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„Irrationale Übertreibungen an den Märkten bieten Chancen“
Franz Weis, ­Comgest: „Wir finden Wachstum in vielen Bereichen, wobei die Gesundheitsbranche für uns zu den wichtigsten Branchen zählt.“
© Comgest/Antoine Doyen

Interview

„Irrationale Übertreibungen an den Märkten bieten Chancen“

Franz Weis, Chief Investment Officer bei Comgest, findet auch abseits von Banken und Rüstungs­firmen langfristig interessante Unternehmen an europäischen Börsen.

Von Martin Mayer

18.03.2026
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Franz Weis ist seit 1990, als er bei Baillie Gifford & Co. in Edinburgh als Analyst und Portfoliomanager seine Karriere begann, in der Fondsbranche tätig. Seit 2005 arbeite er bei Comgest, einer global tätigen Fondsboutique mit Fokus auf Qualitätswachstumsaktien mit Sitz in Paris. GEWINN-Lesern ist der Chief Investment Officer insbesondere auch als Co-Manager des milliardenschweren Comgest-Growth-Europe-Fonds bekannt, der zuletzt aber nicht mehr an die großen Erfolge aus früheren Jahren anschließen konnte. GEWINN sprach mit Franz Weis über die Lage an den europäischen Aktienmärkten, darüber, wo er heute noch Unternehmen mit hoher Qualität und Wachstum findet und wie sich die Kapitalmärkte in den vergangenen Jahrzehnten verändert haben.

GEWINN: Die europäischen Aktienmärkte konnten sich im Vorjahr stark entwickeln und erstmals nach Jahren der Dominanz der US-Big-Tech-Unternehmen wieder mehr Aufmerksamkeit und auch Investorengelder auf sich ziehen. Wie würden Sie aktuell die Lage an Europas Börsen einschätzen?

Weis: Ich glaube, die Zukunft für die europäischen Aktienmärkte stellt sich zurzeit gar nicht so unattraktiv dar. Europa wird häufig für vermeintlich schwaches Wachstum kritisiert. Aber Europa hat im letzten Jahr zum Beispiel schon mal besser abgeschnitten als die USA. Und der schwache Dollar hat natürlich geholfen. 

GEWINN: Was treibt Europas Börsen an?

Weis: Ein Teil der jüngsten Dynamik an Europas Börsen hängt sicherlich mit der Hoffnung auf eine konjunkturelle Beschleunigung zusammen. Davon profitieren vor allem zyklischere Sektoren wie Banken oder Industrieunternehmen. Auch eine steilere Zinsstrukturkurve hat dazu beigetragen, dass Banken heute wieder deutlich profitabler sind als noch vor einigen Jahren.
Für uns als langfristige Qualitätsinvestoren ist jedoch weniger entscheidend, wie sich die Konjunktur im nächsten Quartal entwickelt. Wir konzentrieren uns vielmehr auf Unternehmen mit strukturellem Wachstum, starken Marktpositionen und der Fähigkeit, ihre Gewinne über viele Jahre hinweg nachhaltig zu steigern.

Gerade in Europa gibt es zahlreiche Unternehmen, die von strukturellen Trends wie Digitalisierung, Innovation im Gesundheitswesen oder der weltweit steigenden Nachfrage nach globalen Marken mit hoher Kundenbindung profitieren. Viele dieser Unternehmen verfügen über hohe Eintrittsbarrieren und können ihre Marktanteile über lange Zeiträume hinweg ausbauen – unabhängig von kurzfristigen konjunkturellen Schwankungen.
Generell sprechen in Europa aber viele Unternehmen von Anzeichen einer Normalisierung bzw. der Rückkehr zum Wachstum – aber eher im zweiten Halbjahr.

GEWINN: Wie hat sich das auf die Bewertungen der europäischen Aktienmärkte ausgewirkt?

Weis: Die Bewertungen reflektieren diese positiven Erwartungen auch gewissermaßen. Der europäische Markt handelt heute bei einem KGV, das über dem langfristigen Durchschnitt liegt. Das heißt, das erwartete Wachstum ist, zumindest teilweise, schon in den Preisen enthalten.

GEWINN: Während der Comgest European Growth auf lange Sicht zu den erfolgreichsten Europa-Aktienfonds zählt, konnte er vom jüngsten Aufschwung an Europas Börsen nicht profitieren. Woran liegt das?

Weis: Wir investieren laut unserem bewährten Qualitäts-Wachstums-Stil in Qualitätsunternehmen, die langfristig überdurchschnittliches Wachstum liefern. Da kann es natürlich sein, dass wir kurz- bis mittelfristig hinter dem Gesamtmarkt liegen, wenn die Märkte von anderen Themen getrieben werden, wie das im letzten Jahr passiert ist. Da waren „banks and tanks“, also Rüstungsunternehmen und Banken die großen Profiteure. Beides sind Bereiche, wo wir traditionell nicht positioniert sind, weil wir dort – zumindest in Vergangenheit –  weniger Qualität und weniger Wachstum aus langfristiger Perspektive gesehen haben. Beide Faktoren, Wachstum und Qualität, haben im letzten Jahr an den europäischen Börsen so schlecht abgeschnitten, wie in den letzten 30 Jahren nicht mehr. Wir halten aber an unserem Stil fest, weil wir überzeugt davon sind, dass unsere Unternehmen langfristig bessere Visibilität bieten, aber auch überlegenes Wachstum. Und daraus sollten wir langfristig auch wieder überdurchschnittliche Performance ableiten können.
 
