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Herausgeputzt für den Verkauf
Wie wird die Wohnung im ­eingerichteten Zustand aussehen? Diese Frage wird durch Home Staging beantwortet.
© Wohnfee/Stills&Emotions - Rudy Dellinger

Home-Staging

Herausgeputzt für den Verkauf

Mit dezenter Möblierung und Accessoires verwandeln Home Stager eine leere Immobilie in eine gemütliche und stilvolle Wohnung. Das soll die Verwertungsphase verkürzen und den Verkaufspreis heben.

Von Ursula Rischanek

04.10.2022

Leere Zimmer, kahle Wände, Glühbirnen, die von der Decke baumeln, und Schritte, die in den Räumen hallen – nur wenige Menschen können in diesem Ambiente ­bereits ein wohnliches Zuhause erkennen. „In leeren Räumen ist es oft schwierig, die Proportionen richtig einzuschätzen“, sagt Jutta Wallner, Stagerin vom Wiener Unternehmen Wohnfee. Darüber hinaus fehle die ­Atmosphäre, ergänzt Immobilienentwicklerin Viola Schritter, geschäftsführende Gesellschafterin von VS Homes. Aber auch bei Immobilien, die während des Verkaufsprozesses noch bewohnt sind, gibt es einen Haken: „Die sind meistens übervoll – sowohl mit Möbeln als auch mit persönlichen Gegenständen. Da ist zumeist der individuelle Stil der Abgeber zu stark präsent“, weiß Wallner. Der Effekt ist in beiden Fällen gleich: Der Eindruck, den Interessenten von Wohnungen und Häusern bekommen, täuscht. ­Dabei gilt bei diesen dasselbe wie bei Menschen, nämlich, dass der erste Eindruck zählt.

Daher werden Immobilien immer öfter für den Verkaufsprozess herausgeputzt: Home Staging heißt die professionelle Behübschung sowohl von leeren als auch von bewohnten Immobilien. Letztere werden dabei durch die gezielte Reduktion persönlicher Gegenstände gleichsam neutralisiert und das Vorhandene mit passendem Leihmobiliar, Accessoires und Beleuchtung ergänzt. Gestagt werden entweder die ganze Immobilie oder auch nur Teile derselben. „Wenn es mehrere gleich große und gleich geschnittene Schlafzimmer gibt, wird nur eines gestagt“, sagt Wallner.

Aus der Masse herausstechen

Die Ausstattung soll aber nicht nur für eine angenehme Atmosphäre sorgen. Gestagte Immobilien bleiben unter verschiedenen Angeboten natürlich in Erinnerung. Darüber hinaus betont Home Staging die Vorzüge der Immobilie, schafft Raum, zeigt ein Licht- und Farbkonzept und weist allen Räumen eine klare Funktion zu. „Gleichzeitig wird das Potenzial der Immobilie ­gezeigt und den Interessenten die ­Möglichkeiten, die sich beim Einrichten bieten, vor Augen geführt“, beschreibt Schritter, die bei all ihren ­Projekten auf Home Staging setzt. Und Wallner ergänzt: „Die Immobilie wird zur Bühne und den Interessenten so präsentiert, dass diese am liebsten gleich einziehen würden.“

Möblierte Wohnung
Welche Wohnung würden Sie lieber kaufen? Selbe Immobilie vor ...© VS HOMES
Möblierte Wohnung
... und nach dem Home Staging.© Nikolai Krinner/PicMyPlace

Dementsprechend sorgfältig wird die Einrichtung geplant: „Im ersten Schritt wird ein Moodboard erstellt, wobei für jede Wohnung ein individuelles Farb- sowie Stilkonzept festgelegt wird“, beschreibt Schritter, die dafür eine eigene Interior-Designerin beschäftigt, die Vorgangsweise. Im nächs­ten Schritt wird der zuvor bestimmte Stil anhand einer 3D-Visualisierung zum Leben erweckt sowie die Platzierung der zukünftigen Möbel festgelegt. Anschließend wird eine Bestands- und eine Bestellliste der benötigten Einrichtungsstücke geschrieben. Sobald alle Möbel in der Wohnung angelangt sind, werden diese aufgebaut und laut der Visualisierung platziert. Zum Abschluss werden Spiegel und Bilder aufgehängt und Dekorelemente positioniert. Ähnlich die Vorgangsweise Wallners: Nach der Besichtigung wird ein Konzept erstellt und nach Absprache mit dem Kunden umgesetzt. Möbel, Teppiche, Lampen und Accessoires stammen in der Regel aus dem firmeneigenen Fundus, der rund 4.500 Stücke umfasst.

