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Solarpaneel & Co. gut absichern
Wer Solarpaneele montiert, sollte auch an die passende Versicherung denken.
© Elenathewise – GettyImages.com

Versicherung

Solarpaneel & Co. gut absichern

Immer mehr Österreicher rüsten um. Aber Photovoltaikanlagen und Erdwärmekollektoren kosten viel Geld, eventuelle Schäden und Reparaturen sind teuer. Wie versichert man sich dagegen?

Von Linda Benkö

03.11.2022

Schon im Vorjahr hat es einen kräftigen Anschub beim heimischen Photovoltaikzubau gegeben, zeigt die Statistik des Verbands Photovoltaic Austria. Heuer haben im Zuge des Ukraine-Kriegs die Investitionen in PV-, Solar- und Wärmepumpenlösungen nochmals massiv angezogen. So nachhaltig die Investition ist – günstig ist sie keineswegs. Eine Photovoltaikanlage mit Speicher kommt rasch auf rund 15.000 Euro oder mehr. Und so kommt auch ein Schadensfall oft teuer, „obwohl PV-Module selbstverständlich so konzipiert und gebaut sind, dass sie einiges aushalten“, erklärt der in Niederösterreich ansässige Versicherungsmakler Erwin Weintraud. Naheliegenderweise denkt man bei Schäden meist an Sturm oder Feuer. Die Ursachen sind eher selten, dafür besonders teuer. Doch auch Blitzschlag und Schneelast, sogar Tierverbiss und Nistverhalten von Vögeln können sich ungünstig auswirken.

Auch bei Erdwärmekollektoren, das sind flache, normalerweise in 0,8 bis 1,6 Meter Tiefe verlegte Wärmetauscherrohre, die an eine Wärmepumpe angeschlossen sind, können große Schäden entstehen, „etwa durch Erdrutsch oder Tiefenbohrungen, die zum Brechen oder Abriss der Rohre führen können“, schildert Manuela Rechberger, Expertin beim Versicherungsvergleichsportal chegg.net.

Photovoltaikanlage und Co. lassen sich auf zwei Arten versichern: im Rahmen der Eigenheimversicherung oder mit einer Spezialversicherung.

„Ist eine PV-Anlage bereits verbaut, aber noch nicht versichert, oder lässt man soeben PV-Module an Dach oder Fassade anbringen, kontaktiert man am besten seinen Versicherungsmakler oder den Betreuer der Versicherungsgesellschaft, um die existierende Eigenheimpolizze zu durchleuchten“, empfiehlt Weintraud. In den jüngeren Vertragsbedingungen findet sich die Deckung auch der Solarstromanlage in den Sparten Feuer und Sturm. Bei Verträgen, die älter als drei Jahre alt sind, sollte man unbedingt nachkontrollieren, ob und was genau gedeckt ist. Viele Polizzen hätten verschiedene Varianten wie Standard, Best und Optimal. Da könne es schon mal vorkommen, dass die Deckung in der günstigsten Variante gar nicht vorhanden ist. „Ist die Anlage mitversichert, gilt zumeist als Voraussetzung, dass sie am Hauptgebäude montiert ist“, weiß Rechberger. Dies bestätigt auch die Wüstenrot Versicherung, allerdings umfasst deren im Herbst 2022 neu auf den Markt kommendes Produkt zusätzlich auch die an Nebengebäuden montierten bzw. im Freien am Grundstück des Eigenheims aufgestellten Anlagen.

Bleibt noch die Frage nach der passenden Haftpflichtversicherung, sollte jemand etwa durch herabfallende Teile zu Schaden kommen. Üblicherweise ist die Haftpflicht im Rahmen einer Eigenheimpolizze als Haus-  und Grundbesitzhaftpflicht eingeschlossen. Aber auch hier gilt: „Lieber einmal zu viel nachfragen beim Makler oder bei der Versicherung“, so Weintrauds Tipp.

Spezielle PV-Versicherungen

Einige Assekuranzen bieten spezielle PV-Versicherungen mit spezifischem oder besonders großem Leistungsumfang an. Dazu gehört beispielsweise die VAV: „Seit 2011 haben wir in unserem Portfolio die Solar Protect. Die Polizze wird laufend an die neuesten Technologien angepasst und weiterentwickelt“, heißt es bei der VAV. Der Versicherungsschutz in der Solar Protect beginnt ab 70 Euro jährlich. Prämienbeeinflussende Faktoren können das Alter der Anlage, die Leistung, der Standort, die Montageart, der Überspannungsschutz sowie der Selbstbehalt sein.

Auch die Helvetia bietet eine eigene Photovoltaikversicherung an, mit dabei ist man ab etwa 77 Euro Jahresprämie. Anlagenerweiterungen sind dabei in Höhe von 20 Prozent der letzten Versicherungssumme automatisch mitversichert. In der gleichen Preiskategorie liegt die Oberösterreichische Versicherung, die mit der Photovoltaikversicherung Klima Pro Schutz ab 70,56 Euro jährlich bietet.   

Die Absicherung gegen Diebstahl sollte man sich vor allem im gewerblichen Bereich überlegen, da es sich hier meist um noch größere Anlagen handelt. Eine gute Adresse für gewerbliche Anliegen ist etwa der deutsche Spezialist Carl Schröter. Dieser sichert vom Betriebsrisiko bis zum Ertragsausfall alles Erdenkliche ab.

Apropos Ertragsausfall: Dies kann auch für Private interessant sein, wenn sie über eine netzgekoppelte bzw. On-Grid-PV-Anlage verfügen, die mit dem öffentlichen Stromnetz verbunden ist und daraus eine Einspeisevergütung lukrieren. Dafür leisten oft Spezialversicherungen.

Eigenheimversicherung oder  Spezialprodukt?  

Für eine erweiterte Deckung über einen Spezialanbieter spricht, wenn man folgende Umstände mit abgesichert haben möchte: Bedienungsfehler und Ungeschicklichkeit, etwa bei Montage und Wartung, die sich in Form von Kabelbränden und Schäden an der Elektrik bemerkbar machen. Weiters Konstruktions-, Material- oder Ausführungsfehler, Kurzschluss, Überstrom oder Überspannung. Und Schutz nicht nur gegen Frost, Hagel, Eisgang sowie Schneedruck, sondern auch gegen Wasser bzw. Feuchtigkeit generell. „Auch Schäden durch Tiere können sehr lästig sein, wenn sie nur schwer zu entdecken sind. Sie sind in der normalen Eigenheimversicherung eher nicht gedeckt“, weiß Weintraud. Eine Beratung durch einen versierten Makler ist empfehlenswert, denn im Detail herrscht oft schnell Unklarheit. Etwa bei der Frage, welche Komponenten in den Vertragsbedingungen gemeint sind, wenn bloß von „der Anlage“ die Rede ist. Sind es auch der Eigenverbrauchszähler, Zugangsleitungen und Kabelstränge, Verteilerschrank und Einspeisezähler?  

Weintrauds Fazit: „Wer Deckung über das Übliche hinaus sucht, ist bei einer Spezialpolizze besser aufgehoben. Wem dies nicht wichtig ist, für den kann es angenehmer sein, alles unter einem Dach versichert zu haben .“ Jedenfalls kosten auch Spezialversicherungen kein Vermögen.

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