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Beruf: Geld bewegen © Andrey Popov – GettyImages.com

Karriere als Fondsmanager

Beruf: Geld bewegen

Als Fondsmanager ist man nah am Puls der Realwirtschaft. Der Weg dorthin führt meist über klassische wirtschafts­wissenschaftliche, volkswirtschaftliche oder mathematisch-­statistische Studien.

Von Linda Benkö

11.01.2022

Gibt man als Berufsbezeichnung „Investmentfondsmanager“ an, klingt dies nach weiter Welt und viel Geld. Wer denkt da nicht an Peter Lynch, Sir John Templeton, Mark Mobius und Bill Gross? Lynch etwa zeichnete von 1977 bis 1990 für das Management des Fidelity Magellan Fund verantwortlich. In diesen 13 Jahren erzielte er eine durchschnittliche jährliche Rendite von 29,2 Prozent und das verwaltete Vermögen wuchs auf zwölf Milliarden US-Dollar an. Seine Gage soll bis zu zehn Millionen Dollar pro Jahr betragen haben.
Nicht viel weniger Fondsvolumen, nämlich rund 14,5 Milliarden Dollar, bewegte Sir John Marks Templeton im von ihm gegründeten Templeton Growth Fund. Der 1954 aus der Taufe gehobene Fonds war einer der ersten, bei dem in den 1960ern auch in japanische, russische oder chinesische Papiere breit investiert wurde. Die zugehörige Investmentgesellschaft verkaufte Templeton 1992 für 440 Millionen US-Dollar an den Mitbewerber Franklin Templeton Investments Group.

Als Schwellenland-Guru galt Mark Mobius, ebenfalls aus dem Hause Franklin Templeton Investments. Bis 2016 verwaltete er elf Fonds mit Fokus auf die Emerging und Frontier Markets. Schier unglaubliche Volumina erreichte auch Bill Gross mit seiner 1971 gegründeten Pacific Investment Management Company, kurz PIMCO. Der von ihm verwaltete Total Return Fonds schwellte auf fast 240 Milliarden US-Dollar an – bis Gross seine Gesellschaft 1999 um 3,3 Milliarden an Allianz Global Investors verkaufte.
Doch die glanzvollen Zeiten, die man vor allem im anglo-amerikanischen Raum sah, scheinen vorbei zu sein, unter anderem, weil die ab 2007 einsetzende Finanzkrise die Akteure immer mehr Reglementierungen unter­warf. Ausnahmetalente mag es freilich auch hierzulande gegeben haben und immer noch geben. Derart steile Karrieren legte aber kaum ein Austro-Manager hin – mit Ausnahme vielleicht von Hedgefonds-Manager und Superfund-Gründer Christian Baha.

Reizvoll, aber . . .

Nichtsdestotrotz sind Asset Manager, Fondsmanager und Trader reizvolle Berufe. „Ich bin seit 25 Jahren im Job – und liebe es noch immer“, sagt Alois Wögerbauer, Geschäftsführer der 3Banken Generali Investment-Gesellschaft. „Jeder Tag ist anders. Wir müssen immer informiert sein – über die aktuelle Weltpolitik, die Konjunktur, China und so weiter. Das hält frisch und davon profitiere ich auch privat“, erklärt der Manager des 3Banken Österreich-Aktienfonds.
Wolfgang Matejka, Geschäftsführer von Matejka & Partner Asset Management, gefällt, dass er in seinen Investments die Arbeit und Intensität der Recherche und Analysen direkt in Form der Performance gespiegelt bekommt. Der „Veteran“ startete vor vielen Jahren im Handelsraum der damaligen Länderbank. Mit seiner ganz persönlichen Neigung für Wertpapiere fiel der Kundenbetreuer bald aufgrund des Zuspruchs der Kunden auf. Dank Algorithmen und Systematisierungen in der Orderabwicklung dürfte der Trader oder Händler, wie man ihn von früher kennt, aber eher eine aussterbende Spezies sein, meint Matejka. „Allenfalls agieren Trader noch für das Nostro, das Handelsbuch der großen Geldinstitute.“

