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Franchise-Test: Hörcafé
Espresso vom Hörakustiker
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Stefan Marchl war für eine Hörakustik-Kette tätig, als er beschloss, sich selbstständig zu machen. „Als Angestellter musste ich Vorgaben der Führungsetage einhalten, ich wollte aber selbstbestimmt agieren. Also habe ich beschlossen, ein eigenes Geschäft zu eröffnen“, so der Hörakustik-Meister, der daraufhin zu recherchieren begann und dabei auf das Hörcafé stieß. Bei einem Gespräch mit dem Franchisegeber überzeugte er sich vom System und ging 2021 als Partner an Bord.
Warten im Wohnzimmer
Seinen 60 Quadratmeter großen Standort eröffnete er in der steirischen Marktgemeinde Stainz. „Das war die beste Entscheidung, denn in Stainz und Umgebung gibt es weit und breit keinen Hörgeräteakustiker“, erzählt Marchl, der sein Geschäft wohnzimmergerecht einrichtete: Anstelle eines Beratungstisches gibt es einen höhenverstellbaren Esstisch, als Wartebereich dient eine Couch, auch wurde eine Wohnwand samt Fernseher miteingeplant. „So können wir mit Personen, die Probleme beim Fernsehen haben, überprüfen, ob die Hörgeräte-Einstellung passt“, sagt Marchl.
Sein Angebot umfasst Hörtests, die in einer schallisolierten Hörkabine durchgeführt werden, Hörgeräte und deren Servicierung sowie Gehörschutz für Industrie (etwa Straßenbau) und Freizeit (zum Beispiel fürs Schwimmen). Kommt beispielsweise ein Kunde mit einer Überweisung vom HNO-Arzt für ein Hörgerät ins Geschäft, wird eine Hörmessung durchgeführt und über die persönliche Lebenssituation in Alltag, Beruf und bei Hobbys gesprochen. „Hat der Kunde ein bis zwei Kontakte pro Tag, ist ein Kassengerät ausreichend. Ist er noch berufstätig und hat Meetings, wird ein leistungsstärkeres Gerät benötigt.“
GEWINN-Bewertung
Preis/Leistung: ⚫⚫⚫⚫⚫
Ausgereiftheit: ⚫⚫⚫⚪⚪
Marktchancen: ⚫⚫⚫⚪⚪
Kein Kaffeehaus
Während der Beratung versorgt Marchl seine Kunden mit Kaffee, den er von einem Stainzer Röster bezieht und mit einer italienischen Espressomaschine zubereitet. Hin und wieder spaziert Laufkundschaft herein, die sein Hörcafé mit einem Kaffeehaus verwechselt. „Dann geben wir einen Kaffee aus, und oft kommt man im Gespräch drauf, dass eine Hörmessung nicht schlecht wäre. So haben wir bereits Kunden gewonnen“, sagt Marchl.
Hatte er zu Beginn zwei bis drei Kunden die Woche, so sind es heute im Schnitt neun am Tag. Um weitere Kunden bedienen zu können, plant Marchl den Umzug an einen rund 140 Quadratmeter großen Standort, ausgestattet mit zwei Hörkabinen. Aktuell schupft er das Geschäft mit einer Hörakustik-Meisterin, die Teilzeit arbeitet, und einer Auszubildenden, die Vollzeit angestellt ist. Marchl arbeitet operativ in seinem Geschäft und weicht nur für Administratives ins Homeoffice aus.
Meister erforderlich
„Hörakustik-Geschäfte sind meist ziemlich steril. Ich wollte mit einem anderen Konzept an die Sache herangehen, und so entstand der Name Hörcafé“, erzählt Franchisegeber Stefan Ivansich, der auf die Produktpalette von acht Hörgeräteherstellern Zugriff hat und damit auch Geräte von Kunden servicieren kann, die von anderen Hörakustikern zu ihm wechseln. „Die Konkurrenz hat meistens zwei bis drei Hersteller im Sortiment.“
Alle fünf Jahre hat der Kunde Anspruch auf ein neues Hörgerät, sprich: Man erhält ein Tarifgerät oder bezahlt für das Hörgerät seiner Wahl bis zu 3.500 Euro pro Seite auf.
Hörcafé wurde 2016 in Horn gegründet, seit 2018 besteht eine Franchise-Option. Insgesamt gibt es fünf Standorte, davon werden drei von Partnern geführt. Um ein Hörcafé zu eröffnen, ist die Konzession eines Hörakustik-Meisters erforderlich. Diese bringt der Franchisenehmer mit oder stellt einen Hörakustik-Meister ein.
Fazit
Als Standortgröße werden rund 70 Quadratmeter inklusive zwei Hörkabinen empfohlen. Ein Lager ist nicht erforderlich, da die Hörgeräte erst bestellt werden, wenn der Kunde nach Tragen eines Demogeräts zufrieden ist. Bei der Einrichtung haben Partner freie Hand, sofern die Richtlinien des Kassenvertrags eingehalten werden (wie etwa ein Teppichboden in der Hörkabine, um die Schallreflexionen zu dämpfen). Die Einschulung erfolgt je nach Bedarf und Wissensstand.
Um Jungunternehmer anzusprechen, wird keine Einstiegsgebühr verrechnet, was den Start ins System erleichtert. Benötigt der Partner in der Anfangsphase gezielt Unterstützung, wird eine Pauschale vereinbart. So kostet etwa Hilfe bei der Immobiliensuche und Planung der Raumaufteilung rund 4.000 Euro. Die Marke Hörcafé macht neugierig und erweckt Aufmerksamkeit. Jedoch sind Mitbewerber am Markt stark vertreten.
Fakten Hörcafé
Franchisegeber: Stefan Ivansich, Hopfengartenstr. 21/1/7, 3580 Horn, Tel.: 02982 20522, office@hoercafe.at, s.ivansich@hoercafe.at, hörcafe.at
Gesucht: Franchisenehmer in ganz Österreich und Deutschland
Einstiegsgebühr: Keine od. je nach Aufwand (Immobiliensuche, Planung etc.)
Jährliche Franchisegebühr: 7 bis 9 Prozent des Nettoumsatzes
Jährliche Marketinggebühr: 800 Euro
IT-Gebühr: Keine
Richtwert Startinvestition (exkl. Einstiegsgebühr): 20.000–50.000 Euro
Vertragslaufzeit: mindestens 5 Jahre
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