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Das Untermiete-Start-up
Blueground-Österreich-Chef Joubin Pour: „Machen keine touristische Vermietung“
© Blueground

Untermiete

Das Untermiete-Start-up

Ein New Yorker Start-up mietet in Wien Wohnungen an und untervermietet sie an Mitarbeiter internationaler Unter­nehmen. Das soll Vermieter ansprechen, die sich um nichts kümmern wollen.

Von Robert Wiedersich

07.06.2022

Joubin Pour ist auf Wohnungs­suche. 180 Wohnungen hat er in Wien schon angemietet. 300 sollen es bis Jahresende werden. Natürlich will Pour dort nicht selbst wohnen. Er macht das im Auftrag von Blueground. Das New Yorker Start-up ist nach einer 155 Millionen Euro schweren Finanzierungsrunde auf Expan­sion in Europas Metropolen und hat weltweit in 18 Städten 7.500 Wohnungen angemietet. Bis 2025 sollen es 30.000 sein.

Uno, Amazon und Fußballklubs als Mieter

Blueground zählt zur Kategorie der rasch wachsenden Proptechs, der Verbindung aus Immobilien- und Technologieunternehmen. Über die Internet-Plattform können die Wohnungen von überall auf der Welt in wenigen Minuten digital besichtigt und angemietet werden. Anders als bei Airbnb sind die Zielgruppe aber nicht Touris­ten, die für wenige Tage eine Bleibe suchen, sondern Mitarbeiter von Unternehmen oder Diplomaten. Sie suchen in der Regel für mehrere Monate eine fertig eingerichtete Bleibe zum sofortigen Einzug, die meist vom Arbeitgeber bezahlt wird. „Wir arbeiten mit über 400 Firmenkunden zusammen, z. B. Amazon, Tesla oder Apple, aber auch mit Fußballklubs und internationalen Organisationen. In Wien zählt die Uno zu unseren größten Kunden. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer unserer Mieter in Wien beträgt acht Monate. Die Mieter erhalten einen Drei-Jahres-Mietvertrag, können jedoch jederzeit vorzeitig kündigen und müssen sich nicht an die übliche Mindestmietdauer von einem Jahr und die Kündigungsfrist von drei Monaten halten. Ein vorzeitiger Ausstieg aus den Mietverträgen ist somit leichter möglich“, sagt Österreich-Chef Pour.

Eigentümer lagert Leerstandsrisiko aus

Wie lange die Wohnung von Blueground tatsächlich untervermietet wird, macht für die Einnahmen des ­Eigentümers keinen Unterschied. Er hat seinen Mietvertrag direkt mit dem Start-up abgeschlossen. Im Gegensatz zu Airbnb tritt Blueground nicht als Vermittler zwischen Vermieter und Mieter auf, sondern mietet die Wohnungen selbst an. „Wir sind der Mieter und garantieren daher die Mietzahlung. Unsere Auslastung betrug sogar während Corona 95 Prozent, weil wir keine touristische Vermietung durchführen“, betont Pour. In Österreich werden die Wohnungen für mindes­tens drei Jahre angemietet und sind in dieser Zeit auch versichert. Laut Pour bezahlt man marktübliche Mieten ­ohne Abschläge.

Die Wohnungen werden unmöb­liert angemietet, um die Einrichtung kümmert sich Blueground. „Bis auf die Küche. Da ist es uns lieber, wenn diese schon eingebaut ist. Die restliche ­Einrichtung kommt von unserem Designteam. Dazu zählen u. a. Sofas, Esstische und Stühle, hochwertige Matratzen sowie Elektro- und Haushaltsgeräte. Wir malen auch aus, legen aber keine neuen Böden. Läuft der Mietvertrag aus, nehmen wir die Möbel wieder mit, oder der Eigentümer löst sie ab. Strom, Internet und Heizung melden wir an und rechen das mit dem Mieter direkt ab.“

Auf Wien beschränkt

Blueground ist noch auf der Suche nach Wohnungen in Wien, eine Expansion in die Landeshauptstädte ist derzeit kein Thema. „Es gibt in jedem Wiener Bezirk tolle Mikrolagen, die für uns interessant sind. Unser ­Fokus liegt aber auf den Bezirken eins bis neun und 22 in der Nähe der Uno-City“, so Pour. Angemietet wird sowohl von großen Immobilienbesitzern – „da nehmen wir gleich Pakete mit zehn bis 15 Wohnungen“ – als auch von priva­ten Eigentümern, die sich nicht um die Vermietung ihrer einzelnen Einheit kümmern wollen. „Die Wohnung muss kein Erstbezug, aber ordent­lich saniert sein. Bei den ­Größen suchen wir 40 bis 160 Quadratmeter. Derzeit ist die Nachfrage nach Drei-Zimmer-Wohnungen am größten, wo sich auch ein Home-­Office gut einrichten lässt.“

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