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„Mandarine Gestion will nicht in Atomenergie investiert sein“
Katja Boeder, Mandarine ­Gestion: „Die Wirtschaft funktioniert ja nicht nur mit Kreislaufwirtschafts- und Abwasserunternehmen. Derart fokussierte Fonds verkaufen sich marketingtechnisch leichter, aber setzen sich der Gefahr aus, dass ihr Portfolio bei Gegenwind wesentlich vola­tiler reagiert.“
© Mandarine Gestion

Interview mit Katja Boeder

„Mandarine Gestion will nicht in Atomenergie investiert sein“

Die Welt ist bereits auf die Klimawende eingeschworen. Die Finanzbranche kommt daher nicht mehr um das Thema herum. Und es eignet sich gut für aktives Fondsmanagement, meint Katja Boeder, ­Director International Markets bei der Fondsboutique Mandarine Gestion.

Von Linda Benkö

01.11.2023

Die Roadmap der Internationalen Energieagentur (IEA) zur Erreichung der Netto-null-Ziele bis 2050 ist ehrgeizig. Doch vieles, was mit Klimawandel zu tun hat, bedingt auch soziale Ungleichheiten und Migrationsströme, meint Katja Boeder von Mandarine Gestion. Im Interview erklärt sie den Ansatz und die Standpunkte der Fondsgesellschaft.

GEWINN: In der Roadmap ist die Verdoppelung der Atomkapazität vorgesehen. Das hört sich nicht nachhaltig an …

Katja Boeder: Theoretisch – und gemäß der europäischen Taxonomie – wäre Atomkraft damit für Investmentfonds investierbar. Das Fondsmanagement bei Mandarine Gestion allerdings will nicht zuletzt aus Überzeugung nicht in Atomenergie investiert sein.

GEWINN: Die Klimaziele klingen gut, Kritiker allerdings meinen, die Transition trage wesentlich zur Inflation bei, Stichwort „Greenflation“ …

Boeder: Das sehen wir nicht so. Bei vielen Technologien sind aufgrund getätigter Investitionen, aufgrund von Innovationen die Preise stark gesunken, ob dies nun Batterien für E-Autos sind, Elektrolyseure für die Wasserstofferzeugung, die Stromgestehungskosten etc. Nicht zuletzt geben staatliche Stützungsprogramme Anschub.

GEWINN: Die Frage ist, wie nachhaltig sich diese Programme auswirken.

Boeder: Der von den USA verabschiedete Inflation Reduction Act hat den Namen nicht verdient. Das Programm ist 437 Milliarden Dollar schwer, allein 369 Milliarden davon sollen in den nächsten zehn Jahren nämlich für die Energiewende bereitgestellt werden. Vorgesehen sind nicht Subventionen, sondern Finanzierungshilfen und Steuererleichterungen. Nach nur einem Jahr sind bereits mehr als 25 Prozent abgerufen und 80 Milliarden Dollar an privaten Investitionen getätigt worden. Man schätzt, dass ein Drittel der neu geschaffenen Arbeitsplätze auf den Sektor der globalen Energiewende entfällt.
Die EU-Kommission hat etwas Ähnliches aufgesetzt, es hakt aber bei der Einführung. Hinzu kommt, dass die Genehmigungsdauer für neue Anlagen in Europa extrem lang ist. Jedenfalls sehen wir alle Voraussetzungen, um die Energiewende einzuläuten, als erfüllt an – in staatlicher Hinsicht, was die kollektive Bewusstseinsbildung betrifft und natürlich aus Investorensicht.

GEWINN: Wie erfolgt der Anlageprozess beim Mandarine Global Transition Fonds?

Boeder: Das Anlageuniversum besteht aus mehr als 15.000 Unternehmen, durch thematische Ein- und Ausschlüsse, u. a. auch Alkohol oder Palmöl, verringert sich die Auswahl auf circa 2.700. Nach dem finanziellen Scoring und der Berücksichtigung spezieller Indikatoren wie etwa der Validierung des Plus-1,5-Grad-Szenarios durch die Science-Based Targets bleiben etwa 500 Aktien über. Nur jene, die unsere Ansprüche an Wachstum und Qualität erfüllen, kommen für den Fonds in Frage, der nach EU-Klassifizierung ein „dunkelgrüner“ Artikel-9-Fonds ist.

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