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„Ich glaube, dass unsere Aktionäre sehr zufrieden sind“
Für den Andritz-Vorstandsvorsitzenden Joachim Schönbeck ist die Wiener Börse seit 25 Jahren ein verlässlicher Begleiter der Unternehmensentwicklung.
© Ernst Kainerstorfer

Interview mit Joachim Schönbeck, Andritz

„Ich glaube, dass unsere Aktionäre sehr zufrieden sind“

25 Jahre nach dem Börsengang ist Andritz ein globaler Technologiekonzern mit 30.000 Mitarbeitern und Standorten in mehr als 80 Ländern. CEO Joachim Schönbeck spricht über die Erfolgsbilanz der Aktie, die Bedeutung des Standorts Österreich und Wachstumschancen durch Dekarbonisierung.

Von Michaela Schellner

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07.07.2026
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Der Rheinländer Joachim Schönbeck leitet Andritz seit dem Jahr 2022 als Vorstandsvorsitzender. Ins Unternehmen trat der gelernte Maschinenbauer und erfahrene Manager mit Stationen bei Mannesmann, Siemens und zuletzt SMS bereits 2014 ein, damals schon als Mitglied des Vorstands. Andritz verfügt in Österreich über acht Niederlassungen und hat sein Headquarter in der Steiermark in Graz. 2025 hat der international tätige Technologiekonzern 7,9 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftet.

GEWINN: Herr Schönbeck, Andritz feiert heuer 25 Jahre an der Wiener Börse. Was waren aus Ihrer Sicht die drei wichtigsten Meilensteine, die das Unternehmen in dieser Zeit zum globalen Technologiekonzern gemacht haben? 

Joachim Schönbeck: Der Börsengang an sich war mit Sicherheit einer der wesentlichsten Meilensteine in unserer – an Meilensteinen nicht gerade armen – 174-jährigen Geschichte. Er gab den Startschuss für die internationale Expansion, die wir in den vergangenen 25 Jahren konsequent vorangetrieben haben. Dadurch konnten wir uns zu dem globalen Technologiekonzern entwickeln, der wir heute sind. 

GEWINN: Sie sind mit über 280 Standorten in mehr als 80 Ländern vertreten. Welche Bedeutung hat die Wiener Börse heute noch für so einen international tätigen Konzern?

Schönbeck: Die Wiener Börse ist seit 25 Jahren ein verlässlicher Begleiter unserer Entwicklung. Der Kapitalmarkt hat uns ermöglicht, Wachstum, Innovation und Internationalisierung zu finanzieren. Auch wenn Kapitalmärkte global geworden sind, sind lokale Börsen nach wie vor wichtige Anker für Unternehmen und Investoren. Wir schätzen jedenfalls die Wiener Börse und die Entwicklung, die sie in den vergangenen Jahren gezeigt hat, sehr.

GEWINN: Und wie zufrieden sind Sie mit der Entwicklung der Andritz-Aktie?

Schönbeck: Ich glaube, dass unsere Aktionäre sehr zufrieden sind mit der Entwicklung der Aktie, und dies gilt wohl in besonderem Maße für die Aktionäre der ersten Stunde. Wir konnten eine Kurssteigerung von rund 2.900 Prozent erzielen und einen Total Shareholder Return von rund 6.200 Prozent. Vom Börsengang haben aber viele profitiert, nicht nur die Investoren. 

GEWINN: Sondern? 

Schönbeck: Die Zahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wurde auf 30.000 versiebenfacht, der Umsatz von einer auf fast acht Milliarden Euro verachtfacht und das Ergebnis auf rund 700 Millionen Euro versechzehnfacht.

GEWINN: Das sind beeindruckende Zahlen, die Andritz – mit Wurzeln in Graz – zu einem der größten Unternehmen in Österreich machen. Wie wichtig ist der heimische Standort angesichts Ihrer globalen Präsenz eigentlich noch?

Schönbeck: Österreich hat für Andritz eine große Bedeutung. Nicht nur, weil wir hier seit 174 Jahren tätig sind, sondern auch weil wir von einer ausgezeichneten Infrastruktur sowie hochqualifizierten und motivierten Fachkräften profitieren. Wir hoffen, dass dies in den kommenden Jahren auch so bleibt, und freuen uns über die politischen Bemühungen, die Wettbewerbsfähigkeit des Landes wieder zu steigern. Momentan investieren wir in den Ausbau der Standorte Linz und Weiz unseres Geschäftsbereichs Hydropower, der von der starken Nachfrage an erneuerbarer Energie profitiert.

