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Interview
„Wir erwarten, dass die Zinsen in den USA steigen werden“
Als dieses Interview mit Guillaume Rigeade im Rahmen der jährlichen großen Anlegerkonferenz von Carmignac in der Zentrale des französischen Vermögensverwalters an der noblen Place Vendôme in Paris stattfand, war noch nicht bekannt, dass Donald Trump überraschenderweise Kevin Warsh als neuen Vorsitzenden der US-Notenbank Fed nominieren würde. Dieser ist eher als „Falke“ bekannt, der zumindest in der Vergangenheit für eine straffere Geldpolitik und somit tendenziell höhere Zinsen stand. Doch Guillaume Rigeade, Co-Leiter für Anleiheninvestments und Fondsmanager bei Carmignac, war bereits davor schon von steigenden Zinsen in den USA ausgegangen, weil aus seiner Sicht die erwartete Inflation in den USA als zu gering eingeschätzt wird.
GEWINN: Was sind die wichtigsten Herausforderungen und Chancen für Anleiheinvestoren 2026?
Rigeade: Der Ausgangspunkt für die Beantwortung dieser Frage liegt in der wirtschaftlichen Entwicklung, also im Wachstum, der Höhe der Inflation und der Geldpolitik, da sich diese Faktoren auf die festverzinslichen Wertpapiere auswirken. Diesbezüglich gehen wir davon aus, dass die US-Wirtschaft in diesem Jahr nicht nur widerstandsfähig sein wird, sondern sich möglicherweise sogar weiter beschleunigen könnte. Das ist aus unserer Sicht eine optimistische Einschätzung, weil nicht alle Marktteilnehmer dieses Szenario teilen.
GEWINN: Warum sollte sich die US-Wirtschaft Ihrer Meinung nach heuer stärker als erwartet entwickeln?
Rigeade: Die Beliebtheit der Trump-Administration ist laut aktuellen Umfragen sehr gering, und die Regierung wird daher vor den US-Zwischenwahlen im Herbst alles tun, um ihre Popularität zu steigern. Und der wichtigste Hebel dafür ist wirtschaftliche Entwicklung, die man versucht, mit allen Mitteln zu stimulieren, etwa durch fiskalpolitische Anreize und eine weitere Ausweitung der Staatsschulden. Wir gehen auch davon aus, dass die massiven Investitionen im Bereich der künstlichen Intelligenz in den USA die Konjunktur weiter befeuern werden.
GEWINN: Welche Konsequenzen hätte es, wenn sich die US-Wirtschaft stärker als erwartet entwickelt?
Rigeade: Das könnte zu einer Inflation führen, die höher als erwartet ausfällt – gerade in den USA, wo die Inflation mit aktuell rund drei Prozent ohnehin noch relativ hoch ist und über dem Ziel der US-Notenbank liegt. Und wir erwarten, dass die Zinsen in den USA in so einem Umfeld steigen werden. Und wenn die Zinsen steigen, fallen die Kurse von Anleihen entsprechend, womit eine Investition in US-Staatsanleihen heuer negative Renditen bringen könnte.
Wir sind davon überzeugt, dass es zu einer weiteren Schwächung des US-Dollars kommen wird.
Guillaume Rigeade, Co-Leiter für Anleiheninvestments und Fondsmanager Carmignac
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