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Raiffeisen Bank International
RBI auf Einkaufstour
Turbulente Zeiten für die österreichische Finanzbranche – und zwar im positiven Sinne: Kurz nachdem die Erste Group bei der Santander Bank Polska, einer der größten Banken Polens, die Kontrolle übernahm (für 49 Prozent der Anteile wurden sieben Milliarden Euro auf den Tisch gelegt) und die Vienna Insurance Group (VIG) in Deutschland einen Milliarden-Coup landete (um rund 1,4 Milliarden Euro wird die Nürnberger Versicherung übernommen), ist die Raiffeisen Bank International (RBI) in die Offensive gegangen.
Der erste Streich: Garanti
Und das gleich mehrfach. Zunächst wurde im März vermeldet, dass die RBI die rumänischen Geschäftsbereiche der BBVA-Tochter Garanti für 591 Millionen Euro kaufen wird – die erste bedeutende Übernahme für die RBI seit vielen Jahren. Durch die Akquisition sollen Synergien mit den bestehenden rumänischen Einheiten der RBI genutzt werden. Die Garanti Bank weist eine Bilanzsumme von rund vier Milliarden Euro aus. Damit wird Raiffeisen voraussichtlich zur drittgrößten Bank in Rumänien.
Der zweite Streich: Addiko Bank
Nun folgte sogleich der nächste Streich: In der Vorwoche wurde bekannt gegeben, dass die RBI auch die in Wien ansässige Addiko Bank übernehmen möchte. Dazu unterbreitet sie den Aktionären der Addiko Bank ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot und bietet 23,05 Euro je Aktie in bar. Das Angebot ist an eine Annahmequote von über 75 Prozent und an behördliche Genehmigungen geknüpft.
Nach der Übernahme will die RBI das Addiko-Geschäft in Kroatien, Slowenien und Österreich behalten. Dadurch würde die RBI in Kroatien, gemessen an der Bilanzsumme, zur viertgrößten Bank aufsteigen und den Wiedereinstieg in den slowenischen Markt schaffen. Die Addiko-Töchter in Serbien, Bosnien und Herzegowina sowie Montenegro sollen hingegen veräußert werden. Dafür strebt die RBI eine Vereinbarung mit der serbischen Alta Group an.
Der Angebotspreis entspreche laut RBI dem volumengewichteten Durchschnittskurs der vergangenen sechs Monate bis zum 7. April. Laut RBI liegt er rund 20 Prozent über einem in einem externen Bewertungsgutachten von Ernst & Young ermittelten Wert des Eigenkapitals.
Die Annahmefrist soll nach Prüfung durch die Übernahmekommission zehn Wochen betragen. Der gesamte Deal soll die harte Kernkapitalquote der RBI ohne das Russland-Geschäft letztlich um rund zehn Basispunkte verringern.


