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Geld-Tipp
Vorsicht vor Solar-Nachrangdarlehen
Die juristische Aufarbeitung rund um die Insolvenz von Sun Contracting, bei der Tausende Anleger, die in Nachrangdarlehen und Anleihen investiert hatten, ihr Geld verloren haben, hat gerade erst begonnen.
Doch schon bietet ein anderes Unternehmen Nachrangdarlehen und Anleihen an, mit denen Kleinanleger Photovoltaikausbau mitfinanzieren sollen. Eigentümer und Alleingeschäftsführer der Luma Solar Invest GmbH in Haag ist der seinerzeitige Gründer und bis 2023 CEO von Cleen Energy, jenem Unternehmen, das Ende 2024 Insolvenz anmelden musste und letzten April geschlossen wurde.
Die Luma Solar Invest GmbH möchte nun mit einem Geschäftsmodell durchstarten, das diesmal bewusst auf kleinere Anlagen setzt. Diese werden laut Auskunft von Geschäftsführer Lukas Scherzenlehner im Contracting für KMU, größere Einfamilienhäuser, Gemeinden und Landwirte errichtet. Die Pläne von Luma sind offenbar groß: Beim qualifizierten Nachrangdarlehen namens „Solar & Battery QND1“ ist ein Gesamtveranlagungsvolumen von bis zu 50 Millionen Euro mit einer Aufstockungsmöglichkeit auf bis zu 100 Millionen Euro budgetiert. Kleinanleger sind ab 1.000 Euro dabei, ein Agio von vier Prozent ist zu bezahlen, dafür werden fünf Prozent Jahresverzinsung in Aussicht gestellt, von sieben bis 20 Jahren erhöht sich der Zins gestaffelt bis auf sieben Prozent p. a., die Laufzeit beträgt maximal 25 Jahre. Die fünf Jahre laufende Anleihe mit einer Verzinsung von 6,5 Prozent p. a. hat wiederum ein Emissionsvolumen von bis zu 1.999.000 Euro.
Klingt gut, wo ist der Haken? Das alles sind hohe geplante Einnahmesummen für ein Unternehmen, das – laut auf der Website zur Verfügung gestellter Informationen – noch im Jahr 2023 ein negatives Reinvermögen (Eigenkapital) von 24.214 Euro und 2024 von immerhin 482.760 Euro auswies. Zu nachrangigen Darlehen ist hinzuzufügen, dass man sich als Darlehensgeber im Falle des Konkurses des Unternehmens hinter sämtlichen anderen Gläubigern anstellen muss. Noch etwas: Bei einem qualifizierten Nachrangdarlehen wie diesem muss der Darlehensnehmer trotz Fälligkeit schon dann nicht zahlen, „solange das Eigenkapital der Darlehensnehmerin negativ ist oder durch die Zahlung (…) negativ werden könnte“, wie das Kapitalmarktprospekt ausführt. Man trägt also ein außerordentlich hohes Risiko. Nachdenklich stimmen kann auch das Kleingedruckte zum Nachrangdarlehen: So werden mindestens 23,5 Prozent der Einzahlung für diverse Kosten aufgewendet (z.B. saftige 19,5 Prozent Vermittlungsprovision bei Einmalzahlungsverträgen). Zurückbezahlt werden muss am Ende aber der gesamte Einzahlungsbetrag (minus Agio). Um das zu stemmen, muss der Photovoltaikausbau schon ordentliche Erträge abwerfen, es sind ja auch noch Zinsen zu bezahlen.
Scherzenlehner sieht darin auf GEWINN-Anfrage kein Problem, aufgrund der positiven Marktsituation bei PVA-Anlagen, die mit Speichersystemen ausgestattet und in Energiegemeinschaften integriert würden, sehe er „derzeit sehr hohe Renditen, weshalb Darlehen samt Zinsen zum jeweiligen Zeitpunkt gut darstellbar sind“. Tipp: Nachrangige Darlehensgeber gehen generell ein sehr hohes Risiko ein. Lassen Sie sich daher nicht von Vermittlern zum schnellen Abschluss drängen und wägen Sie Risiko mit Renditemöglichkeiten ab!


