer Lizenz von Win 10 Pro und zwölf Monaten Garantie haben wir die optische Version „exzellent“ gewählt, was defacto einem Neuzustand entspricht. Der Aufpreis zu „sehr gut“ lag bei gerade mal elf Euro, wir bekamen das Gerät binnen einer Woche von einem Berliner Händler samt Ladegerät zugesandt, der Zustand war tatsächlich tadellos.

  • Beispiel drei: Um 1.102,99 Euro gibt es das MacBook Pro 2020 mit dem i5- Prozessor, 16/512 GB Speicher und deutscher Tastatur in der Optik „gut“. Verglichen wird der Preis mit dem ursprünglichen Verkaufspreis von 2.199 Euro, was einem Nachlass von 49 Prozent entsprechen würde. Refurbed.at ist aber hier nur die Handelsplattform, über die das MacBook verkauft wird. Unser Gerät kommt aus der Nähe der westfranzösischen Stadt Angers vom dortigen Unternehmen Okamac.

    Tatsächlich aber wird das idente Modell neuwertig bereits um 1.299 Euro plus Versandkosten bei Internetversandhändlern angeboten. Hier schlagen also aktuelle Schnäppchen, die einfach über Preisvergleichsplattformen gefunden werden, das Angebot der Refurber.

Handy mit der refurbed Website geöffnet in der Hand
Meistens garantieren die Anbieter eine mindestens 80-prozentige Leistung des Akkus im Vergleich zu einem neuen Exemplar.© refurbed

Ist der Akku okay?

Fehler am Display oder am Gehäuse sind schnell ausgemacht, aber wie steht es mit dem Innenleben? Meistens garantieren die Anbieter eine mindestens 80-prozentige Leistung des verbauten Akkus im Vergleich zu einem neuen Exemplar. Das ist in Zusammenhang mit der Ein-Jahres-Garantie und der kostenfreien Rücksendung okay, kann aber in Einzelfällen zu Problemen führen, wie auf Internetbewertungsseiten nachzulesen ist. Die Plattformen zeigen sich aber dann meistens sehr kulant, wie die meisten User berichten. Und Festplatten oder Speicher sind von Daten so befreit, dass keine Daten der Vornutzer mehr vorhanden sind bzw. wiederhergestellt werden könnten.

Qualitätsstufen

Die Anbieter haben meist drei Kategorien des optischen Zustands, die bessere Kategorie wird mit Aufpreis verkauft.

Exzellent, wie neu, hervorragend, o. ä. Bildschirm: komplett neu Gehäuse: keine sichtbaren Kratzer aus kurzer Distanz

Sehr gut, leicht gebraucht, o. ä. Bildschirm: keine sichtbaren Kratzer, wenn eingeschaltet Gehäuse: minimale Gebrauchs- spuren – sichtbar erst aus der Nähe

Gut, gebraucht o. ä. Bildschirm: keine sichtbaren Kratzer, wenn eingeschaltet Gehäuse: kleine Kratzer oder Dellen

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