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Diese Schönen sind flotte Biester

Neue E-Autos

Die Palette an alltagstauglichen E-Autos wächst permanent. Und auf Fahrspaß muss man dabei auch nicht verzichten. Wir schauen uns an, was gerade bei den Händlern ankommt.

Von Guido Gluschitsch

03.11.2021

„Wenn die E-Autos nicht immer alle so schiach wären.“ Haben Sie den Satz auch schon oft gehört, gar selbst gesagt? Dann ist Ihnen vielleicht aufgefallen, dass man genau das schon länger nicht mehr gehört hat. Und das hat gute Gründe. Vier davon wollen wir Ihnen hier vorstellen und mit einem echten Ästheten anfangen, dem BMW i4.
Wie der konventionelle 4er ist er ein modernes Gran Coupé – dem man den E-Antrieb gar nicht auf den ersten Blick ansieht. Denn sogar der neue Markenerkennungspolarisierer, die riesige Niere, ziert den i4. Erstaunlich ist das auch deswegen, weil er den Kühler im Grunde nicht braucht. Der Motor muss ja nicht mit Frischluft versorgt werden. Darum sind die Nieren auch wirklich nur Zierde und verschlossen – wegen des Luftwiderstand warat’s. Und auf die richtige Aerodynamik legt BMW natürlich auch bei den E-Autos viel Wert. Das erklärt auch die Diffusor-Elemente. An ihnen kann man den Elektriker sofort erkennen, die sind nämlich in Blau gehalten. Doch schauen wir uns jetzt einmal den Antrieb an.

Da wird es zwei geben. Das Futur müssen wir deshalb bemühen, weil der Wagen seine Markteinführung erst Ende Februar 2022 feiern wird. Ein bisserl Geduld brauchen wir also noch – aber das ist in dem Fall gar nicht schlimm, denn wir werden die verlorene Zeit locker aufholen. Und das geht, weil schon das Einstiegsmodell, der i4 eDrive40, 340 PS, 250 kW Leis­tung hat. Der i4 M50 beeindruckt überhaupt gleich mit 400 kW, 544 PS. Ersterer hat den wohl dynamischeren Hinterradantrieb, der M50 kommt mit Allradantrieb. Obwohl, damit Untersteuern auch beim Allrad kein Thema sein wird, hat BMW auch beim i4 eine „Aktornahe Radschlupfbegrenzung“ verbaut. Klingt komplizierter als es am Ende einfach funktioniert, ohne dass man sich weiter darum scheren muss. Und noch eines spielt der Fahrdynamik in die Hand.

Weil die Akkus im Unterboden verstaut sind, liegt der Schwerpunkt des i4 noch einmal um 53 Millimeter tiefer als bei seinem konventionell angetriebenen Bruder. Aber den Vorteil des tiefen Schwerpunkts nutzen heute alle E-Autos. Da ist dann schon selber schuld, wer sich mit einem schweren Glaspanoramadach dieses Plus wieder ein gutes Stück weit mindert. Aber meine Güte, klagen wir hier nicht über seltsame Moden, freuen wir uns über die Fahrdynamik der E-Autos. Von der konnte man lange nämlich nur träumen.

BMW i4    
Modell: BMW i4 M50 um 69.800 Euro
Technik: E-Motor, 400 kW, 544 PS, Ein-Gang-Automatik,
Allradantrieb
Abmessungen: LängexBreitexHöhe 4.783x1.852x1.448 mm, Kofferraumvolumen 470–1.290 Liter
Fahrleistungen: Spitze 225 km/h, Beschleunigung 0 auf 100 km/h in 3,9 Sekunden, Durchschnittsverbrauch 22,5–18,0 kWh/100 km, Reichweite 520–415 km
Design: Ein BMW durch und durch. Quasi der erstarkte 4er-BMW nur halt elektrisch angetrieben – aber immer noch mit riesiger Niere.
Praxis: Quasi ein erstarkter 4er-BMW nur elektrisch angetrieben. Kann alles, was ein Bekannter auch kann, nur leiser.
Preis: Mit dem i4 eDrive40 gibt es auch eine zivile Version um 57.900 Euro, die hat dann aber nur eine Spitzenleistung 250 kW, 340 PS und beschleunigt in 5,7 Sekunden auf Tempo 100 und ist ein reiner Hinterradler. Ja, wir wollten grad lustig sein.