. . . auch anstrengend

„Weniger fein ist, dass wir wissen, dass wir oft wenig wissen“, ergänzt Wögerbauer. Viele Dinge und Ereignisse kämen von extern, das könne man nicht beeinflussen – heißt im Klartext: „In guten Börsenphasen werden wir zu viel gelobt. Und in schlechten Börsenphasen zu viel kritisiert.“ Allzu persönlich nehmen dürfe man beides nicht. „Es gilt, die vielen Nebengeräusche zu beachten“, pflichtet Matejka bei. Es kann schon mal wegen eines einzigen Unternehmens ein ganzes Segment runterrasseln. „Der Beruf ist auch anstrengend, man muss die Ohren immer gespitzt haben, auch am Wochenende.“ Der Spruch „Aus Fehlern lernt man“ bewahrheitet sich im Investment auf brachiale Weise, wenn der Performancechart die Fehler unmittelbar spiegelt.

Wolfgang Matejka, Matejka & Partner: „Man muss die Ohren immer gespitzt haben, auch am Wochenende.“© Wiener Privatbank
Martina Pokorny, MPK Invest: „Quereinsteiger findet man eher in den Research-Abteilungen oder Spezialbereichen.“© Sabine Hauswirth

Ein Job für Quereinsteiger?

Ein Quereinstieg ist schwierig, aber nicht unmöglich, „speziell, wenn man Kenntnisse und Fähigkeiten mitbringt, die sonst im Team weniger stark abgedeckt werden“, erklärt David Striegl, Leiter des Kepler-Aktienfondsmanagement der Privat Bank der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich. So sei in der jüngeren Vergangenheit international zu bemerken, dass IT-Experten mit Know-how im Bereich „Machine Learning“ in das Portfoliomanagement wechselten. „Quereinsteiger, etwa Naturwissenschafter, Chemiker, findet man eher in den Research-Abteilungen oder für Spezialbereiche wie in die Investmentkomitees für BioTechnologie-Fonds“, weiß Martina Pokorny, Geschäftsführerin von MPK Invest. „Eine Möglichkeit wäre, wenn man sich privat bereits jahrelang mit den Kapitalmärkten beschäftigt hat“, so Wögerbauer.

Unabdingbar: „Begeisterung für Finanzmärkte“

Die Mehrheit geht jedoch den klassischen Weg. Entsprechende Vorbildung in den Bereichen Wertpapiere und Kapitalmärkte macht sich bezahlt: Ein wirtschaftswissenschaftliches oder volkswirtschaftliches Studium mit finanzwirtschaftlichem Schwerpunkt, mathematisch-statistische Studiengänge oder auch bereits gesammelte Berufserfahrung, gibt Striegl an. Er hat vor Kurzem sein Aktienteam personell aufgestockt.
Essenziell, um diesen Beruf zu ergreifen, sind in den Augen von Wögerbauer grundsätzlich drei Dinge: „Gute Kenntnisse der wirtschafts- und finanzpolitischen Zusammenhänge, also Konjunktur, Zinsen, Notenbanken usw.“ Dies setzt natürlich Interesse an allem, was auf der Welt passiert, als tägliche Basis voraus. „Zweitens gute Kenntnisse der Unternehmensbewertung und drittens Erfahrung mit Kapitalmärkten.“ Ein analytisches Verständnis, Bilanzen und Fundamentaldaten richtig einordnen, makroökonomische Zusammenhänge verstehen etc., das ließe sich lernen oder nachholen. „Die Begeisterung für Finanzmärkte aber hat man oder nicht, auch mit all ihren Verrücktheiten – das kann man nicht lernen“, sagt Wögerbauer. Eine Portion psychologisches Gespür sei nötig, zumal die Märkte nicht berechenbar seien, Stimmungen unterliegen, nach oben und nach unten übertreiben können. „Als menschliche Eigenschaft braucht man Entscheidungsmut und Entscheidungsfreude“, so der langjährige Experte. „Die Meinung auch mal zu ändern, ist keine Schwäche, sondern eine Stärke, die langlaufende Fehler vermeidet.“ Matejka hält auch gute Umgangsformen für sehr wichtig, zumal Fondsmanager in One-on-ones oder in Kleingruppen mit höhergestellten Unternehmensvertretern kommunizieren, um den „Investment Case“ zu erarbeiten.

