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Schön und gut
„Verhängnisvolle Folgen (nach Goya)“ (2022, Öl auf Holz, 31,5 x 42,7 cm) der Wienerin Martha Jungwirth ist mit 35.000 Euro Rufpreis das Highlight der Auktion. Andere von Goya inspirierte Jungwirth-Gemälde sind noch bis 20. 11. in der Kunsthalle Düsseldorf zu sehen.
© Thomas Gorisek - Farbpraxis

Kunstauktion

Schön und gut

Zum 22. Mal veranstaltet das Neunerhaus eine hochkarätige Benefiz-Kunstauktion zur Unterstützung obdach- und wohnungsloser Menschen.

Von Marie-Thérèse Hartig

02.11.2022

„Kunst ist nicht nur schön, sie kann auch Schönes bewirken.“ Neunerhaus-Geschäftsführerin Daniela Unterholzner weiß, wovon sie spricht: Mit ihren jährlichen Benefiz-Kunstauktionen, die heuer zum 22. Mal stattfinden, hat sie über die Jahre  eine Spendensumme von knapp 4,5  Millionen Euro erzielt, die der Hilfe für obdach- und wohnungslose Menschen zugute kommt. „Insgesamt spendeten bereits mehr als 800 Kunstschaffende rund 3.000 Werke“, berichtet Unterholzner, „das ist schon großartig.“ 

Abbildung von Schmuckstück „Corel-Radar“ aus der Serie „Gravity“
„Corel-Radar“ aus der Serie „Gravity“ (2015, 18 Karat Gold, Koralle, Edelstahl) der Schmuckkünstlerin Anna Heindl wird für 900 Euro ausgerufen. Ihre Schmuckskulpturen finden sich in Museen weltweit, vom MAK über den Louvre bis zum Museum Perth. © Thomas Gorisek - Farbpraxis

Heuer kommen 196 Lose mit einem Gesamtwert von rund 800.000 Euro unter den Hammer von Auktionator Michael Kovacek. Der Geschäftsführer im Kinsky freut sich, bereits zum 20. Mal die Neunerhaus-Auktion durchführen zu können. „Durch die Vielzahl der Mitbietenden und den Charitygedanken erzielen Arbeiten von Künstlern, die auf dem Auktionsmarkt nicht so häufig vorkommen, hier Preise, die sie auf dem freien Kunstmarkt sonst nur selten erreichen.“ Das liegt zum Teil auch an der niedrigen Einstiegsschwelle, wie Kurator Michael Walk erklärt: „Die Rufpreise betragen nur die Hälfte der Galeriepreise, das heißt, Rufpreisen im Gesamtwert von 400.000 Euro steht ein realistischer Wert von 800.000 Euro laut Galeriepreisen gegenüber.“ Dass die Rufpreise schon bei 500 Euro beginnen, macht das Mitbieten noch attraktiver.

Freilich finden sich im Katalog auch hochpreisige Arbeiten, etwa ein Acrylbild (ohne Titel) von Herbert Brandl für 8.000 Euro, ein Pastellgemälde („Im Bootshaus“) von Eduard Angeli um 14.000 oder ein rotes Acrylbild („6.9.2013“) von Jakob Gasteiger um 15.000. Absolutes Highlight ist wie schon im Vorjahr Martha Jungwirth, deren aktuelle Öl-Arbeit auf Holz „Verhängnisvolle Folgen (nach Goya)“ mit 35.000 Euro gerufen wird. Jungwirth hält auch den bisherigen Neunerhaus-Auktionsrekord: 2021 erzielte ihre Öl-Arbeit auf Karton (o. T.) 62.000 Euro.

Neben den bereits genannten Kreativen finden sich im Katalog noch viele weitere arrivierte Persönlichkeiten der zeitgenössischen österreichischen Kunstszene, zum Beispiel Peter Pongratz mit seinem farbenfrohen Acrylbild „Der Garten der Hesperiden“ um 11.000 Euro, Arnulf Rainer (Mischtechnik auf Laserdruck, o. T., 8.000), Günter Brus (Aquarell „Hochstreben“, 3.800), Hans Staudacher (Aquarell und Tusche, „Drei Inseln“, 2.800), Eva Schlegel (Fotoprint O.T. („sky kissing“), 2.800), Cornelius Kolig (Acryl-„Filterbild“, 2.500) und Hans Weigand (Linolschnitt „Narziss und schwarzes Quadrat III“, 2.200).  

Obwohl sich der Katalog streckenweise wie ein Who’s who der heimischen Kunstbranche liest, werden alle weiteren Werke für weniger als 2.000 Euro Rufpreis angeboten, viele sogar im dreistelligen Bereich.

„Ich versuche, immer eine interessante Mischung aus Arbeiten etablierter und damit teurer Kunstschaffender und junger, neuer Positionen zusammenzustellen“, erläutert Kurator Walk sein seit 19 Jahren bewährtes Konzept. Zu den weniger bekannten, aber vielversprechenden Jungen zählt Walk unter anderen Adrian Hazi, Max Freund, Christian Murzek, Kater D., Amelie Götzl, Dimitri Ritter oder Onka Allmayer-Beck.

Ob heutige Schnäppchen sich langfristig als gute Wertanlage entpuppen, wird sich zeigen. Auktionator Kovacek meint pragmatisch: „Qualitätsvolle Kunst überzeugt durch dauerhafte Werterhaltung. Auf lange Sicht ist außerdem eine Wertsteigerung zu erwarten. Nitsch, Mühl, Brus, Rainer und Jungwirth, um nur einige zu nennen, kann man getrost als die Highlights der nächsten zehn Jahre betrachten.“

Gutes tun alle, die hier mitsteigern, so oder so. Der Reinerlös der diesjährigen Neunerhaus-Kunstauktion, die eine der größten Benefiz-Kunstauktionen Österreichs ist, fließt überwiegend in Programme zur medizinischen Versorgung für obdach- und wohnungslose Menschen. „Heuer legen wir den Unterstützungsfokus auf ein ganz besonderes Projekt: die Neunerhaus Praxis Psychische Gesundheit“, so Unterholzner, „gerade in Zeiten wie diesen ein besonders wichtiges Angebot.“

Termine und Links  

7. 11. 2022. Neunerhaus-Kunstauktion im MAK – Museum für Angewandte Kunst, Wien, mak.at  

Beginn 19 Uhr;  online live mitbieten ist möglich; Onlinekatalog und Informationen z. B. über Bietmodalitäten und Spendenabsetzbarkeit unter neunerhaus.at und imkinsky.com

Besichtigung der Werke bis 3. 11. im Kunstraum Wohlleb, Seidlgasse 23, 1030 Wien, sowie am 6. 11. und 7. 11. (11 bis 17 Uhr) im MAK Wien  

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