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Börsengang SpaceX
Raumfahrt hebt auch an der Börse ab
Am vergangenen Samstag sind die Astronauten der Artemis-II-Mission, des ersten bemannten Mondflugs seit Apollo 17 im Jahr 1972, wieder sicher auf der Erde gelandet. Das Medieninteresse an der von der Nasa zusammen mit der europäischen und der kanadischen Weltraumagentur durchgeführten Mission war groß. Generell rücken Raketenstarts und Weltraumflüge nach Jahrzehnten der Vernachlässigung wieder stärker in den Fokus der Gesellschaft.
Das liegt nicht nur an den wachsenden Budgets der staatlichen Weltraumagenturen, sondern auch an dem wachsenden privaten Geschäft, das sich in den vergangenen Jahren rund um Raketen, Satelliten und Weltallflüge entwickelt hat. Das wohl umtriebigste Unternehmen in der Weltraumbranche ist SpaceX, das vom exzentrischen Milliardär Elon Musk geführt wird. Laut Insidern ist nun ein Börsengang geplant, der in die Geschichte eingehen könnte.
Größter Börsengang der Geschichte
Die Spekulationen rund um einen Börsengang der Weltraumfirma erhärten sich: SpaceX soll für Mitte bis Ende 2026 einen der größten Börsengänge (IPO) der Geschichte vorbereiten. Laut Bloomberg und „Wall Street Journal“ hat das Unternehmen Anfang April den Antrag auf einen US-Börsengang bei der US-Börsenaufsichtsbehörde (SEC) eingebracht. Das Börsenprospekt soll Ende Mai veröffentlicht werden.
Dabei strebt man laut ersten Einschätzungen eine Bewertung von 1,75 Billionen US-Dollar an und will ein Volumen von etwa 75 Milliarden US-Dollar an der Börse einsammeln. Mit diesem Volumen würde man den bisherigen Rekordhalter, Saudi Aramco, deutlich in den Schatten stellen. Der Energiekonzern hatte bei seinem Börsengang im Jahr 2019 ein Volumen von 29,4 Milliarden Dollar.
Mit einer Bewertung zwischen geschätzten 1,75 und zwei Billionen US-Dollar würde SpaceX außerdem auf einen Schlag zu den wertvollsten Unternehmen an den globalen Börsen zählen. Laut Insidern soll dabei ein besonderes Augenmerk auf Kleinanleger gelegt werden. SpaceX soll bis zu 30 Prozent der Emission für private Investoren reservieren, was etwa dreimal so viel wie üblich wäre.
Neben SpaceX stehen in diesem Jahr vermutlich noch weitere gigantische Börsendebüts an. So sollen auch die Unternehmen OpenAI und Anthropic, beide aus dem Bereich der künstlichen Intelligenz, IPOs in Milliardenhöhe anstreben.
Raumfahrt feiert Comeback
Nach Jahrzehnten relativer Stagnation erlebt die Raumfahrt seit den vergangenen Jahren ein bemerkenswertes Comeback. Mit dem Aufstieg Chinas hat sich abermals ein geopolitischer Wettbewerb entwickelt, der, unterstützt durch technologischen Fortschritt und privates Kapital, neue Projekte im Weltall vorantreibt. Die globale Weltraumwirtschaft wird bereits auf rund 630 Milliarden Dollar geschätzt und könnte laut McKinsey bis 2035 auf 1,8 Billionen Dollar anwachsen. Staatliche Programme erhöhen parallel ihre Budgets massiv. Die Nasa verfügt 2026 über ein Budget von rund 25 Milliarden Dollar, während Europa mit Programmen wie Ariane 6, Galileo und dem Satellitennetzwerk Iris2 seine strategische Souveränität im All ausbaut.