GEWINN: Mit welchen Projekten oder Technologien treiben Sie die Dekarbonisierung der Industrie voran?

Schönbeck: Wir sehen die Dekarbonisierung als einen langfristigen Wachstumstreiber. Neben unseren Lösungen zur erneuerbaren Energie haben wir auch innovative Technologien für grünen Wasserstoff, zur CO₂-Abscheidung (Carbon Capture) sowie Recycling- und Kreislaufwirtschaftslösungen entwickelt. Damit unterstützen wir unsere Kunden bei der Transformation zum nachhaltigen Wirtschaften. Die jüngsten Krisen im Nahen Osten werden die Bemühungen in vielen Volkswirtschaften, ihre Abhängigkeiten in der Energieversorgung zu mindern, weiter bestärken. Davon werden die genannten Technologien profitieren.

GEWINN: Krisen, Lieferkettenprobleme und geopolitische Spannungen waren in den vergangenen Jahren omnipräsent und sind es bis heute. Wie wirkt sich das auf Ihre Geschäftsentwicklung aus? 

Schönbeck: Wir sind gut in das Jahr gestartet und zuversichtlich, im heurigen Jahr wieder wachsen zu können. Der globale Energiehunger und der Trend zur Elektrifizierung beflügeln unsere Geschäfte für erneuerbare Energie weltweit, und wir gehen davon aus, dass dieser Trend noch einige Jahre anhält. Aber auch in den Bereichen Pulp & Paper und Metals sehen wir wieder eine steigende Nachfrage. 

GEWINN: Spielen Akquisitionen weiterhin eine wichtige Rolle für Sie, um der steigenden Nachfrage in Ihren unterschiedlichen Geschäftsbereichen zu begegnen?

Schönbeck: Ja, durchaus. Akquisitionen sind ein Teil unserer DNA und ein wichtiger Bestandteil unserer Strategie. Seit dem Börsengang haben wir unser Portfolio um rund 95 Akquisitionen erweitert. Dabei fokussieren wir auf Unternehmen, die unsere bestehenden Märkte und Technologien sinnvoll ergänzen und unterstützen. Damit bauen wir unser technologisches Portfolio aus, schaffen den Zugang zu neuen Märkten und vertiefen unsere Kundenbeziehungen.

GEWINN: Technologien und Kundenbeziehungen verändern sich derzeit stark durch Digitalisierung und künstliche Intelligenz. Wie setzt Andritz KI – sowohl in den eigenen Prozessen als auch in den Lösungen für Kunden – heute bereits ein, und welches Potenzial sehen Sie noch?

Schönbeck: Wir stehen als Gesellschaft und Unternehmen am Beginn einer riesigen KI-Welle. Während die Dampfmaschine unsere Muskelkraft nicht nur ersetzt, sondern insbesondere verstärkt hat, übernimmt die KI diese Rolle für unsere kognitiven Fähigkeiten. Die Veränderungen für unsere Arbeit werden entsprechend groß sein, und darauf müssen wir uns vorbereiten. Wir tun das, indem wir KI sowohl zur Verbesserung unserer internen Abläufe als auch für unsere Kundenlösungen einsetzen. Wir stellen unseren Mitarbeitern flächendeckend Lizenzen für KI-Modelle zur Verfügung und stellen dabei die Integrität und Vertraulichkeit unserer eigenen und der Kundendaten sicher. Wir sind beeindruckt von den Möglichkeiten und begeistert von der Geschwindigkeit der Innovation. 

GEWINN: Apropos Geschwindigkeit – machen wir eine Zeitreise: Wenn Sie zum 50-jährigen Börsenjubiläum im Jahr 2051 zurückblicken könnten, welche Schlagzeile über Andritz würden Sie dann gerne in einem Wirtschaftsmagazin lesen?

Schönbeck: Dass Andritz durch seine innovativen Technologien maßgeblich zum Gelingen der grünen Transformation beigetragen hat. 

GEWINN: Und was möchten Sie Ihren Investoren mit Blick auf die nächsten zehn Jahre mitgeben? 

Schönbeck: Wir arbeiten an den relevanten Themen unserer Zeit: erneuerbare Energie, Elektrifizierung, Kreislaufwirtschaft und Digitalisierung. Daher blicken wir mit großer Zuversicht in die Zukunft und werden unseren erfolgreichen Weg des profitablen Wachstums zum Wohle aller Stakeholder weiter fortsetzen.

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