Da der Finanzmarkt international ausgerichtet ist, werden fortgeschrittene Kenntnisse der englischen Sprache vielfach vorausgesetzt. „Weitere Ausbildungen sind definitiv von Vorteil. Allerdings werden diese oft erst während der ersten Jahre als Fondsmanager absolviert“, sagt Striegl. Beim Berufseinstieg selbst seien diese Bausteine kein Muss. Bei Kepler unterstütze man in den ersten Jahren speziell die Zusatzausbildung zum Certified Portfolio Manager (CPM) oder Chartered Financial Analyst (CFA). „Die Zusatzausbildung hängt vom Anlagestil des Fonds oder des Hauses ab“, präzisiert Wögerbauer. Bei stark zahlengesteuerten Modellen können Kenntnisse der Mathematik und Statistik oder Grundkenntnisse des Programmierens nötig sein.
Der Karriereweg beginnt häufig als Praktikant oder mit einer Assis­tenzposition. Striegl: „Nach gründlicher Einarbeitung und gegebenenfalls Absolvierung einer spezifischen Ausbildung, wie sie etwa die zum CPM darstellt, setzt sich der Weg als Junior-Fondsmanager fort.“ Während der gesamten Zeit als Assistent und Junior Fondsmanager stehe ein erfahrener Senior Manager als Mentor zur Seite. Danach entscheide die individuelle Entwicklung darüber, ob und wann die Stufe des Senior-Fondsmanagers erklommen wird. „Bei Kepler dauert dies in der Regel etwa drei Jahre“, so Striegl. „In die großen Fondshäuser kommt man ohne Praxiserfahrung aber kaum mehr rein“, meint Matejka.

David Striegl, Privat Bank der RLB OÖ: „Weitere Ausbildungen werden oft erst während der ersten Jahre absolviert.“© KEPLER-Fonds/Erwin Wimmer
Alois Wögerbauer, 3Banken Generali Investment: „Die Begeisterung für Finanzmärkte hat man oder nicht.“ © 3 Banken Generali Invest/eric kruegl

In Europa ist Fixgehalt üblich

Wer damit liebäugelt, in die großen ausländischen Finanzzentren zu gehen, könnte enttäuscht werden. „Große internationale Häuser haben oft komplexe Entscheidungsstrukturen – der Volkswirt, der Chief Investment Officer, der Chefanalyst, . . .“, gibt Wögerbauer zu bedenken. Dem Fondsmanagement werde dann oft schon viel vorgegeben und man könne sich nur noch in einem engen Rahmen bewegen. Bei kleineren heimischen Häusern sei der „Handlungsspielraum in der Regel breiter und man kann sich eigenständiger bewegen. Je größer das Fondshaus, umso eher wird aus dem Management eine Teamleistung bis hin zu einer Show für das Investment-publikum“, so Matejka.
Zwar sind die Verdienstmöglichkeiten für Fondsmanager in Übersee besser. Aber insgesamt sei es in der Branche schwieriger geworden, diag­nostizieren Experten wie Martina Pokorny. Werden im anglo-amerikanischen Raum zuweilen noch Boni in Abhängigkeit der Performance ausbezahlt, gibt es in Europa meist ein Fixgehalt. „Das muss transparent in die Fondsberichterstattung einfließen, sonst ruft man die Aufsichtsorgane auf den Plan“, sagt Matejka. Hinsichtlich Verdienstmöglichkeiten seien in den heimischen Kapitalanlagegesellschaften keine großen Unterschiede, beispielsweise nach den Asset-Klassen Anleihen, Aktien oder Spezialthemen, auszumachen, lautet der Tenor. Markterfahrung – gerade im Umfeld von Notenbankeinflüssen, Marktkorrekturen und dergleichen – ist aber sicher eine Trumpfkarte.

So viel verdienen Fondsmanager in Banken

Gehälter von Fondsmanagern

Fondsmanager in heimischen Banken sind für das Management von Wertpapierfonds unter Umsetzung der Veranlagungsstrategien und unter Rücksichtnahme auf Fondsspezifika verantwortlich. Ihre Aufgabe ist die bestmögliche Performance der betreuten Fonds unter Risk-Return-Gesichtspunkten. Dafür beobachten sie die Entwicklungen auf Kapitalmärkten, in relevanten Branchen und auf politischer Ebene und entwickeln neue Anlagestrategien. Sie stehen in Kontakt mit Managern börsennotierter Unternehmen und analysieren Bilanzen und Finanzstruktur von Unternehmen als Grundlage für ihre Investmententscheidungen.