„Die globale Weltraumwirtschaft durchläuft derzeit einen der schnellsten Strukturwandel aller Branchen. Regierungen investieren Milliardenbeträge: Die Nasa hat gerade 20 Milliarden Dollar für eine permanente Mondbasis angekündigt, Europa setzt mit einem Budget von zehn Milliarden Euro das Iris2-Satellitenprojekt um, und die Nato-Staaten zielen bei ihren Verteidigungshaushalten ausdrücklich auf militärtaugliche Weltrauminfrastruktur ab. Privates Kapital folgt dieser Entwicklung in großem Umfang“, sagt Moritz Henkel, Produktmanager bei Vaneck Europe.
Die Kommerzialisierung durch private Unternehmen ist ein großer Treiber für Fortschritt und Kostenreduktion, wobei SpaceX Vorreiter und Schlüsselfigur in einem ist. Mit Starlink hat die Firma beispielsweise ein globales Satellitennetzwerk für weltweiten Internetzugang aufgebaut. Aber auch Amazon will mit dem Projekt „Kuiper“ ein Konkurrenzsystem aufbauen. Firmen wie Rocket Lab, Blue Origin oder europäische Anbieter wie OHB investieren Milliarden in Raketen, Satelliten und Orbitalinfrastruktur. Für die nächste Dekade sind Mondmissionen im Rahmen des Artemis-Programms, kommerzielle Raumstationen als Nachfolger der ISS und langfristig erste industrielle Anwendungen von Mikrochipfertigung bis Materialforschung im Orbit geplant.
Was ist SpaceX?
Was macht das Unternehmen SpaceX nun in dem breiten Feld der Weltraumwirtschaft genau? Die meisten betrachten SpaceX noch immer nur als Raketenbauer. Das Unternehmen hat sich aber längst zu einem breit aufgestellten Weltraum- und Infrastrukturkonzern entwickelt. Neben dem Raketengeschäft mit Trägerraketen wie Falcon 9 und Starship zählt zum Kerngeschäft vor allem das Satelliteninternet-Netzwerk Starlink, das rund 10.000 Satelliten im erdnahen Orbit umfasst und inzwischen als wichtigster Umsatztreiber gilt. SpaceX entwickelt sich so zunehmend zu einem globalen Anbieter von Telekommunikationsinfrastruktur. Für das laufende Jahr 2026 soll der Bereich zwischen 15 und 20 Milliarden Dollar umsetzen. Laut der Marktforschungsagentur Novaspace dürfte das weltweite Geschäft mit satellitengestützten Breitbanddiensten bis 2034 auf rund 105 Milliarden US-Dollar anwachsen. Ergänzt wird das Produktportfolio von SpaceX durch bemannte und unbemannte Raumkapseln, Regierungs- und Militärverträge sowie Mond- und Marsprogramme.
Ein oft unterschätzter Punkt ist die wachsende Rolle künstlicher Intelligenz im Unternehmen. Die KI, die bei autonomen Raketenlandungen, Flugsteuerung, Satellitensteuerung, Netzoptimierung im Starlink-System und in der Produktionsautomatisierung eingesetzt wird, wird im Unternehmen selbst entwickelt. So wurde das von Elon Musk gegründete KI-Unternehmen xAI, das vor allem durch den KI-Chatbot Grok bekannt und eng mit der Social-Media-Plattform X (vormals Twitter) verwoben ist, im Februar 2026 von SpaceX übernommen. In einem Joint Venture zwischen Tesla, SpaceX und Intel will man unter dem Namen Terafab eine eigene KI-Chipproduktion hochfahren, die jährlich über ein Terawatt KI-Rechenleistungskapazität produzieren soll und dabei die gesamte Halbleiterwertschöpfung unter einem Dach bündelt.
