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Schwellenländer
„Lateinamerika finden wir derzeit besonders interessant.“
Trotz des Irankonflikts und der damit wieder verstärkten Unsicherheit haben die Aktienmärkte in den Schwellenländern seit dem Herbst 2025 eine Aufholjagd gestartet. Som konnten die Emerging Markets bereits im vergangenen Jahr mit einer starken Überrendite gegenüber den entwickelten Ländern überzeugen. Was spricht weiterhin für ein Investment in diese Anlageklasse? Wo besteht derzeit besonders hohes Investmentpotenzial? Und wo liegen die Risiken, wenn man sich vermehrt Aktien aus den Schwellenländern ins Portfolio legt?
GEWINN: Warum sollten Aktien aus Schwellenländern für Privatinvestoren interessant sein?
Erb: Im Jahr 2025 haben die Emerging Markets nach Jahren mit schwächeren Renditen den S&P 500 um 17 Prozent geschlagen. Das war ein starkes Signal für ein Comeback dieser Anlageklasse. Auch in diesem Jahr haben sich die Aktienunternehmen in den Schwellenländern mit starken Gewinnwachstumsraten hervorgetan. Die Kurse wurden von hohen Erwartungen in den Bereichen Informationstechnologie, Rohstoffe und Rohstoffförderung sowie Gold getrieben. Zusätzlich wirkt der schwächere US-Dollar positiv auf die Entwicklung der Emerging Markets. Schwellenländer sind aber in den Portfolios weltweiter Anleger mit einem durchschnittlichen Anteil von fünf Prozent in den globalen Fonds noch immer unterrepräsentiert. Obwohl wir in den letzten Monaten mehr Kapitalfluss in die Emerging Markets gesehen haben als in den Jahren zuvor, sind wir von den rund zehn Prozent, die die Marktkapitalisierung von Schwellenländern im globalen Aktienmarkt ausmacht, noch weit entfernt. Man kann also davon ausgehen, dass wir noch am Anfang eines Trends hin zur Rückkehr der Investoren in die Emerging Markets sind. Anleger können bei entsprechender Positionierung von dieser Entwicklung langfristig profitieren.
GEWINN: Welche grundlegenden Faktoren sprechen noch für ein Investment in Schwellenländer?
Erb: Wir haben unsere Einschätzungen für diese Anlageklasse in fünf kritische Säulen unterteilt, die Schwellenländer auch in Zukunft positiv unterstützen sollten. Der wichtigste Faktor ist, dass die immer stärker werdende Inlandsnachfrage die Abhängigkeit vom klassischen Exportgeschäft ersetzt. Wachsende Mittelschichten sorgen für höhere Nachfrage im eigenen Land. Und das Potenzial ist riesig. Über 80 Prozent der Weltbevölkerung leben in den Emerging Markets, 50 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts (BIP) werden dort erwirtschaftet. Und 65 Prozent des Wachstums des globalen Bruttoinlandsprodukts werden von Emerging Markets getrieben. Weitere Hauptfaktoren sind die wachsende globale Zusammenarbeit der Schwellenländer, größere technologische Unabhängigkeit, bedeutende makroökonomische und fiskalische Entwicklungen und das Abwenden vom US-Dollar.
GEWINN: Wie sieht es mit den Bewertungen der Aktien in den Emerging Markets aus?
Erb: Im Schnitt sind die Aktien in den Schwellenländern immer noch deutlich günstiger bewertet als in Industrieländern. Hier ist die Anlageklasse aber nicht als homogen zu betrachten, es gibt durchaus große Unterschiede in den Bewertungsniveaus. Der entscheidende Punkt ist aber vielmehr die stärkere Gewinnentwicklung der Unternehmen in diesen Regionen. Im Vergleich zu den entwickelten Märkten haben wir in den Schwellenländern geradezu phänomenale Wachstumsraten bei den Unternehmensgewinnen beobachten können. Aktuell ist für das laufende Jahr 2026 in dieser Anlageklasse von Gewinnwachstumsraten von bis zu 40 Prozent (!) auszugehen. Dieses Gewinnwachstum ist zum größten Teil durch die enormen Investitionen der Tech-Giganten in künstliche Intelligenz und die dafür nötigen Halbleiterchips und Infrastruktur zu erklären. Länder wie Taiwan oder Südkorea, deren Aktienmarkt zu einem bedeutenden Teil aus Unternehmen in der Halbleiterindustrie besteht, profitieren überproportional vom Investitionsvolumen in KI. Schlussendlich werden die Kurse eines jeden Aktienmarktes von dem Gewinnwachstum der Unternehmen getrieben. Und das fällt in den Schwellenländern deutlich höher aus.


