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Mitarbeiterrecruiting
„Wir stellen lieber Gründer als Manager ein“
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Das Wiener KI-Start-up Fonio.ai entwickelt KI-Agenten für KMU, die Anrufe selbstständig übernehmen, auf Kalender und CRM-Systeme zugreifen, Termine vereinbaren oder Kundenanliegen bearbeiten. Gegründet 2024 von Daniel Keinrath und Matthias Gruber, betreut das Unternehmen bereits rund 10.000 Kunden in neun Ländern. Für Schlagzeilen sorgte zuletzt die zweitgrößte Seed-Finanzierung der österreichischen Start-up-Geschichte. Dazu kommt eine Recruitingstrategie, die gezielt auf ehemalige Gründer setzt.
GEWINN: Herr Keinrath, KI-Telefonassistenten gibt es mittlerweile einige. Was unterscheidet Ihren von diesen?
Daniel Keinrath: Viele Anbieter nutzen amerikanische White-Label-Lösungen, die ursprünglich für den englischsprachigen Markt entwickelt wurden. Wir haben hingegen unsere eigene technologische Steuerungsebene, den sogenannten Orchestration Layer, entwickelt. Man kann sich das wie einen Dirigenten vorstellen, der verschiedene KI-Modelle, Sprachverarbeitung und Datenbanken in Echtzeit koordiniert. Dadurch reagieren unsere Assistenten schneller, verstehen Deutsch besser und können komplexere Aufgaben übernehmen. Von anderen Anbietern unterscheidet uns auch, dass sämtliche Daten in Europa verarbeitet und auf Servern in Deutschland gespeichert werden.
GEWINN: Fonio.at wurde kürzlich mit 120 Millionen Euro bewertet und hat 14,6 Millionen Euro Kapital aufgenommen. Was passiert mit dem Geld?
Keinrath: Wir investieren in die Weiterentwicklung unserer KI-Plattform, wo wir bereits Whatsapp integriert haben und gerade am E-Mail- und Chatbot-Support arbeiten, sowie in die Internationalisierung. Gleichzeitig bauen wir unser Team weiter aus. Wir wollen zeigen, dass man aus Europa heraus eine Multimilliardenfirma bauen kann. In unserem Fall einen globalen Marktführer für KI-gestützte Kundenkommunikation.
GEWINN: Dabei setzen Sie auf eine ungewöhnliche Personalstrategie und suchen bevorzugt ehemalige Gründer statt klassische Manager. Warum?
Keinrath: Weil wir keine Verwalter suchen, sondern Menschen, die Märkte aufbauen können. Wenn wir in ein neues Land expandieren, gibt es keine Handbücher. Gründer sind es gewohnt, Unsicherheit auszuhalten, Probleme zu lösen, Strukturen aufzubauen und Verantwortung zu übernehmen. Genau diese Mentalität brauchen wir.
GEWINN: Gründer sind aber starke Persönlichkeiten mit großem Ego.
Keinrath: Das höre ich oft. Tatsächlich achten wir genau auf das Gegenteil. Wir suchen Menschen mit großem Gestaltungswillen, aber kleinem Ego. Bei uns geht es nie darum, möglichst schnell Chef zu werden, sondern einen Markt erfolgreich aufzubauen. Ob daraus später eine Führungsposition entsteht, hängt ausschließlich davon ab, wer langfristig die beste Person dafür ist. Diese Ehrlichkeit zieht genau jene Persönlichkeiten an, die wir suchen. Außerdem behandeln wir unsere Mitarbeiter wie Unternehmer im Unternehmen. Jeder erhält viel Eigenverantwortung, Transparenz über unsere wichtigsten Kennzahlen und Mitarbeiteranteile.
GEWINN: Viele Unternehmen klagen über Fachkräftemangel. Teilen Sie diese Einschätzung?
Keinrath: Das ist vielleicht provokant, aber ich glaube, wer heute von Fachkräftemangel spricht, bezahlt oft einfach nicht genug. Gute Leute gibt es. Man muss ihnen ein attraktives Gesamtpaket bieten. Die besten Talente wollen Verantwortung, Gestaltungsspielraum und Beteiligung am Erfolg.
GEWINN: Warum ist es Ihnen so wichtig, eine Multimilliardenfirma aus Österreich heraus aufzubauen?
Keinrath: Weil wir in Europa und speziell in Österreich oft zu klein denken. Viele Start-ups haben von Beginn an Deutschland als größtes Ziel vor Augen. Ich glaube, man sollte gleich global denken. Die Wahrscheinlichkeit, zu scheitern, ist ohnehin hoch. Dann sollte zumindest das Potenzial nach oben maximal sein.