Laut Gene Munster, Partner bei Deepwater Asset Management, machen potenzielle Investoren bei der Einschätzung der Bewertung von SpaceX genau hier einen entscheidenden Fehler: „Investoren, die sich das SpaceX-IPO ansehen, konzentrieren sich auf das Raketenstart-Geschäft und die Starlink-Abonnenten. Sie übersehen die eigentliche Story. SpaceX hat über ein Netzwerk von Unternehmen still und leise die notwendigen Ressourcen von Rohsilizium bis zur Verteilung über Satelliten aufgebaut, um eine vollständig souveräne KI zu entwickeln.“ In der künstlichen Intelligenz scheint das Weltraumunternehmen also in jedem Fall seine Zukunft zu sehen.
Der „SpaceX-Effekt“
Der wahrscheinlich anstehende Börsengang von SpaceX richtet die Aufmerksamkeit globaler Investoren noch stärker auf den Weltraumsektor. Auch andere Unternehmen, die in der Weltraumwirtschaft tätig sind, können davon profitieren. Bereits die Gerüchte über eine mögliche Bewertung von 1,75 Billionen US-Dollar beflügeln die Aktienkurse von Wettbewerbern wie Rocket Lab. Ein tatsächlicher Börsengang in dieser Größenordnung dürfte zusätzlich erhebliche Summen institutionellen Kapitals in den gesamten Raumfahrtsektor lenken.
Ein Blick auf den Weltraum-Index Marketvector Global Space Industry zeigt, wie stark sich schon jetzt der Sektor an der Börse entwickelt hat: Weltraum-Anleger konnten, gemessen an der Indexentwicklung, in den vergangenen drei Jahren über 300 Prozent Rendite generieren. Moritz Henkel rät aber trotzdem zur Vorsicht: „Der Börsengang von SpaceX wäre das bislang deutlichste Signal dafür, dass die Weltraumwirtschaft eine institutionelle Anlageklasse geworden ist. Wie in jedem schnell wachsenden Sektor spiegeln die Bewertungen hohe Zukunftserwartungen wider, und Anleger sollten sich bewusst sein, dass die tatsächlichen Ergebnisse erheblich von den aktuellen Prognosen abweichen können.“
In Raumfahrt an der Börse investieren
Schon jetzt gibt es einige bemerkenswerte Unternehmen aus der Weltraumwirtschaft, die an der Börse gelistet sind. Die Firma Planet Labs (ISIN: US72703X1063) etwa betreibt eine der weltweit größten Satellitenflotten zur Erdbeobachtung und liefert hochfrequente Bilder der Erdoberfläche, die für Regierungen, Landwirtschaft, Umwelt- und Sicherheitsorganisationen wichtig sind. Mit vier profitablen Quartalen in Folge und einem unfassbaren Kursfeuerwerk von plus 1.000 Prozent in den letzten zwölf Monaten (!) zeigt das Unternehmen, wie kommerzieller Erfolg im Weltall funktionieren kann.
Auch der Raketenbauer Rocket Lab (US7731211089) hat mit einem Zuwachs von 240 Prozent in den letzten zwölf Monaten an der Börse stark überzeugt. Die SpaceX-Alternative hat einen Rekordauftragsbestand von 1,85 Milliarden Dollar, musste aber trotzdem im vergangenen Jahr einen negativen Cashflow von 322 Millionen US-Dollar verzeichnen.
Und das kanadische Unternehmen MDA Space (CA55293N1096) ist auf die Entwicklung von Satellitensystemen und Weltraumrobotik spezialisiert. Das Unternehmen ist unter anderem für die Entwicklung der Canadarm-Roboterarme für Nasa-Missionen bekannt.
Da das Investment in Einzelaktien gerade in einem sehr volatilen Sektor wie der Raumfahrt ein großes Risiko birgt, bringen Indexfonds, die das Thema Weltraum abdecken, eine größere Streuung: Vaneck bietet hier beispielsweise den Vaneck-Space-Innovators-ETF (IE000YU9K6K2) an, der einen reinen Fokus auf Weltraumtechnik und Satelliten ohne Rüstung setzt und den MVIS Global Space Industry ESG Index nachbildet.
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