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GEWINN-Börsenbarometer: Die Methodik
Sieben Indikatoren weisen den Weg für die Börsen
Das GEWINN-Börsenbarometer basiert auf einem System, das Uwe Lang für seine Finanzmarktpublikation Börsensignale entwickelt hat. Diese erscheinen unter dem Dach der Swissinvest, einem Schweizer Institut für angewandte Finanzmarktanalysen. Der 2025 verstorbene Börsenexperte Lang erlangte internationalen Ruhm, als er den Börsencrash von 1987 korrekt vorausgesagt hatte. In der aktuellen Form wird das Börsenbarometer seit nunmehr 17 Jahren erfolgreich eingesetzt. In Österreich wird es in Kooperation mit GEWINN exklusiv den Abonnenten von Österreichs führendem und größtem Wirtschaftsmagazin angeboten.
Der Erfolg gibt dem Barometer als Prognosetool jedenfalls recht: „Um seine Leistungsfähigkeit zu veranschaulichen, betrachten wir die jährliche Rendite eines fiktiven Anlegers, der seit 1970 konsequent den Signalen des Börsenbarometers gefolgt wäre und entsprechend entweder im DAX oder im US-Index S&P 500 investiert hätte“, erklärt Martin Blaschke, Chefredakteur der Börsensignale. Die Rendite für den DAX-Anleger des Börsenbarometers hätte bei jährlichen 13,74 Prozent gelegen (seit 2000: 12,5 Prozent), die Rendite für den S&P-Anleger bei 11,50 Prozent (seit 2000: 10,30 Prozent).
Zum Vergleich: Ein Anleger, der den DAX seit 1970 dauerhaft gehalten hätte, erzielte eine durchschnittliche jährliche Rendite von 6,95 Prozent in Euro (seit 2000: 5,40 Prozent), während ein reiner S&P-500-Daueranleger auf 8,07 Prozent pro Jahr in US-Dollar (seit 2000: 10,30 Prozent) gekommen wäre.
Folgende Signale fließen in das Börsenbarometer ein:
Signal 1: Zinsstruktur
Dieser Indikator schlägt Alarm, wenn Zentralbanken nicht rechtzeitig auf eine konjunkturelle Abschwächung reagieren und die kurzfristigen Zinsen zu lange auf einem zu hohen Niveau belassen – wie etwa in den Jahren 2007/2008. Der Begriff „Zinsstruktur“ beschreibt dabei den Abstand zwischen langfristigen Anleiherenditen und den Zwölf-Monats-Zinsen. Die Experten verwenden dazu die Zinsen in den USA und Deutschland und errechnen einen 32-Wochen-Durchschnitt. In der Regel liegen die langfristigen Anleihezinsen deutlich über den kurzfristigen Zinsen. Kehrt sich dieses Verhältnis um, droht eine weltweite Rezession, wie in den Jahren 1974, 1982 oder 2008/2009. In den vergangenen 50 Jahren hat dieser Indikator jede Rezession frühzeitig angezeigt.
Signal 2: Aktienindizes als Frühindikatoren
Hier werden drei Indizes berücksichtigt (Nasdaq Composite, DAX und Dow Jones Utility), die sich als verlässliche Frühindikatoren etabliert haben. Diese liefern jeweils unterschiedliche Signale und entfalten ihre Aussagekraft erst dann, wenn alle drei eine Trendwende anzeigen. „Trendsignale der Aktien selbst müssen zu einem guten System dazu gehören. Denn Indikatoren wie der Ölpreis, der Dollar oder die Saisonsignale wirken ja nicht immer sofort auf den Aktienmarkt ein. Dann nützt es nichts, sich gegen den Aktientrend stemmen zu wollen. Wir müssen im Zweifelsfall dem Trend folgen, den die Aktien selbst vorgeben“, erklärt Blaschke. Selbst wenn der Trend nur kurzfristig negativ ist, stellen wir zumindest zusätzliche Käufe ein, stehen lieber abseits und kaufen später günstig ein.
