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Börsengang SpaceX
Der größte Börsengang aller Zeiten …
Selten zuvor hat der Börsengang eines Unternehmens für derartige Aufregung unter Börsianern gesorgt wie jener, den SpaceX für Mitte Juni angekündigt hat. Und noch nie zuvor ging es um eine derart hohe Summe, die ein Unternehmen mit dem erstmaligen Verkauf von Anteilen über die Börse lukrieren möchte: SpaceX hat am 20. Mai den offiziellen Antrag für den Börsengang bei der US-Wertpapierbehörde SEC eingebracht und will damit voraussichtlich bereits am 12. Juni zwischen 75 und 80 Milliarden US-Dollar an frischem Kapital zu lukrieren.
Eines der wertvollsten Unternehmen der Welt
Damit würde SpaceX das größte Emissionsvolumen erzielen, das jemals mit einem einzelnen Initial Public Offering (IPO) erreicht wurde, und damit den bisherigen Rekordbörsengang von Saudi Aramco, der dem saudischen Ölriesen im Jahr 2019 rund 26 Milliarden US-Dollar in die Kassen spülte, um ein Vielfaches übersteigen.
Trotz der gigantischen Summe, die eingesammelt werden soll, wird aber nur ein verhältnismäßig geringer Teil des von Elon Musk 2002 gegründeten Unternehmens an die Öffentlichkeit gebracht. Basierend auf den aktuellen Plänen wird der Streubesitz (Free Float) bei etwa vier bis fünf Prozent der gesamten Firmenanteile liegen. Die angestrebte Bewertung zum Zeitpunkt des Listings liegt somit zwischen 1,75 Billionen und zwei Billionen US-Dollar.
Damit würde sich SpaceX unmittelbar nach dem ersten Handelstag im Ranking der wertvollsten Unternehmen der Welt an vierter Stelle hinter Apple, Microsoft und Nvidia einreihen. Noch im Dezember 2025 wurde das Unternehmen in privaten Finanzierungsrunden mit etwa 800 Milliarden Dollar bewertet. Die Fusion mit Elon Musks KI-Schmiede xAI im Frühjahr 2026 sowie die kommerziellen Erfolge von Starlink haben die Bewertung innerhalb weniger Monate mehr als verdoppelt.
Das Unternehmen plant laut dem Antrag für den Börsengang, die lukrierten Mittel vor allem für den massiven Ausbau der Starlink-Infrastruktur sowie für die Fertigstellung und die Serienproduktion des Starship-Systems zu verwenden, das für die geplanten Mars-Missionen und die Errichtung von Rechenzentren im Weltraum essenziell ist.
Was SpaceX eigentlich macht
Um den Hype zu verstehen, muss man die Geschäftsbereiche betrachten, die SpaceX heute zu diesem Giganten machen. Das ursprüngliche Fundament ist das Geschäft mit Raketenflügen ins Weltall. Durch die bahnbrechende Wiederverwendbarkeit der Raketenstufen hat Musk die Kosten pro Kilogramm, das in eine Erdumlaufbahn katapultiert wird, auf einen Bruchteil der bisher üblichen Kosten gesenkt und damit den Markt für Satellitentransporte weltweit de facto monopolisiert.
Doch die wahre Cash-Machine und der eigentliche Treiber der Bewertung ist Starlink: Der satellitengestützte Internetdienst hat im Jahr 2025 die Marke von zehn Millionen Abonnenten überschritten und generiert mittlerweile den Löwenanteil des Umsatzes. Starlink ist das Rückgrat der globalen Konnektivität geworden, insbesondere in Regionen, die herkömmliche Glasfaserkabel niemals erreichen werden.
Eine neue Komponente kam Anfang 2026 hinzu: die Fusion mit xAI. Durch diesen Zusammenschluss ist SpaceX nun auch ein bedeutender Akteur im Bereich der künstlichen Intelligenz, wobei das Unternehmen plant, Rechenzentren im Weltall zu bauen, die direkt mit Sonnenstrom betrieben werden. Diese Kombination aus physischer Dominanz im All und digitaler Macht durch KI rechtfertigt in den Augen vieler Analysten die astronomische Bewertung.
