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Beinahe makellos © APA/Johann Groder/EXPA/picturedesk.com

Narbenbehandlung

Beinahe makellos

Eine Narbe kann ein Andenken mit einer ­passenden Anek­dote sein oder auch ein schmerz­haftes Relikt. Welche Behandlungs­möglichkeiten es gibt und wie viel sie ­kosten.

Von Katharina Thalhammer

06.01.2022

Jedes Wundmal erzählt eine Geschichte, so wie die Knie von Ex-Skiprofi Anna Veith – durch einen Sturz auf der Piste lädiert. 2015 begann ihr Leidensweg: Kreuz-, Innenband- und Patellasehnenriss. Es folgten weitere Operationen. Sie sind die „Tattoos“, die man gestochen bekommt. Und sie können einem das Erlebte nur schwer vergessen lassen. Oder wie Bertolt Brecht sagte: „Wenn die Wunde nicht mehr wehtut, schmerzt die Narbe.“ Betroffene berichten, dass sie juckt oder brennt. Andere sprechen von Schamgefühl, etwa wenn Gesicht oder Brust betroffen ist.
Leben muss man damit nicht.

„Die richtige Methode kann eine achtzigprozentige Verbesserung des Erscheinungsbildes liefern“, sagt Chirurg Matt­hias Koller© Matthias Koller

Auf die Tiefe kommt es an

Nicht jede Verletzung hinterlässt ein Wundmal. Das größte und schwerste Organ des Menschen besteht aus mehreren Schichten. Ganz außen befindet sich die Oberhaut, Epidermis genannt. Darunter liegt die Lederhaut, die Dermis. Ist nur die äußere „Hülle“ betroffen, wie bei Schürfwunden, gibt es keine Narben. Geht die Verletzung tiefer, produziert der Körper neues abgespecktes Gewebe, um die Wunde schnell zu schließen. „Es handelt sich dabei um ein Ersatzgewebe“, erklärt Matthias Koller, plastischer Chirurg in Oberösterreich, Linz und Puchenau.
Wer sich ein Überbleibsel einer Brustoperation, einer Verbrennung oder eines Kaiserschnittes näher ansieht, der spürt den Unterschied. Die sogenannte Narbenhaut ist empfindlicher, fühlt sich hart an und sie sieht heller aus als der Rest der Haut. Das liegt daran, dass sie keine Talg-, Schweißdrüsen sowie Haarfollikel hat. Es fehlen auch die Pigmentzellen.

„Die richtige Methode kann eine achtzigprozentige Verbesserung des Erscheinungsbildes liefern“, spricht der Chirurg aus eigener Erfahrung. Seine Patienten klagen über Narben nach Verbrennungen, Muttermalentfernungen oder über Piercing-Male. Ganz bekommt man sie nicht weg. Und: Sie brauchen viel Zeit. Eine frische Narbe ist rosig und weniger elas­tisch. Sie gilt noch als unreif. Mit der Zeit ziehen sich die Fasern zusammen und sie wird kleiner. Sind die Nähte weg, kann man mit der Pflege beginnen. Es gilt: mehrmals täglich eincremen und massieren, wie zum Beispiel mit einer Salbe, die Panthenol enthält. „Dabei bewegt man den Zeigefinger leicht im Kreis entlang der Narbe“, erklärt Koller.

Ein Mal kann ungefähr zwei Jahre reifen. Sind Stellen betroffen, die die Haut spannen lässt, wie das Kniegelenk oder die Schulter, kann es sich auffälliger entwickeln. Wülste, auch hypertrophe Narben genannt, entstehen dort eher als am Oberschenkel. Weitere Faktoren sind: rissige Wundränder oder auch verdreckte Verletzungen. Es ist auch nicht immer vermeidbar, dass sich Keloide bilden. Ein gutartiger Tumor, der sich über den früheren Wundbereich ausbreitet. Ein leichter Druck hilft, dass die Narbe nicht über das Hautniveau wächst.
Neben Silikon in Form von Pads, Folien sowie Gel und Kompression kann auch eine Lasertherapie wirksam sein. „Durch den CO2-Laser oder die nanofraktionierte Radiofrequenz entstehen im Narbengewebe Mikroverletzungen. Diese regen das Gewebe an, sich ,umzubauen‘“, weiß Koller. Eine alternative Methode ist Kortison: „Bei Keloiden ist die Einspritzung von lokalem Kortison meist sehr effektiv, da es zu einer deutlichen Abflachung kommt. Bei Narben würde ich die Laserbehandlung vorziehen.“

Therapie wie bei Krebspatienten

Ist das Wundmal abgeflacht, kann man mit einem Farbstofflaser die Rötung verbessern. Wie das geht? Koller: „Der rote Blutfarbstoff absorbiert das Laserlicht und das Gefäß wird dadurch verschweißt, die Stelle wird heller. Zirka sechs Wochen vor und nach der Laserbehandlung soll man die Haut nicht bräunen, da es sonst zu dauerhaften Pigmentveränderungen kommen kann.“ Zwei bis drei Sitzungen im Abstand von vier bis sechs Wochen sind zu empfehlen, wobei man nach dem ersten Mal eine Besserung erwarten kann. Der Preis für eine Laser- oder Kortisontherapie: je ab 90 Euro pro Einheit, abhängig von der Narbengröße.