Signal 3: Kombination aus fünf Basis-Indikatoren
Anleihezinsen
Hohe Zinsen sind Gift für den Aktienmarkt. Warum im Aktienmarkt investieren, wenn höhere Anleihezinsen bei einem deutlich niedrigeren Risiko möglich sind? Hohe Zinsen, die häufig mit hohen Inflationsraten einhergehen, lagen zwischen 1970 und 1990 schon einmal im zweistelligen Bereich. Davon sind wir seit den 1990er-Jahren weit entfernt. Heute sprechen wir bei einem Zinssatz von fünf Prozent bei den zehnjährigen US-Staatsanleihen schon von hohen Zinsen. Dennoch hat auch gegenwärtig ein Zinsanstieg oder ein Zinsrückgang erheblichen Einfluss auf die Wirtschaft und den Aktienmarkt. Insofern muss der Anleger die Zinsentwicklung weiter im Blick haben. Steigen die langfristigen Anleihezinsen in den USA und Deutschland, meldet dieser Indikator „Verkaufen“. Sinkt einer der beiden Zinssätze, kommt hier wieder ein Kaufsignal. Diese Methode war sehr erfolgreich, als Inflation und Zinsen sehr hoch waren.
Ölpreis
Ist die Ölpreisentwicklung noch ausschlaggebend für die Weltbörsen? Es gab Zeiten, da war der Ölpreis mitentscheidend für den Börsenverlauf. Im Sommer 2008 trieben geopolitische Spannungen den Ölpreis je Barrel (159 Liter) auf 147 US-Dollar. Heute kostet ein Barrel rund 60 US-Dollar. Öl ist nach wie vor ein wichtiger Rohstoff für die Wirtschaft, auch wenn in den zurückliegenden Jahren neue Abbautechniken und neue Vorkommen sowie alternative Energiequellen hinzugekommen sind. Ohne Öl kommt die Weltwirtschaft nicht aus. Insofern bleibt die Ölpreisentwicklung ein wichtiges Signal für den Aktienmarkt.
Dieser Indikator klingelt zum Aktienkauf, wenn der Ölpreis ein Fünf-Wochen-Tief meldet. Verkaufen muss man bei einem Sechs-Wochen-Hoch des Ölpreises.
CRB-Rohstoffindex
Der CRB-Index ist der älteste Rohstoffindex und beinhaltet 19 verschiedene Rohstoffe. Dabei handelt es nicht nur um Öl, Erdgas und Metalle, sondern auch um eine Vielzahl von Agrarrohstoffen, Edelmetallen und Lebendvieh. „Der Index ist ein hervorragender Inflationsindikator, da er den Preisauftrieb der Rohstoffe frühzeitig vollzieht und uns so Warnsignale für den Aktienmarkt liefert“, sagt Blaschke. Der Index sendet ein Verkaufssignal, wenn sein Wert über dem Vorjahreswert liegt und außerdem die Steigerung in den letzten zwölf Monaten größer war als in den zwölf Monaten zuvor.
US-Dollar zum Euro
Ein starker Dollar ist gut für den Aktienmarkt, lautet eine Börsenregel. Der Grund ist einfach: Da der Dollar noch immer die Weltleitwährung ist, ermöglicht er Europa und Asien, mit ihren dann niedrigeren Währungen zu günstigen Preisen Waren zu exportieren. Die USA wiederum können mit ihrem starken Dollar auf dem Weltmarkt günstiger einkaufen. Auch wenn die neue US-Regierung sich bemüht, den Dollar abzuschwächen, so hat die Börsenregel laut den Experten der Börsensignale weiter Bestand. Dieser Indikator gibt ein Verkaufssignal für Aktien, wenn der Dollar gegenüber dem Euro ein 15-Wochen-Tief meldet, und er kauft zurück, wenn der Dollar gegenüber dem Euro wieder ein 15-Wochen-Hoch erreicht.
Saisoneffekt
„Sell in May and go away“ – diese Börsenweisheit macht jedes Jahr im Frühjahr erneut die Runde. Dahinter steht, dass die Sommermonate an den Finanzmärkten von geringerer Dynamik geprägt sind und die Kurse häufig seitwärts tendieren oder sogar nachgeben. Wer im Mai verkauft und erst im Herbst wieder investiert, soll langfristig eine höhere Rendite erzielen. Auch wenn es freilich nicht jedes Jahr zutrifft, zeigt die Statistik dennoch, dass das erste und vierte Quartal an der Börse wesentlich erfolgreicher verlaufen als das Sommerhalbjahr. „Wir prüfen dazu die zurückliegenden zehn Jahre nach ihren 16 zusammenhängenden schwächsten Wochen und justieren das Signal entsprechend“, heißt es aus der Schweiz.
Die Mehrheit aus diesen fünf Indikatoren bildet das dritte Signal.
Die Mehrheitsentscheidung der drei Signale wiederum gibt dann das eigentliche Signal für das Börsenbarometer – sie entscheidet also darüber, ob das Barometer insgesamt auf grün oder rot schaltet.

