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Künstliche Süßstoffe © ADragan – GettyImages.com

Risiko bei Süssstoffen

Künstliche Süßstoffe

Aspartam und Co. scheinen heute omnipräsent zu sein. Aber sind sie auch frei von Nebenwirkungen?

Von Andrea Dungl-Zauner

26.09.2022

Die Liste zuckerfreier Süßstoffe ist lang: Cyclamat, Saccharin, Aspartam, Erythrit (E968), Isomalt (E953), Lactit (E966), Mannitol (E421), Maltitol (E465), Polyglycitol­sirup (E964), Sorbit (E420), Xylit (E967) sind die bekanntesten. Bei den konsumierten Süßstoffmengen liegen Aspartam (58 Prozent), Acesulfam (29 Prozent) und Suclarose (zehn Prozent) an der Spitze. Aspartam oder Sucralose sind in der Lebensmittelindustrie zum Beispiel in Eistees oder Joghurts besonders beliebt. Selbst in traditionell ungesüßten Produkten wie Kartoffelchips sind heute in manchen Produkten Süßungsmittel zu finden. Häufig werden ihre Nebenwirkungen diskutiert – diese reichen von Ver­änderungen des Sättigungsgefühls, Blähungen und Durchfall bis hin zur Begünstigung von Karzinomen.

Studien legen nahe, dass ihr reichlicher Konsum wegen einer appetitsteigernden Wirkung, einem verminderten Sättigungsgefühl und fehlender Änderung der Ernährungsgewohnheiten Übergewicht und Fettleibigkeit begünstigt. Im Rahmen der San Antonio Longitudinal Study of Aging (SALSA) wurden 65-jährige Menschen, die regelmäßig Softdrinks trinken, über neun Jahre begleitet. Ihr Body-Mass-Index nahm während des Beobachtungszeitraums langsam zu, der Taillenumfang stieg kontinuierlich. In dieser Untersuchung legten die Konsumenten von Diät­limonade pro Untersuchungs­intervall dreimal mehr an Taillenumfang zu als Konsumenten, die auf solche Getränke vollständig verzichteten. Eine Veränderung der Darmflora wird ebenso diskutiert.

Erhöhtes Risiko für Typ-2-Diabetes …

In einer 2013 publizierten Studie hinsichtlich der Entstehung von Typ-2-Diabetes zeigte sich, dass Probandinnen, die durchschnittlich mehr als 360 Milliliter pro Woche mit Süßstoff versetzte Light-Getränke konsumierten, ein höheres Risiko für Typ-2-Diabetes aufweisen als jene, die gezuckerte Getränke konsumieren. Aspartam steht im Verdacht, den Blutzuckerspiegel zu erhöhen und so die Insulinausschüttung zu steigern. Sekundär könnte es dadurch zu einer Diabetes auslösenden Insulinresistenz kommen. In einer kanadischen Übersichtsarbeit aus  dem Jahr 2017 wurde der Verdacht erhärtet, dass das Risiko für Adipositas, Diabetes Typ 2, Bluthochdruck oder Herzerkrankungen durch Süßstoffe steigen könnte. Wahrscheinlich geschieht dies durch eine den Stoffwechsel, die Zusammensetzung der Darmbakterien und den Appetit beeinflussende Wirkung.

… und für Krebs

In einer französischen Studie, basierend auf der populationsbasierten NutriNet-Santé-Kohorte mit rund 100.000 Erwachsenen, wurde für die Süßstoffe Aspartam und Acesulfam bei einem erhöhten Konsum ein um durchschnittlich 13 Prozent höheres Krebsrisiko festgestellt. Die Informationen zur Ernährung wurden durch 24-Stunden-Ernährungstagebücher erhoben. Die erlaubten Tagesdosen der einzelnen Süßstoffe wurden dabei kaum überschritten.

Das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken, stieg um rund 22 Prozent. Ebenso erhöht war das Risiko für Krebsarten des Magen-Darm-Trakts, die mit Übergewicht zusammenhängen. Auch wenn sich die Autoren der Limitierungen der Studie bewusst sind, lassen ihre Ergebnisse den Schluss, künstliche Süßstoffe als bessere Alternative zu Zucker zu verwenden, nicht zu.
Laut einer Schlaganfallstudie, basierend auf den Daten der Framingham-Studie (2017), erkranken Menschen, die häufig zu künstlich gesüßten Diätgetränken greifen, später ­dreimal häufiger an Schlaganfall und Demenz.

Es gibt unbestrittenermaßen auch Studien, die derartig negative Einflüsse infrage stellen. Solange Studienergebnisse jedoch nicht eindeutig jegliche Risken widerlegen, vermeide ich persönlich künstliche Süßstoffe, wo sie offensichtlich sind.

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