Volvo-Tochter Polestar

Das lag oft auch schlicht daran, dass die ersten E-Autos, die rein als solche konzipiert wurden, sehr schmal und dafür hoch waren. Das gepaart mit einem sparsamen und damit schwachen Antrieb stand eben nicht gerade Pate für Fahrvergnügen. Ganz anders sieht das beim Polestar 2 aus. Auch er ist eine schöne Limousine – skandinavisch kühl gezeichnet, elegant und sportlich. Mit 300 kW, 408 PS Leistung geht auch hier beim Antrieb nichts ab. Um diese Kraft auf den Boden zu bringen, setzt auch die Volvo-Tochter auf einen Allrad. Fahrspaß ist also garantiert. Und mehr noch.

Polestar greift beim Infotainment nämlich nicht auf ein selbstgestricktes Programm zurück, sondern auf Software von Google. Damit lassen sich auch jede Menge Apps und sonstiges Digitalklumpert einspielen, mit dem man sich – im besten Fall am Beifahrersitz – die Zeit vertreibt. Durch die Updates aus dem Großkonzern darf man auch davon ausgehen, dass man sich da um schlechten Support keine Sorgen machen muss. Also haben BMW und Polestar nur Vorteile? Nein, nicht ganz.

Polestar 2    
Modell: Polestar 2 Long Range Dual Motor um 55.900 Euro
Technik: E-Motor, 300 kW, 408 PS, Ein-Gang-Automatik, Allradantrieb
Abmessungen: LängexBreitexHöhe 4.600x1.950x1.480 mm,
Kofferraumvolumen 440 Liter
Fahrleistungen: Spitze 204 km/h,
Beschleunigung 0 auf 100 km/h in
4,7 Sekunden, Durchschnittsverbrauch 20,3–19,5 kWh/100 km, Reichweite 470 km
Design: Fünftürige Fließhecklimousine, modern und skandinavisch kühl. Die Proportionen von Motorhaube, Fahrgastzelle und Heck ändern sich, weil der Antrieb eben ein neuer ist.
Praxis: Polestar verspricht Performance und Performance – praktisch ist der Wagen trotzdem. Und schick.
Preis: Der Long Range Dual ist vorläufig die Spitze der Polestar-2-Reihe. Folgen werden zwei Fronttriebler mit 165 kW, 224 PS und 170 kW, 231 PS mit 64- und 78 kWh-Akku, die günstiger sein werden.

Hyundai Ioniq

Da ist einmal das Platzangebot, das in SUVs größer ist. Und die performanten Antriebe machen nicht nur Licht, sondern auch ein wenig Schatten. Der Verbrauch liegt nämlich bei beiden schon eher über als unter 20 kWh pro 100 Kilometer.
Nur zum Vergleich, mit dem Hyun­dai Ioniq schafften wir erst vergangenes Jahr einen Schnitt von strichgeraden zehn kWh. Aber da war dann von Fahrspaß genau keine Rede. Anders schaut die Sache beim neuen Ioniq aus, der nun den Namenszusatz 5 trägt. Der hat in der stärksten Version 225 kW, 305 PS Leistung, beschleunigt also wie ein Sportwagen, ist aber deutlich komfortabler und praktischer. Doch das ist eigentlich noch gar nicht das Highlight dieses Wagens.

Das ist nämlich eindeutig das Design. Wir kennen es eigentlich als gelebte Praxis, dass man uns Jahre, bevor ein Modell auf den Markt kommt, auf einer der Automessen eine Designstudie dazu vorstellt, die uns den Atem anhalten lässt. Über die Jahre, bis das Fahrzeug dann beim Händler steht, wird fast alles, was wir revolutionär gefunden haben, weichgestreichelt oder durch Gleichteile, die noch von anderen Autos im Regal liegen, ersetzt. Klar, das kostet entsprechend weniger. Hyundai ging da beim Ioniq 5 einen anderen Weg. Der Wagen schaut immer noch wie aus der nahen Zukunft aus. Da ist keine Linie zu viel, die Front eine Kampfansage an Designer anderer Hersteller und sogar der Innenraum überzeugt. Zwei erstaunlich hoch angebrachte Displays spielen alles ein, was man braucht, und dennoch müssen wir auf die wichtigs­ten Knöpfe nicht verzichten. Nennen wir es aufgeräumt, praktisch und futuristisch in einem.

