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Der große GEWINN-Vergleich: ETF-Sparpläne© rudall30 - GettyImages.com

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Der große GEWINN-Vergleich: ETF-Sparpläne

Immer mehr Anleger setzen beim stufenweisen Vermögensaufbau auf ETF-Sparpläne. Auch hierzulande wird das Angebot zunehmend umfangreicher – ein Überblick.

Von Linda Benkö und Martin Maier

03.03.2023

Günstig und breit gestreut Vermögen aufbauen? Exchange Traded Funds, kurz ETFs, also börsengehandelte Indexfonds, bergen dieses Versprechen in sich. Tatsächlich dürften ETFs für viele Anleger den Einstieg in die Kapitalmärkte, insbesondere in die Welt der Aktien, darstellen. So hat sich das weltweit in ETFs investierte Vermögen in den vergangenen 20 Jahren fast verfünfzigfacht.

Auch wenn der Löwenanteil des Kapitals, das weltweit in Aktien investiert ist, immer noch auf Einzelaktien und aktiv gemanagte Fonds entfällt, sprechen ETFs insbesondere jüngere Menschen an. Sie sind unkompliziert und die wenigsten kosten mehr als 0,5 Prozent pro Jahr an Gebühren, die meisten liegen bei den laufenden Kosten sogar deutlich darunter.

Laut Finanzmarktaufsicht (FMA) investiert auch in Österreich bereits jeder dritte neue Kleinanleger in ETFs. Die meisten davon – insbesondere jüngere – investieren dabei nicht große Beträge, sondern nutzen ETF-Sparpläne, um mit regelmäßigen kleinen Summen schrittweise ein Vermögen aufzubauen. Am beliebtesten unter den Sparenden sind ETFs, die einen breiten Index abbilden, wie den Weltaktienindex MSCI World oder FTSE All-World.

ETF-Sparplan: bei der Bank oder beim Online-Broker?

Doch worauf gilt es bei der Wahl des Brokers bzw. der Bank zu achten, will man sich mit kleinen Sparbeträgen über einen längeren Zeitraum ein Finanzpolster schaffen?

Grundsätzlich kann man ein sparplanfähiges Depot sowohl bei vielen Filialbanken als auch bei einer Direktbank oder einem Onlinebroker eröffnen. Investment-Neulinge fühlen sich möglicherweise am wohlsten, wenn sie wissen, dass es für sie immer noch auch Schalterbetrieb mit Vor-Ort-Beratung gibt. Während die meisten Banken bisher eher zurückhaltend in Bezug auf das Angebot von ETFs generell und von ETF-Sparplänen im Besonderen waren, scheint mittlerweile etwas Bewegung in die Sache zu kommen, und immer mehr Banken nehmen auch ETF-Sparpläne in ihr Repertoire auf.

Allerdings schlägt sich der Service in den meisten Fällen entsprechend bei den Gebühren für ETF-Sparpläne nieder. Diese liegen in der Regel deutlich über denen von Direktbanken und Onlinebrokern, die keine Filialen betreiben müssen. Manche Banken bieten dennoch eigene Depotmodelle mit günstigen Konditionen für ETF-Sparer (siehe Übersicht: Download unten).

Günstig, aber nicht steuereinfach

Wer in Finanzangelegenheiten keine Beratung braucht, wen das reine Onlineprozedere nicht schreckt und wer in erster Linie auf niedrige Kosten achtet, ist wohl eher bei Direktbanken oder Onlinebrokern gut aufgehoben.

In der Übersicht der ETF-Sparplananbieter fallen insbesondere zwei Onlinebroker aus Deutschland auf, die mit kostenlosen Sparplanausführungen und kostenlosen Verrechnungskonten und Depots auch hierzulande punkten: Scalable Capital und Trade Republic.

Doch das Null-Kosten-Angebot hat aus Sicht österreichischer Anleger einen Haken: Es ist nämlich nicht „steuereinfach“: Während die anderen Banken und Broker in der GEWINN-Übersicht eventuell anfallende Kapitalertragsteuern automatisch berechnen und an den heimischen Fiskus abführen, muss man sich bei Scalable Capital und Trade Republic selbst darum kümmern und die anfallenden Erträge aus den ETF-Investments korrekt in der Steuererklärung angeben. Doch die beiden deutschen Broker helfen Anlegern in Österreich mittlerweile auch mit gut aufbereiteten Reports, die die Erstellung der Steuererklärung erleichtern sollen.

Onlinebroker mit Steuerservice

Wer es lieber unkompliziert haben will, sollte dennoch vielleicht bei einem steuereinfachen Depot bleiben.

Der günstigste Anbieter hierzulande, der sich auch um die Abführung der KESt kümmert, ist der Onlinebroker Flatex. Hier kostet die einzelne Sparplanausführung pauschal 1,50 Euro, für rund 250 ausgewählte ETFs von sogenannten Premiumpartnern ist sie sogar kostenlos. Für das Depot und das Verrechnungskonto fallen keine weiteren Kosten an.

