Hauptinhalt

Krypto-Hub Österreich
„Der europäische Markt gewinnt weiter an Bedeutung.“
Seit es möglich ist, den Handel und Dienstleistungen rund ums Thema Krypto mit einer Lizenz in ganz Europa anzubieten, haben sich einige internationale Player in Österreich angesiedelt, um von hier aus den europäischen Markt zu erobern. Auch der heimische Marktführer Bitpanda will von Österreich aus seine starke Stellung noch weiter ausbauen, wie Lukas Enzersdorfer-Konrad, CEO von Bitpanda, im Interview mit GEWINN erklärt.
GEWINN: Was hat die Gründer von Bitpanda damals bewogen, in Österreich zu starten?
Enzersdorfer-Konrad: Als Bitpanda gegründet wurde, spielte Regulierung im Krypto-Bereich noch eine deutlich geringere Rolle als heute, einen klaren europäischen Rahmen gab es damals praktisch noch nicht. Der Anspruch war aber schon von Anfang an, nicht in einer rechtlichen Grauzone zu agieren, sondern in einem geordneten und verlässlichen Umfeld zu wachsen. Über die Jahre haben wir hier starke Teams aufgebaut und eine sehr konstruktive Zusammenarbeit mit der FMA und der OeNB entwickelt. Gleichzeitig sehen wir aber auch, dass Österreich im internationalen Wettbewerb deutlich unternehmerfreundlicher werden muss, um langfristig ein attraktiver Standort für Tech-Unternehmen zu bleiben.
GEWINN: Wie hat sich seither Österreich als Standort für Unternehmen im Krypto-Bereich aus Sicht von Bitpanda entwickelt?
Enzersdorfer-Konrad: In den letzten Jahren ist der Markt deutlich reifer geworden. In den Anfangsjahren wurde Krypto oft noch als Nischenthema betrachtet. Heute sieht man, dass digitale Assets immer stärker Teil des etablierten Finanzsystems werden, sowohl regulatorisch als auch auf institutioneller Ebene. Gerade regulatorisch gibt es heute deutlich mehr Klarheit und Struktur als noch vor einigen Jahren. Österreich hat sich dabei als stabiler und verlässlicher Standort bewährt, besonders für Unternehmen, die langfristig und innerhalb klarer regulatorischer Rahmenbedingungen wachsen wollen. Gleichzeitig profitiert der Standort von seiner zentralen Lage in Europa und von gut ausgebildeten Fachkräften.
GEWINN: Bitpanda wurde inzwischen zum europäischen Player. Wie groß ist das Unternehmen am Standort Österreich, und welche weiteren Schritte sind in Österreich und in Europa geplant?
Enzersdorfer-Konrad: Bitpanda ist heute einer der führenden Anbieter für digitale Assets in Europa, insbesondere in der D-A-CH-Region. Unser klares Ziel ist es, die Nummer eins in ganz Europa zu werden. Daran arbeiten wir mit knapp 900 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die Hälfte davon in Österreich. Mit unserem Hauptsitz in Wien und zentralen Teams in den Bereichen Produktentwicklung, Technologie sowie Business und Operations bleibt der Standort auch weiterhin ein wichtiger Teil unserer Unternehmensentwicklung.
GEWINN: Im vergangenen Jahr haben einige internationale Player Wien als Hub für den europäischen Markt gewählt. Wird das Geschäft für die hier etablierten Player damit schwieriger oder belebt Konkurrenz das Geschäft?
Enzersdorfer-Konrad: Grundsätzlich sehen wir das positiv. Dass internationale Unternehmen Wien und Österreich als Standort wählen, zeigt, dass der europäische Markt weiter an Bedeutung gewinnt. Entscheidend ist aber, dass regulatorische Standards für alle Anbieter einheitlich umgesetzt und durchgesetzt werden – in Österreich wie auf europäischer Ebene. Genau daran hapert es aktuell in Teilen des Markts noch. Mit einem reiferen Markt steigen auch die Erwartungen an Transparenz, Regulierung und Nutzererfahrung. Langfristig werden sich vor allem jene Unternehmen durchsetzen, die nachhaltig Vertrauen aufbauen, regulatorische Anforderungen konsequent ernst nehmen und Produkte entwickeln, die echten Mehrwert für die Nutzer bieten.