Hohes Potenzial, hohe Verluste
In seinem Börsenprospekt beziffert das Management von SpaceX einen „total addressable market“, also das maximale Umsatzpotenzial, das ein Unternehmen mit einem Produkt oder einer Dienstleistung als einziger Anbieter in einem spezifischen Markt erzielen könnte, auf unglaubliche 28,5 Billionen US-Dollar, was fast dem Bruttoinlandsprodukt der USA von 30,8 Billionen Dollar im Jahr 2025 entspricht.
Dabei schrieb das Unternehmen im letzten Geschäftsjahr 2025 trotz Umsätzen in Höhe von 18,7 Milliarden US-Dollar noch einen Verlust von über 4,9 Milliarden Dollar. Auch für 2026 prognostiziert SpaceX einen Verlust von über 4,2 Milliarden.
Wie man sich an SpaceX beteiligen kann
Für Anleger, die an die fast schon außerirdische Story von SpaceX glauben und in das Unternehmen investieren wollen, gibt es im Wesentlichen vier Möglichkeiten, wobei zwei davon für Privatanleger in Österreich in der Praxis kaum zu bewerkstelligen sein werden.
Eine erste Möglichkeit wäre es, sich vor dem Börsengang an der noch privaten Aktiengesellschaft zu beteiligen. Diesbezüglich bieten etwa Plattformen wie Forge Global, Equityzen oder Hiive den Handel mit Anteilen bestehender SpaceX-Investoren oder -Mitarbeiter an. Doch dieser Weg ist aufgrund hoher rechtlicher Hürden und Mindestinvestitionssummen in der Praxis nur professionellen Anlegern vorbehalten.
Alternativ könnte man Anteile an entsprechenden Trusts oder ETFs erwerben, die an internationalen Börsen notieren und bereits Anteile an SpaceX enthalten, wie etwa den Baron Partners Fund, den Scottish Mortgage Investment Trust oder den Ark Venture Fund. Doch dabei gilt es, zu beachten, dass diese nicht für den Vertrieb an Privatanleger in Österreich zugelassen sind und auch „Nicht-Meldefonds“ sind, man also in steuerlicher Hinsicht erhebliche Nachteile in Kauf nehmen müsste. In der Praxis wird man diese Papiere aber als Privatanleger bei heimischen Banken oder Brokern ohnehin nicht handeln können.
Ark hat darauf reagiert und mit dem Ark Private Innovation ELTIF ein Vehikel auf den Markt gebracht, das ähnlich wie sein US-Pendant zu 17,5 Prozent in SpaceX und zu geringeren Teilen in andere private Unternehmen investiert ist, aber auch für heimische Privatanleger zugelassen ist. Private und professionelle Anleger können in den Ark Private Innovation ELTIF über verschiedene Investmentplattformen, Banken und Vermögensverwalter in der EU investieren, darunter NAO in Deutschland, den Niederlanden und Österreich. Der Haken daran: ELTIFs sind als semiliquide Vehikel nur eingeschränkt handelbar und haben eine hohe Gebührenbelastung. Es ist auch fraglich, ob man die Anteile an diesem ELTIF noch rechtzeitig vor dem Börsengang von SpaceX zeichnen kann.
Direkt beim IPO dabei sein
Der zweite eher theoretische Zugang wäre eine Zeichnung der Aktien direkt beim Börsengang: Während bei US-Mega-IPOs normalerweise nur ein Bruchteil der Aktien für Retail-Investoren reserviert ist, sollen bei SpaceX bis zu 30 Prozent der angebotenen Tranche direkt für Privatanleger zugänglich gemacht werden.
Um hier zum Zug zu kommen, ist ein Depot bei einem Broker mit direktem Zugang zur Nasdaq essenziell. Zwar ermöglichen viele österreichische Banken und Broker den Handel an dieser US-Börse, doch für die tatsächliche Zeichnung – also den Erwerb zum Emissionspreis noch vor den ersten Handelsminuten – sind oft Konten bei spezialisierten Brokern oder US-nahen Instituten von Vorteil. Wer hier Interesse hat, sollte bei seiner Bank bzw. seinem Broker anfragen, ob ein Zugang zum SpaceX-IPO geboten wird.
