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Aktienmarkt Deutschland
Chancen trotz Krisenstimmung
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Wenn man der politischen und wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland folgt, könnte man den Eindruck gewinnen, dass die Welt nicht mehr lange steht: Die Konjunktur dümpelt seit Jahren dahin, die deutsche Autoindustrie hängt schwer angeschlagen in den Seilen, und die politische Führung scheint dem wenig entgegensetzen zu können. An der Börse aber herrscht seit längerer Zeit – mit kurzen Unterbrechungen – Partystimmung. So auch heuer: Nach einem deutlichen Kursrückschlag im März legten die deutschen Aktien, gemessen am Leitindex DAX, in den Folgemonaten wieder kräftig zu und konnten im Spätsommer neuerliche historische Höchststände erzielen.
Doch mit einem Plus von acht Prozent seit Jahresbeginn rangiert der deutsche Aktienmarkt im internationalen Vergleich gerade einmal im letzten Drittel. Das globale Ranking wird seit geraumer Zeit von Südkorea (plus 66 Prozent seit Jahresbeginn), gefolgt von Japan (37 Prozent) und Ungarn (36 Prozent), angeführt. Der die Industrieländer weltweit umspannende MSCI-World-Index weist heuer immerhin ein Plus von 16 Prozent auf.
Schwache Realwirtschaft
Im Hinblick auf die eher schwache konjunkturelle Entwicklung ist der Rekordstand des DAX durchaus bemerkenswert. Neben der seit Jahren stagnierenden Gesamtwirtschaft, dem leidigen Energiepreisthema, dem schwachen Privatkonsum, den anhaltenden geopolitischen Spannungen, der noch immer höheren als gewünschten Inflationsrate und der rückläufigen Industrieproduktion sind es auch die sinkende Wettbewerbsfähigkeit, etwa im Automobilsektor, ein schwächeres Innovationstempo und die schleppende Bürokratie, die ein eher düsteres Bild zeichnen.
Auf der Habenseite sind die Bemühungen der Regierung hinsichtlich staatlicher Investitionen insbesondere im Verteidigungs- und Infrastruktursektor sowie Reformen im Pensions- und Steuersystem, ein steigendes Exportvolumen in Richtung Zentral- und Osteuropa, eine relativ stabile Arbeitsmarktsituation und eine zwar hohe, aber nicht überzogene Bewertung an der Börse zu nennen. Besonders positiv sind die historischen Rekordgewinne der DAX-Konzerne hervorzuheben. Eine Steigerung der Margen von etwa 14 Prozent gegenüber dem Vorjahr zeigt, dass viele Unternehmen doch gut aufgestellt sind. Dabei punkten die Hersteller und Zulieferer der Tech-Branche und im Infrastrukturthema engagierte Unternehmen. „Made in Germany“ und die international anerkannte Qualität deutscher Produkte bieten nach wie vor ein wichtiges Fundament.
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