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Was bedeutet eigentlich „Shiller-KGV“?
GEWINN erklärt die wichtigsten Begriffe aus ­Wirtschaft und Börse in einfachen Worten.
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Wirtschaft und Börse – einfach erklärt!

Was bedeutet eigentlich „Shiller-KGV“?

Wer das langfristige Potenzial von Aktien abschätzen will, kommt an dieser Kennzahl nicht vorbei.

Von Martin Mayer

24.02.2026
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Wer an der Börse investiert, stellt sich unweigerlich die Frage, ob eine bestimmte Aktie oder ein Markt gerade hoch oder günstig bewertet ist. Die naheliegendste Antwort darauf liefert meist das klassische Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), das den Gewinn des Unternehmens zu dem aktuellen Kurs in Relation setzt. Doch so hilfreich diese bekannte Kennzahl ist, so tückisch kann sie in turbulenten Zeiten sein.

Das hat der Nobelpreisträger Robert Shiller in den späten 1980er-Jahren erkannt und zusammen mit seinem Kollegen John Campbell eine neue Kennzahl für die Bewertung von Aktien und Märkten entwickelt, die deutlich langfristiger ausgelegt ist: die CAPE-Ratio (Cyclically Adjusted Price-to-Earnings Ratio), besser bekannt als „Shiller-KGV“.

Kurzfristiger Horizont

Um zu verstehen, warum das Shiller-KGV so wertvoll ist, muss man sich eine Eigenheit des klassischen Kurs-Gewinn-Verhältnisses vor Augen führen: Das herkömmliche KGV setzt den aktuellen Aktienkurs ins Verhältnis zu den Gewinnen eines einzigen Jahres. Das Problem dabei ist, dass Unternehmensgewinne extrem schwankungsanfällig sind. In einem Boomjahr wirken Aktien durch rekordverdächtige Gewinne oft optisch günstig, während sie in einer Rezession, wenn die Gewinne einbrechen, plötzlich überteuert erscheinen. 

Dies führt bei Anlegern häufig zu Fehlentscheidungen: Man kauft euphorisch am Gipfel und verkauft verängstigt im Tal. Robert Shiller löste dieses Problem, indem er den Nenner der Gleichung veränderte. Statt nur ein Jahr zu betrachten, nutzt sein Modell den Durchschnitt der inflationsbereinigten Gewinne der letzten zehn Jahre. Durch die Einbeziehung eines ganzen Wirtschaftszyklus inklusive Boomphasen und Krisen nivellieren sich kurzfristige Sondereffekte. 

Das Shiller-KGV zeigt zwar nicht, wo der Markt morgen stehen wird, aber es verrät präzise, in welcher Bewertungszone sich ein Markt im historischen Vergleich befindet. Liegt der Wert deutlich über seinem langfristigen Durchschnitt, ist Vorsicht geboten. Denn die Geschichte lehrt, dass auf Phasen hoher Shiller-KGVs oft Jahre mit unterdurchschnittlichen Renditen folgen. Umgekehrt signalisiert ein niedriges Shiller-KGV, dass die Stimmung am Markt schlechter ist als die fundamentale Ertragskraft der Unternehmen – oft ein idealer Zeitpunkt für den langfristigen Vermögensaufbau.

Shiller nutzte die Kennzahl etwa prominent in seiner Analyse vor dem Platzen der Dotcom-Blase. In seinem Bestseller „Irrationaler Überschwang“ aus dem Jahr 2000 warnte er mithilfe des CAPE-Werts eindringlich vor einer massiven Überbewertung des US-Aktienmarkts.

Kein taktisches Timing-Instrument

Doch was fängt man als Privatanleger konkret mit dieser Information an? Es wäre ein Fehler, das Shiller-KGV als präzises Timing-Instrument misszuverstehen. Ein Markt kann jahrelang „teuer“ bleiben und trotzdem weitersteigen, wie die Dotcom-Blase oder die Tech-Rallye der 2020er-Jahre gezeigt haben. Die wahre Bedeutung für das eigene Depot liegt in der Erwartungsverwaltung und in der strategischen Ausrichtung seiner Geldanlage. Wer versteht, dass hohe Bewertungen die zukünftige Renditeerwartung mathematisch dämpfen, wird weniger wahrscheinlich von einer Marktkorrektur kalt erwischt.

Wenn das Shiller-KGV beispielsweise für den US-Markt Rekordhöhen erreicht, während es in Europa oder den Schwellenländern auf moderatem Niveau verharrt, kann dies ein starkes Argument dafür sein, das Portfolio breiter zu diversifizieren und Klumpenrisiken abzubauen. Es dient als Korrektiv gegen den „Herdentrieb“. Derzeit liegt das Shiller-KGV für die US-Börsen, gemessen am S&P-500-Index, mit 39,8 deutlich über dem historischen Durchschnitt von 17,7. Dagegen ist das Shiller-KGV in Europa mit 14 bis 15 aktuell im Vergleich zum langfristigen Durchschnitt, der sich zwischen 18 und 20 bewegte, eher günstig. In den Schwellenländern hingegen bewegt sich die Bewertung momentan im historischen Mittel.
 

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