Fondsmanager sind zentrale Ansprechpartner für die von ihnen gemanagten Fonds, wirken bei Publikationen und Rechenschaftsberichten mit, überwachen die Fonds auf Einhaltung des Investmentfondsgesetzes und der internen Richtlinien und unterstützen vertriebs- und absatzfördernde Tätigkeiten.
In der Regel haben Fondsmanager ein volks- oder betriebswirtschaftliches oder mathematisch-statistisches Studium absolviert. Zusätzlich zu ihrem akademischen Abschluss zählen Zusatzausbildungen, wie etwa CFA (Chartered Financial Analyst) oder CEFA (Certified European Financial Analyst) zum Qualitätsstandard. In der Praxis sind fundierte Kenntnisse der Kapitalmärkte und spezifische Branchenkenntnisse für das berufliche Weiterkommen entscheidend.

Zu den wichtigsten Persönlichkeitsmerkmalen zählen eine hohe Belastbarkeit, Engagement, Überzeugungskraft und Durchsetzungsvermögen.
Juniors im Fondsmanagement einer Bank erzielen in den ersten Berufsjahren nach dem Studium üblicherweise Gehälter von durchschnittlich 58.800 Euro brutto pro Jahr inklusive Bonus. Mit drei bis sieben Jahren Berufserfahrung verdienen sie im Schnitt 86.500 Euro brutto pro Jahr. Ab Mitte 30 verdienen die meisten Fondsmanager jenseits der 100.000-Euro-Grenze. Die Spitzenverdiener erzielen dabei Gehälter von über 200.000 Euro inklusive eines Bonus, der bis zu 100 Prozent des Grundgehalts betragen kann.
Die Gehälter der Führungskräfte im Fondsmanagement beginnen bei etwa 135.000 Euro brutto pro Jahr inklusive Bonus. Bereichsleiter des Fondsmanagement bzw. Geschäftsführer einer Kapitalanlagegesellschaft verdienen in kleineren und mittleren Banken durchschnittlich 207.100 Euro inklusive Bonus. In den Großbanken betragen die Vergütungen dieser Führungskräfte mehrere 100.000 Euro brutto pro Jahr.

Von Conrad Pramböck, Gehaltsexperte und CEO von Upstyle Consulting

 

Frauen explizit erwünscht

Allerdings: In aktuellen Job-Inseraten ist festzustellen, dass Asset Manager im Real-Estate-Bereich für Immobilien-Investmentgesellschaften (mit Berufserfahrung in der Immobilienwirtschaft) ein Jahresbruttogehalt ab 65.000 Euro winkt – mit möglicher Überzahlung. Und: Die Erste Immobilien Kapitalanlagegesellschaft suchte vor Kurzem für den Posten eines Real Estate Asset Managers explizit Frauen. Als Mindestbruttojahresgehalt waren dort 35.000 Euro angegeben. Auch Junior-Fondsmanager wurden zuletzt gesucht – die kollektivvertraglichen Einstiegsgehälter wurden mit 31.265 Euro beziffert. Im Stelleninserat wurde neben dem abgeschlossenen wirtschaftlichen Studium der Wunsch geäußert, Kandidaten mögen ein bis zwei Jahre Berufserfahrung in der Finanzbranche sowie Kenntnisse zu Asset-Klassen und Vorwissen zum Trend-Thema Nachhaltigkeit bzw. ausgeprägtes Interesse daran mitbringen.

Und der Sprung in die ­Selbständigkeit?

Ist grundsätzlich machbar, wenn es einen reizt, „die Begrenzungen in der Umsetzung durch den Arbeitgeber nicht so hierarchisch spüren zu wollen“, so Matejka. Die Schwierigkeit liege aber darin, Kunden mitzunehmen oder zu gewinnen, die die eigene Sichtweise teilen. Ohne Fremdmittel funktioniert das kaum. In den USA kann es schon passieren, dass einem wohlmeinenden Investor einige 100 Millionen Dollar zur Veranlagung geben, in Österreich ist dies aber ziemlich unwahrscheinlich.

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