Möbel können gleich mitgekauft werden

Im Vordergrund steht beim Home Staging ein dezenter, zeitloser Einrichtungsstil, da damit ja eine grö­ßere Zielgruppe erreicht werden muss. Aber auch aktuelle Trends ­fließen ein. „Wir haben in jeder Wohnung aber auch zwei oder drei It-Pieces“, erzählt Schritter. Aber noch etwas ist sowohl der Immobilienentwicklerin als auch der Home-Stagerin bei der Einrichtung wichtig: Die verwendeten Möbel sind echt und keine Attrappen aus Karton. „Diese reduzieren die Wertigkeit der Immobilie“, heißt es unisono. Einen Unterschied gibt es aber doch: Während das Home-Staging-Unternehmen bei der Küche eine Ausnahme macht, lässt Schritter in den von ihr renovierten beziehungsweise sanierten Wohnungen gleich echte Küchen aufstellen. „Die Kunden sind darüber sehr froh und übernehmen sie gerne“, erzählt die Immobilienentwicklerin. Dass Einrichtungsgegenstände mitgekauft werden, sei generell häufig. So würden rund 80 Prozent der Kunden zumindest Teile übernehmen, 30 Prozent sogar alles.

Zimmer mit Bett und Schrank
Schlafzimmer vorher ...© VS HOMES
Möblierte Wohnung
... und nach dem Home Staging durch VS Homes. Oft kaufen die Käufer der Wohnung die neuen Möbel gleich mit.© Nikolai Krinner/PicMyPlace

Ab 60 Euro pro Quadratmeter

Schritter budgetiert für die Möbel zwischen 5.000 und 10.000 Euro, Wallner beziffert die Kosten mit zumindest 60 Euro pro Quadratmeter, wobei Transport, Auf- und Abbau inkludiert sind. Die beiden sind überzeugt, dass sich das Investment in das Aufpeppen von Immobilien rechnet. Denn die Verwertungszeit reduziert sich deutlich: Auswertungen des deutschen Berufsverbands für Home Staging belegen, dass sich gestagte Immobilien im Durchschnitt um 50 Prozent schneller verkaufen. Zwischen 80 und 90 Prozent aller Immobilien, die im Voraus durch Home ­Staging optimiert wurden, haben binnen drei Monaten einen neuen Eigentümer gefunden. „Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass sich die Verwertungszeit um zwei bis drei ­Monate verkürzt“, sagt auch Schritter. Darüber hinaus würden ja jene Möbel, die nicht mit der Wohnung verkauft werden, in einem anderen Objekt ­wiederverwendet.

In Österreich noch die Ausnahme

Dennoch ist Home Staging, anders als in den USA oder Skandinavien, hierzulande eher die Ausnahme, denn die Regel. „Es gibt zwar einige Bauträger und Makler, die gleich mit einer gestagten Immobilie in die Vermarktung gehen. Aber häufig wird erst dann gestagt, wenn der Verkaufserfolg auf sich warten lässt. Wir sind ein bisschen wie die Feuerwehr“, erzählt Wallner. Besonders private Abgeber würden anfangs die Kosten dafür scheuen, ­bedauert sie. „Die Investition rechnet sich aber tatsächlich und anders verliert man wertvolle Vermarktungszeit“, bestätigt Schritter. Aber nicht nur das: „Man erzielt in der Regel auch einen ­höheren Verkaufspreis“, so die Immobilienentwicklerin.

Möblierte Wohnung
Gestagter Wohn-Ess-Bereich: Home Staging kommt häufig erst dann zum Einsatz, wenn der Verkaufserfolg auf sich warten lässt.© Wohnfee/Stills&Emotions - Rudy Dellinger
Möblierte Wohnung
Altbauwohnung nach dem Home Staging durch die Wohnfee: Transport, Auf- und Abbau der Möbel sind im Preis inkludiert.© Wohnfee/Stills&Emotions - Rudy Dellinger

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