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Wirtschaft und Börse – einfach erklärt!
Was bedeutet eigentlich „Duration“?
Wer sich als Anleger mit Anleihen beschäftigt, stößt schnell auf einen Begriff, der auf den ersten Blick nach einer schlichten Zeitangabe klingt, in Wahrheit aber das wichtigste Risikomaß der Zinswelt darstellt: die Duration. Sie gibt an, wie viele Jahre ein Anleger im Durchschnitt warten muss, bis er sein eingesetztes Kapital (durch Zinsen und Rückzahlung) wieder zurückerhalten hat. Mathematisch gesehen handelt es sich um den gewichteten Zeitpunkt, zu dem ein Anleger seine Zahlungen erhält.
Da Anleihen während ihrer Laufzeit meist regelmäßige Zinsen, die sogenannten Kupons, ausschütten, fließt dem Anleger bereits vor dem Ende der Laufzeit Kapital zurück. Das führt dazu, dass die Duration fast immer kürzer ist als die eigentliche Restlaufzeit. Je höher diese laufenden Zinszahlungen sind, desto schneller hat der Anleger sein eingesetztes Kapital rechnerisch wieder in der Hand und desto kürzer ist die Duration. Die Duration wird dabei in Jahren angegeben.
Modified Duration
Für Anleger wird es erst richtig spannend, wenn man die sogenannte „Modified Duration“ betrachtet. Sie ist die Antwort auf die Frage: Was passiert mit dem Kurs meiner Anleihen, wenn die Marktzinsen um einen Prozentpunkt steigen oder fallen? Die Faustformel ist dabei bestechend einfach: Steigen die Zinsen am Markt um ein Prozent, fällt der Kurs einer Anleihe in etwa um den Prozentsatz, der ihrer Duration entspricht. Hat eine Anleihe also eine Duration von fünf Jahren, würde ein Zinsanstieg von einem Prozentpunkt zu einem Kursverlust von etwa fünf Prozent führen.
Dieses Wissen schützt vor einer der klassischsten Fallen am Rentenmarkt. Viele Anleger greifen insbesondere in Niedrigzinsphasen zu Anleihen mit besonders langen Laufzeiten, um sich noch eine halbwegs attraktive Rendite zu sichern, ohne zu ahnen, dass sie sich damit ein enormes Kursrisiko einkaufen. Ein langer Zeitraum bis zur Rückzahlung bedeutet nämlich einen gewaltigen Hebel. Wenn dann die Zinswende erfolgt und die Zinsen steigen, schlagen diese vermeintlich konservativen Papiere plötzlich Kapriolen, die man sonst nur von volatilen Tech-Aktien kennt. Umgekehrt wird die Duration in Zeiten sinkender Zinsen zum besten Freund, da sie die Kursgewinne überproportional befeuert.
Gaspedal für Anleiheninvestments
In der Praxis bedeutet das, dass die Wahl der Duration eng mit dem Anlagehorizont verknüpft sein sollte. Wenn man etwa jetzt schon weiß, dass man in drei Jahren Kapital für eine größere Anschaffung benötigt, sollte man darauf achten, dass die Duration des Anleiheportfolios diesen Zeitraum nicht massiv überschreitet. Wenn Sie etwa ein Portfolio mit einer modifizierten Duration von zehn haben, agieren Sie sehr spekulativ gegenüber Zinsbewegungen. Liegt der Wert hingegen bei zwei, sind Ihnen Zinsschwankungen fast egal, da Ihr Kapitalwert stabil bleibt. So stellt man sicher, dass etwaige Zinsschwankungen bis zum Zeitpunkt des Geldbedarfs bereits weitgehend abgeklungen sind oder durch die Wiederanlage der Kupons ausgeglichen wurden.
Die Modified Duration ist somit weit mehr als eine trockene Kennzahl der Finanzmathematik, sie ist das Tachometer für das Zinsrisiko in Ihrem Depot. Wer sie lesen kann, fährt nicht nur sicherer, sondern erkennt auch schneller, wann es Zeit ist, defensiv zu bremsen oder mutig das Gaspedal der Laufzeitenverlängerung zu drücken.