Vergleichsweise günstig ist auch das Angebot für ETF-Sparer bei der Dadat Bank und der Easybank. Wie die Namen schon verraten, handelt es sich dabei im Unterschied zu den bisher genannten Onlinebrokern um Direktbanken, die weitere Bankdienstleistungen wie etwa Girokonto und Bankomatkarten anbieten, die Easybank hat sogar Kredite im Angebot.

Verrechnungskonto und Depot

Über das Verrechnungskonto werden die Käufe, Verkäufe, Steuern etc. abgewickelt. Auf dem Depot werden die erworbenen Wertpapiere bzw. ETF-Anteile verwahrt. Bei manchen Anbietern wie der BKS oder RLB Oberösterreich ist gar kein Verrechnungskonto notwendig, weil hier die Verrechnung über ein vorhandenes Girokonto stattfinden kann.

Die Depots sind bei den meisten Onlinebrokern und -banken kostenlos, manche Filialbanken jedoch verrechnen volumenabhängige Kosten, die sich also vom Kurswert berechnet werden. Diese steigen natürlich mit einer positiven Entwicklung des auf dem Depot verwahrten ETF-Portfolios.

Intervall und Mindestgrößen

Wer nur kleinere Sparbeträge investieren kann, sollte sich ansehen, welche Mindestordergrößen pro Ausführung notwendig sind. Hier liegt die Bandbreite zwischen einem Euro und 100 Euro je Sparrate.

Auch bezüglich der Intervalle, in denen Sparpläne möglich sind, gibt es eine breite Palette an Optionen: Bei manchen Anbietern sind nur monatliche Sparpläne möglich, andere wiederum bieten auch quartalsweise oder gar jährliche Sparplanausführungen an. So kann jeder Sparer abgestimmt auf seine individuelle Verteilung des Einkommens und den optimalen Zeitpunkt für Investments das passende Angebot auswählen.

Und im Unterschied etwa zu Lebensversicherungen sind ETF- und auch Fondssparpläne sehr flexibel: Die Höhe der Sparraten und die Intervalle lassen sich in der Regel laufend und kostenlos anpassen. Auch eine Pausierung und Einstellung der laufenden Sparpläne ist üblicherweise an keine Laufzeiten oder Fristen gebunden und somit jederzeit möglich.

Die Breite des ETF-Angebots

Die Anzahl der verschiedenen ETFs, für die Sparpläne möglich sind, schwankt sehr stark von Anbieter zu Anbieter. Auch hier führen die beiden Platzhirsche aus Deutschland mit 2.000 bzw. 2.200 verschiedenen ETFs das Feld deutlich an. Auch Flatex und Easybank verfügen mit rund 1.200 bzw. über 500 sparplanfähigen ETFs über ein sehr breit gefächertes Repertoire.

Hier werden insbesondere Anleger fündig, die sich ein Portfolio an verschiedenen ETFs aufbauen und zum Beispiel auch spezielle Themen- oder Anleihen-ETFs besparen wollen. Wer lediglich mit einem Sparplan auf einen der bekannten, breit gestreuten Weltaktien-ETFs starten möchte, wird das auch bei den anderen Anbietern vorfinden, die deutlich weniger verschiedene ETFs als Sparplan investierbar machen.

Einige Anbieter haben mit bestimmten Emittenten Partnerschaften, für deren ETFs es dann Sonderkonditionen gibt. Bei Flatex beispielsweise entfällt bei den ETFs der Premiumpartner die Ausführungsgebühr. Auch bei der Easybank gibt es immer wieder attraktive Angebote der „Starpartner“, wie z. B. monatliche Free Trades. Gleich zwei der Anbieter, BKS und die RLB Oberösterreich, nennen die Blackrock-Tochter iShares als beliebten Produktpartner, „weil die Informationen immer topaktuell und leicht zu finden sind“ beziehungsweise „aus Ausführungsgründen“.

Ein weiterer Grund für die Auswahl der präferierten Partner ist das Thema Liquidität. „Da iShares der Platzhirsch unter den ETF-Anbietern ist, zählen die iShares-ETFs zu den liquidesten am Markt – ein Umstand, der gerade in schwierigen Marktphasen entscheidend sein kann“, heißt es bei der RLB OÖ. Ein hohes Fondsvolumen lässt oft darauf schließen, dass auch die Verkaufsgebühren niedrig sind.

Sonderaktionen und Services

Fest steht jedenfalls, dass die Anbieter ihre Produktpalette und ihre Services ausbauen, von denen einige in der Tabelle aufgelistet sind. Interessenten sollten sich aber diesbezüglich auch beim Anbieter direkt informieren, da hier laufend neue Angebote und Sonderaktionen dazukommen. So werden von manchen Anbietern für Neukunden die Ordergebühren bis zu einer gewissen Höhe oder bis zu einem gewissen Zeitpunkt erlassen.

Und wer nicht selbst Auswahl und Verwaltung der ETF-Sparpläne übernehmen will, kann das bei manchen Anbietern im Rahmen einer digitalen Vermögensverwaltung auch vom Broker bzw. der Bank erledigen lassen.

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