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Win-win-win-Auktion
„Amina, 2014“ von Amoako Boafo ist das Highlight der diesjährigen Akademie-Auktion. Die Acrylarbeit auf Leinwand (80 x 70 cm) des in Wien lebenden gebürtigen Ghanaers wird für 25.000 Euro ausgerufen. amoakoboafo.com
© Ulrich Dertschei

Junge Kunst

Win-win-win-Auktion

Von der jährlichen Benefiz-Onlineauktion der Akademie der bildenden Künste Wien profitieren Studierende und unterstützte NGOs. Käufern bietet sie die Möglichkeit, günstig an vielversprechende junge Kunst zu kommen.

Von Marie-Thérèse Hartig

07.01.2023

„Bilder malen lernt man ganz von selbst, aber wie man Bilder verkauft, das sollten sie einem auf der Akademie beibringen.“ Diesem Statement des beduinischen Dichters Imru’ al-Qais dürften die Lehrenden an der Akademie der bildenden Künste Wien wohl vehement widersprechen. Nicht zuletzt deshalb, weil das Haus am Schillerplatz den geforderten Bildungsauftrag mit seinen jährlichen Akademie-Auktionen bereits seit Jahren vorbildlich erfüllt.

Im Jänner 2023 findet der vom Rektorat organisierte Event zum neunten Mal statt, und mit dem Erlös werden einerseits Studierende der Akademie in finanziellen Notlagen, und andererseits die Vereine Tralalobe und Solidarity Matters unterstützt, die mit geflüchteten Menschen arbeiten.

Der Benefizgedanke ist freilich nicht das einzige Motiv, das immer mehr Kunstinteressierte veranlasst, an dieser Versteigerung teilzunehmen. Ingeborg Erhart, Vizerektorin für Kunst und Lehre, erklärt die Win-win- win-Situation: „Man kann die Arbeiten von ganz jungen, noch nicht so bekannten Kunstschaffenden entdecken – das macht die Auktion auch zu einer besonders guten Möglichkeit für Menschen, die ihre Kunstsammlung gerade erst aufzubauen beginnen und in einem durch das Dorotheum professionell betreuten Auktionsrahmen in den Kunstmarkt hineinschnuppern möchten.“

Dabei spielt für viele Käufer auch der Aspekt einer möglichen Wertsteigerung bei Arbeiten junger Talente eine Rolle. Wie signifikant diese ausfallen kann, beschreibt Erhart am Beispiel Anouk Lamm Anouk, einer Absolventin im Fachbereich „Abstrakte Malerei“: „Anouk hat im Jahr 2021 bei Erwin Bohatsch ihr Diplom gemacht, im selben Jahr den Strabag-Kunstpreis erhalten, sie ist in internationalen Medien und bei Kunstmessen ebenso präsent wie in hochkarätigen Privatsammlungen. Bei den beiden letzten Auktionen konnte sie eine klar erkennbare Weiterentwicklung und eine offensichtliche Preissteigerung verzeichnen.“ Im Klartext: Bei der Akademie-Auktion 2021 wurde ihre Acrylarbeit „Lead lost on Track“ mit 1.100 Euro ausgerufen und erzielte 2.000 Euro; im Jahr darauf startete ihre Acryl-Malerei „Wine me, dine me, 69 me No. 2“ bereits bei 1.900 Euro und wurde um 7.000 Euro verkauft.

Die dritte „Nutznießergruppe“ der Akademie-Auktion bilden schließlich die Nachwuchskünstler selbst, deren Arbeiten durch die Auktion einem breiteren Publikum vorgestellt werden, wenn sie während des Rundgangs im Prospekthof des Atelierhauses ausgestellt und so von sehr vielen Menschen gesehen werden.

Bei der heurigen Auktion reicht die Bandbreite der offerierten Arbeiten von preisgünstigeren Werken junger Nachwuchskunstschaffender mit Startpreisen von rund 500 Euro bis zu den Auktions-Highlights etablierter Größen der Kunstwelt wie Amoako Boafo und Daniel Richter, deren Ausrufungspreise bei über 15.000 bis 20.000 Euro liegen. „Traditionell spenden zahlreiche Lehrende sowie Absolventen und Absolventinnen der Akademie einen großen Teil der Werke“, berichtet Erhart und nennt als Beispiele Ashley Hans Scheirl, Constanze Ruhm, Veronika Dirnhofer, Julian Göthe, Judith Huemer, Maria Legat, Andreas Werner und eben Daniel Richter. Dass die Werkspender seit der Auktion 2021 die Möglichkeit haben, bis zu 20 Prozent des Höchstgebots für Materialkosten einzubehalten, dürfte die Großzügigkeit ebenfalls erhöhen; bei Redaktionsschluss lagen für die kommende Auktion Werkspenden von 117 Kunstschaffenden vor.

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