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Kredite und Inflation
Die positive Seite der Inflation
Die Jahresinflation lag im Vorjahr bei 3,6 Prozent, im Schnitt der letzten fünf Jahre (November 2020 bis November 2025) kommt man sogar auf eine jährliche Inflationsrate von 5,2 Prozent. Die negativen Folgen – gestiegene Lebenshaltungskosten, schrumpfende Sparguthaben – sind bestens bekannt.
Weniger oft liest man von den positiven Wirkungen der Inflation. Sie lassen nicht nur Staatsschulden schrumpfen, sondern auch private Schulden. Zumindest, wenn sie günstig aufgenommen wurden und fix verzinst sind. Zur Illustration ein paar Rechenbeispiele.
Schulden schrumpfen
Angenommen, eine Zweizimmerwohnung in einer zentralen Großstadtlage in Österreich hätte Anfang 2016 inklusive zehn Prozent Nebenkosten 220.000 Euro gekostet und wäre im Zuge einer Simultanhypothek (Besicherung durch eine zweite Liegenschaft) zur Gänze auf Kredit finanziert worden. Bei guter Bonität hat Anfang 2016 eine 20-jährige Fixzinsbindung effektiv im Schnitt 3,7 Prozent p. a. gekostet (Quelle: GEWINN-Ausgabe 1/16).
Wie sieht es zehn Jahre später aus? Unter der Annahme, dass der Kaufpreis von 200.000 Euro „nur“ im Einklang mit der österreichischen Inflationsrate steigt, entspräche dies einer Wertsteigerung um 38,56 Prozent auf 277.125 Euro (Quelle: finanzrechner.at).
Abzüglich der Nebenkosten beim Kauf wäre damit ein zusätzliches Nettovermögen von knapp ca. 121.880 Euro aufgebaut worden (Wertsteigerung von 77.120 Euro plus abbezahlter Kredit von ca. 64.760 Euro minus Nebenkosten von 20.000 Euro).
Die Inflation hilft bei dieser Entwicklung. Denn sie lässt Sachwerte gegenüber Geld steigen, aber die Kaufkraft von Geldern aller Art, auch von Kreditbeträgen, schrumpfen. Ein Kredit von 200.000 Euro heute hätte unter Annahme einer anhaltenden Inflation von 3,315 Prozent p. a. zehn Jahre später aufgenommen nur noch eine Kaufkraft von 144.339,43 Euro.
Doch die Realität war zuletzt noch viel krasser: Angenommen, es wäre eine gebrauchte Wohnung außerhalb Wiens gewesen, wäre sie im Schnitt vom dritten Quartal 2015 bis zum dritten Quartal 2025 um 65,6 Prozent (5,18 Prozent p. a.) im Wert gestiegen, so die Daten des von der OeNB veröffentlichten Wohnimmobilienpreisindex. Dann wären in nur zehn Jahren aus 200.000 Euro satte 331.200 Euro an Wert geworden. Allerdings ist eine Wiederholung einer derartigen Wertentwicklung in den kommenden zehn Jahren eher unwahrscheinlich, realistischer sind Werte im Bereich der Inflationsrate. Welcher Wohnungswert nach 25 Jahren herauskommt, je nachdem, von welcher Wertsteigerung man ausgeht, finden Sie im Beispiel oben berechnet.
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