Hyundai Ioniq 5
Modell: Hyundai Ioniq 5 Top Line Long Range 4WD um 59.990 Euro
Technik: E-Motor, 225 kW, 305 PS, Ein-Gang-Automatik, Allradantrieb
Abmessungen: LängexBreitexHöhe 4.635x1.890x1.605 mm, Kofferraumvolumen 24 + 531–1.591 Liter
Fahrleistungen: Spitze 185 km/h, Beschleunigung 0 auf 100 km/h in 5,2 Sekunden, Durchschnittsverbrauch 17,7 kWh/100 km, Reichweite 460–430 km
Design: Ein elegant und kantig gezeichneter SUV außen, viel Lounge-Gefühl innen.
Praxis: Ein SUV halt, und damit ein echter Tausendsassa – nur halt mit dem Antritt eines Sportwagens.
Preis: Ab 45.990 Euro geht es mit dem Base Line Short Range los, der hat 125 kW, 170 PS und eine Reichweite von 384 km. Der Top Line Long Range AWD ist dann schon die teuerste All-Inclusive-Variante.

Seat Sportwagentochter Cupra

Futurismus und Kampfansage bringen uns auch gleich zum nächsten Vertreter in diesem Autoquartett der E-Autos, die uns die nächsten Jahre bewegen werden, dem Cupra Born.
Cupra wurde als Sportwagentochter von Seat aus der Taufe gehoben. Der Born ist der erste Elektriker im Bunde der kräftigen Spanier. Und er ist ziemlich nah mit dem VW ID.3 verwandt. Er hat eine Leistung von 150 kW, 204 PS, beschleunigt in 7,3 Sekunden von 0 auf 100 km/h und hat eine Reichweite von über 400 Kilometer mit einer Ladung. Er ist also nicht ganz so potent wie die vorher genannten, aber mit mehr als 200 PS immer noch alles andere als langweilig. Wir dürfen ja nicht vergessen, dass zu der eh schon beeindruckenden Maximalleis­tung der sensationelle Schub aus dem Stand dazu kommt. Der E-Motor braucht eben keine Drehzahlen, um abzuliefern. Und mehr als einen klaren Vorteil hat der Cupra zu den anderen hier vorgestellten Fahrzeugen auch.

Da haben wir einmal den Verbrauch. Die WLTP-Messung gibt für den 204 PS starken Born 15,4 kWh für 100 Kilometer an, beim Born 45 – die Zahl beschreibt die Nettokapazität der Batterie in kWh – sind es gar nur 15 kWh pro 100 Kilometer. Der kleine – nennen wir ihn unter uns so, ja? – hat immer noch eine Leistung von 110 kW, 150 PS, beschleunigt in 8,9 Sekunden auf Tempo 100 und hat eine Reichweite von fast 350 Kilometer.

Er ist also eine Überlegung wert, wenn man noch ein wenig Geduld hat, bis auch der Born 45 bestellbar ist – der Born 58 hat seinen Bestellstart schon vor wenigen Wochen gefeiert –, und gern noch ein paar Euro spart. Damit sind wir bei einem weiteren Vorteil des Born – er ist als Born 58, um unter 40.000 Euro, deutlich günstiger als die hier vorgestellte Konkurrenz. Der Ioniq 5 startet mit dem Einstiegsmodell bei fast 46.000 Euro, der erste Polestar 2 bei fast 65.000 Euro, der BMW i4 als Heckler eDrive 40 zwar bei unter 58.000 Euro, der lustige i4 M50 geht dann aber erst bei fast 70.000 Euro los.

Bleibt als Fazit: Schiach sind sie nimmer, die neuen E-Autos. Bei den Preisen kann es einen aber schon manchmal schiach zsammziehen.

Cupra Born
Modell: Cupra Born 58 um 39.990 Euro
Technik: E-Motor, 150 kW, 204 PS, Ein-Gang-Automatik, Heckantrieb
Abmessungen: LängexBreitexHöhe 4.320x1.810x1.540 mm, Kofferraumvolumen 385–1.267 Liter
Fahrleistungen: Spitze 160 km/h, Beschleunigung 0 auf 100 km/h in 7,3 Sekunden, Durchschnittsverbrauch 15,4 kWh/100 km, Reichweite 420 km
Design: Die Zeit, als E-Autos fade aussehen mussten, ist vorbei. Der Born ist sportlich und hat den bösen Blick, an den wir uns bei hochwertigen Autos in letzter Zeit so gern gewöhnt haben.
Praxis: An einem 100-kW-Lader ist der Cupra in 35 Minuten wieder von fünf auf 80 Prozent geladen. Damit sind auch Langstrecken für Kaffeeliebhaber kein Problem mehr.
Preis: Der Born 58 macht jetzt einmal den Start. Bis Anfang 2022 wird es weitere Leistungsstufen zur Auswahl geben. Das Einstiegsmodell wird der 110 kW, 150 PS starke Born 45 mit einer Reichweite von 349 km sein. Der Preis wird abzüglich der E-Förderprämien unter 30.000 Euro liegen.

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