Unabhängig davon gilt: Die Nachfrage nach Zuteilungen beim SpaceX-IPO wird das Angebot voraussichtlich um ein Vielfaches übersteigen.
Wetten auf SpaceX
Für spekulative Anleger in Österreich eröffnen CFDs (Differenzkontrakte) eine der aggressivsten Möglichkeiten, auf den SpaceX-Börsengang am 12. Juni 2026 zu setzen. Während man bei einem ELTIF echte Anteile (indirekt) besitzt, handelt man bei sogenannten Pre-IPO-CFDs lediglich auf die Kursdifferenz – ohne das Unternehmen jemals zu besitzen.
Einige große Broker wie IG bieten diesbezüglich CFDs an, die nicht auf einem fiktiven Aktienkurs basieren, sondern auf der erwarteten Marktkapitalisierung. Andere Broker wie CMC Markets emittieren CFDs auf einen geschätzten Aktienkurs. Ein neuer Trend im Jahr 2026 sind Derivate auf Kryptoplattformen wie Crypto.com oder dezentrale Protokolle. Hier werden synthetische Token gehandelt, die den Preis von privaten SpaceX-Anteilen tracken. Aber Vorsicht: Diese Produkte sind in Österreich oft regulatorisch in einer Grauzone und bieten weniger Anlegerschutz als etablierte CFD-Broker mit Lizenzen in der EU.
Pre-IPO-CFDs sind das Werkzeug für Trader, die auf den Event-Hype spekulieren wollen, ohne damit eine SpaceX-Aktie zu erwerben. Für den langfristigen Vermögensaufbau sind sie aufgrund der Hebelrisiken und Roll-Gebühren weniger geeignet.
Entspannt danach investieren
Wer sich den direkten Kampf um die begehrten IPO-Stücke ersparen möchte, kann auf die Zeit nach dem Börsengang setzen, wenn sich der Staub gelegt hat, und die Aktien nach dem IPO im regulären Börsenhandel erwerben oder warten, bis SpaceX seinen Weg in die großen Aktienindizes findet. Ein Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von zwei Billionen Dollar kann von Indexanbietern kaum ignoriert werden.
Es gibt jedoch eine Hürde: Für die Aufnahme in den S&P 500 etwa wird in der Regel eine Serie von profitablen Quartalen vorausgesetzt. Und davon ist SpaceX aufgrund laufender hoher Verluste weit entfernt. Eine rasche Aufnahme in den Nasdaq-100-Index hingegen ist etwas wahrscheinlicher, weil die Nasdaq pünktlich im Mai 2026 ihre Regeln für die sogenannte „Fast Entry“ angepasst hat. SpaceX kann bereits 15 Handelstage nach dem IPO in den Nasdaq-100 aufgenommen werden. Bei einem Börsengang am 12. Juni wäre dies Anfang Juli 2026 der Fall. Die MSCI-Indizes, die für viele globale Welt-ETFs die Basis bilden, prüfen Neuaufnahmen in der Regel im Rahmen ihrer vierteljährlichen Index-Reviews, wobei aufgrund der schieren Größe des Unternehmens eine Aufnahme zum August- oder November-Review 2026 sehr wahrscheinlich ist.
Sobald die Aktie in die großen ETFs von Anbietern wie Blackrock (iShares) oder Vanguard wandert, entsteht ein enormer passiver Kaufdruck, da Milliarden an Dollar automatisch in das Papier fließen müssen. Auch spezialisierte Branchenindizes für Raumfahrt und Kommunikation bereiten bereits ihre Regelwerke vor, um SpaceX bald nach dem Handelsstart gewichten zu können.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der SpaceX-Börsengang mit Sicherheit kein gewöhnliches Finanzereignis ist und für großes Interesse an der Börse sorgen wird. Ob die Aktienkurse so stark steigen werden wie die SpaceX-Raketen beim Flug ins Weltall, steht allerdings noch in den Sternen.