Silikon, Kortison und Laser – sind die Methoden nicht erfolgversprechend oder passend, dann geht’s ans Operieren. Dabei kann man die Narbe abschleifen oder auch herausschneiden und die Wunde mit speziellen Nähten und Techniken verschließen. Damit sie sich nicht erneut bildet, gibt es die Möglichkeit, auf eine Strahlentherapie zurückzugreifen. Gleich nach dem Eingriff erfolgt die mehrminütige Bestrahlung, die über mehrere Tage verteilt ist. Die Dosis ist geringer als bei Krebspatienten. Bei körperbelastenden Malen übernimmt üblicherweise die Krankenkasse die Kos­ten. Entscheidet man sich für eine private Einrichtung, ist mit einem Preis von 350 bis 2.000 Euro zu rechnen, der abhängig vom Aufwand ist.

Gibt es auch Wundmale, die nicht behandelbar sind? Chi­rurg Otto Riedl: „Narben können wieder genauso unhübsch werden.“© Otto Riedl

Gibt es auch Wundmale, die nicht behandelbar sind? Laut Otto Riedl, plastischer Chirurg in Niederösterreich und Wien, gibt es das. „Narben können wieder genauso unhübsch werden.“ Es gilt: bei den künftigen Behandlungen bessere Rahmenbedingungen zu schaffen, wenn zuvor etwa Keime oder ein Bluterguss die Wundheilung negativ beeinflusst haben. Dafür wägt er die Vorgeschichte ab. Riedls Spezialgebiete sind Gesicht und Brust. Sein aktueller Fall: Ein Kind, das sich die Lippe aufgeschlagen und eine wuchernde Narbe (nicht mehr) hat.

Der Winter ist die optimale Jahreszeit, um Narben zu korrigieren. „Das gilt auch bei Spät-Akne“, erklärt Fachärztin Leila Arfaian© Leila Arfaian

Spezialfall Aknenarben

Der Winter ist die optimale Jahreszeit, um Narben zu korrigieren. „Das gilt auch bei Spät-Akne“, so Leila Arfaian, Fachärztin für Haut- und Geschlechtskrankheiten in Wien. Sie zählen zu den atrophen Malen, die tiefer liegen als die umgebende Haut, wie auch Dehnungsstreifen. Um die Wunde zu schließen, produziert der Körper in diesem Fall zu wenig Gewebe.
Eine gängige Methode ist neben dem Laser das medizinische Microneedling. Wie es funktioniert? Ein Derma-Roller, der mit zirka 1,5 Millimeter langen Nadeln besetzt ist, pikst winzige Löcher in die oberste Hautschicht, um den Selbstheilungsprozess zu aktivieren und die Male zu glätten. Dafür sind mindestens zwei bis drei Sitzungen notwendig, die je ab 150 Euro kosten. Zwischen den Behandlungen sollte man mindestens drei Wochen pausieren. Mit einem leichten Sonnenbrand ist zu rechnen. Bei weniger starken Ausprägungen können auch Fruchtsäurepeelings zum Einsatz kommen. Der Preis: je ab 120 Euro. Anzahl: um die sechs Sitzungen. Allgemein rät Arfaian: Die Methode an das Stadium der Narbe anzupassen. Und: physiotherapeutische Narbenbehandlung in Erwägung zu ziehen. „Das ist noch nicht gang und gäbe“, lautet ihre Einschätzung.

„Ob nach Geburtsverletzungen, Operationen etc., jeder kann sich im Rahmen der Physiotherapie Narben behandeln lassen“, so Physiotherapeutin Marita Schallauer© Marita Schallauer

Auch wenn die Narben verheilt sind: Beschwerden, wie zum Beispiel Verspannungen und Schmerzen bei Bewegungen, können entstehen. In diesem Fall spricht man von „unsichtbaren Malen“, das sind entzündungsbedingte Verklebungen im Bindegewebe. Therapieansätze sind zum Beispiel Lymphdrainagen bei Flüssigkeitsansammlungen oder klassische Dehnübungen. Mit einem APM-Stäbchen, das eine kleine Kugel an der Spitze hat, massiert man die Narbe, damit sie elastischer wird. „Ob nach Geburtsverletzungen, Operationen am Bewegungsapparat sowie Organen oder nach schönheitschirurgischen Eingriffen, jeder kann sich im Rahmen der Physiotherapie Narben behandeln lassen“, so Marita Schallauer, Physiotherapeutin in Wien und Purkersdorf. Üblich sind: sechs bis zehn Behandlungen. Der Preis: je ab 70 Euro.

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