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Mythos Manuka-Honig – was ist wirklich dran? © mauritius images / Alamy Stock Photos / Christopher Wood

Honig als Heilmittel

Mythos Manuka-Honig – was ist wirklich dran?

Die Bedeutung von Honig als Heilmittel für Verbrennungen, Katarakte, Geschwüre und Wundheilung ist in einigen der ­ältesten Schriften der Welt gut dokumentiert. Auch der Honig vom neuseeländischen Manuka-Strauch gilt bei den Maoris seit Jahrhunderten als Allheilmittel.

Von Andrea Dungl-Zauner

02.11.2022

Die medizinischen Eigenschaften von Honig sind im Wesentlichen abhängig von der Blütenquelle. Einblütige Honige sind als Naturheilmittel am vielversprechends­ten und interessantesten. Manuka-­Honig ist ein aus dem Manuka-Baum (Leptospermum scoparium) gewonnener dunkler einblütiger Honig. In einer englischen Studie (Johnston, McBride et al.) wird seiner antimikrobiellen Wirkung große Aufmerksamkeit geschenkt. Der überaus hohe Anteil an phenolischen Verbindungen im Honig könnte dafür verantwortlich sein.

Um diesen besser darstellen zu können, wurde seitens der neuseeländischen Honigproduzenten der Unique Manuka Factor (UMF) als Korrelat für den Methylglyoxal(MGO-) und den Gesamtphenolgehalt eines Manuka-Honigs entwickelt. Je nach Faktor und Menge kosten z. B. 250 Gramm Manuka-Honig 400+ MGO bzw. 13+ UMF zwischen 60 und 90 Euro. Dadurch soll ein gezielterer Einsatz der verschiedenen Arten und Stärken von Manuka-Honig entsprechend ihren unterschiedlichen Wirkprofilen ermöglicht werden.

Einsatz in der Wundheilung

Verschiedene physikalische Eigenschaften scheinen den Wundheilungsprozess zu beschleunigen. Sein Säuregehalt erhöht die Freisetzung von Sauerstoff aus dem Hämoglobin, wodurch das Wundmilieu weniger günstig für die Aktivität zersetzender Enzyme für Eiweiß ist. Der Honig zieht Flüssigkeit aus dem Wundbett, so dass ein einem Vakuumverband (werden insbesondere bei tiefen schmierigen, schlecht heilenden Wunden angewandt) ähnlicher Effekt auftritt.

Das breite Wirkungsspektrum gegen Bakterien nützt man in spezifischen Wundpflegeprodukten mit Manuka-Honig. Diese Präparate können einer Verdünnung mit beträchtlichen Mengen von Wundsekret standhalten und behalten über lange Zeit genügend Aktivität, um das Wachstum von Bakterien zu hemmen. Eine Entwicklung bakterieller Resistenz gegen Honig konnte nicht nachgewiesen werden.

Das Wachstum von Geweben zur Wundheilung wird gefördert, gleichzeitig können chronische Entzündungen reduziert und eine „Reinigung“ bewirkt werden. Weiters wird das Einwandern von Fibroblasten gefördert, welche Kollagen produzieren, was für die Stabilität des im Rahmen der Heilung neu gebildeten Gewebes und somit für die mechanische Festigkeit der entstehenden Narbe wichtig ist.

Manuka-Honig wird zudem auch bei Akne, Schuppenflechte, Neuro­dermitis, Sonnenbrand, Lippenherpes und im Sinne der Mundhygiene getes­tet.

Fazit

Resümierend lässt sich für mich zusammenfassen, dass das therapeutische Potenzial der Anwendung verschiedener einblütiger Honige groß ist. Zwei Forschungsgruppen zeigen, dass auch andere einblütige Honigsorten positive Effekte auf unsere Gesundheit erzielen. Die Wechselwirkung zwischen den antioxidativen Inhaltsstoffen eines einblütigen Honigs und deren zellulärer Wechselwirkungen sowie eine potenzielle Hemmung der Zellentartung lassen auch positive ­Effekte bei Tumoren erwarten.

Die Einsatzmöglichkeiten des Manuka-Honigs sind insbesondere in der Versorgung chronischer Wunden vergleichsweise gut erforscht. Hierfür gibt es auch medizinisch anwendbare Aufbereitungen. Die systemische Nutzung der entzündungshemmenden und antibakteriellen Effekte abseits der Haut ist derzeit nicht belegt. Gegen einen Löffel Honig in Tee oder ­anderen Getränken während der Erkältungszeit zur Prophylaxe oder zur Therapie von Infekten oder Entzündungen spricht sicher nichts. Eine ­Unterstützung des Immunsystems ist ebenso wahrscheinlich wie bei gutem einheimischem Lindenblüten- oder Akazienhonig. Eine eigenständige Wundbehandlung größerer Wunden würde ich nur in Absprache mit dem behandelnden Arzt empfehlen.

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