GEWINN: Können Sie Beispiele für Branchen und Unternehmen nennen, die aus Ihrer Sicht für Qualität und Wachstum stehen?

Weis: Wir finden Wachstum in vielen Bereichen, wobei die Gesundheitsbranche zu den wichtigsten Branchen für uns zählt. Damit meinen wir aber nicht nur den Bereich Pharma sondern den erweiterten Gesundheitsbereich. 
Darunter fallen Unternehmen wie Essilor Luxottica, das wir seit Jahrzehnten im Portfolio haben und das derzeit Anzeichen einer wieder anziehenden Wachstumsdynamik zeigt. Das Unternehmen hat im letzten Jahr sieben Millionen Smart Glasses verkauft. Für das laufende Jahr wird ein weiterer Anstieg prognostiziert. Diese Entwicklung könnte sich unterstützend auf das Umsatzwachstum auswirken, ohne dass sich daraus zwangsläufig negative Effekte auf die Profitabilität ergeben.
Das Unternehmen ist aber auch abseits dieser Chancen im KI-Bereich sehr innovativ und hat etwa seit Jahren mit „Stellest“ Brillengläser im Angebot, die die Entwicklung von Kurzsichtigkeit verlangsamen. Diese Gläser sind jetzt in einer zweiten Generation verfügbar, die jetzt auch in den USA auf den Markt gebracht werden, wo sich viele Menschen diese hochwertigen und hochpreisigen Gläser leisten können. Ein weiteres Unternehmen aus dem Gesundheitsbereich, in das wir investiert sind, ist Alcon, das Geräte für Augenoperationen bzw. Kontaktlinsen und auch Pharmazeutika für Augen herstellt.

GEWINN: Wie sieht es abseits der Gesundheitsbranche aus?

Weis: Wir haben zum Beispiel eine große Position in Schneider Electric, einem französischen Unternehmen, das weltweit zu den führenden Anbietern von Lösungen für Energieeffizienz und Automatisierung gehört. Das Unternehmen profitiert vom langfristigen Trend in Richtung Elektrifizierung und Dekarbonisierung, und ist auch als Anbieter von schlüsselfertigen Lösungen für Datenzentren im KI-Boom sehr gefragt. Ein anderes Beispiel ist das britische Unternehmen Relx, das unter anderem Informations- und Analyselösungen für Rechtsanwälte bietet und in der Vergangenheit stabiles, gut nachvollziehbares Wachstum gezeigt hat.

GEWINN: Das klingt nach einem Geschäftsmodell, das möglicherweise von einer KI-Lösung bedroht werden könnte ...

Weis: Bei KI-Modellen, die zweifellos bereits sehr viel leisten können, stellt sich immer die Frage, woher die zugrundeliegenden Informationen kommen. Und im Fall von Relx sind das zwar öffentlich zugängliche Informationen, die aber oft in Archiven als physisches Dokument vorliegen. Und Relx hat sich die Arbeit gemacht, diese Informationen zu sammeln und als Intellectual Property aufzubauen, das sie jetzt an Kunden, unter ihnen auch Betreiber von KI-Modellen, verkaufen können. Deswegen finden wir die jüngste Kursreaktion von RELX übertrieben. Das Unternehmen ist in seiner Bewertung mit einem KGV von 35 auf 18 förmlich abgestürzt, obwohl es ein profitables Unternehmen und sein Geschäftsmodell – aus heutiger Sicht – nicht unmittelbar durch KI gefährdet sein sollte. Aber diese erratischen Kurssprünge, losgelöst von der fundamentalen Entwicklung, haben sich in jüngerer Vergangenheit verstärkt.

GEWINN: Sie sind ja seit 1990 in der Branche aktiv. Wie haben sich seither die Kapitalmärkte Ihrer Wahrnehmung nach entwickelt?

Weis: Das sind keine radikalen Veränderungen, die sich über Nacht ergeben haben, sondern schleichende Veränderung. Zum einen hat das Thema passives Investieren und ETFs an Bedeutung gewonnen. Zweitens haben sich Hedgefonds, die zum Beginn meiner Karriere eine Randerscheinung waren, zu einer bedeutenden Quelle für Handelsbewegungen und -Volumen entwickelt. Und drittens haben Kleinanleger heutzutage Zugang zu Informationsquellen und Handelsmöglichkeiten, die quasi in Echtzeit funktionieren. Und diese Faktoren zusammen führen zu mehr Konzentration am Markt, zu mehr irrationalen Übertreibungen und zu einem eigenständigen Momentum, das sehr kurzfristig getrieben ist und sich weit von fundamentalen Gegebenheiten abspielt. Das bietet für einen langfristig denkenden, fundamental getriebenen Anleger aber auch Chancen, diese Ineffizienz praktisch zu nutzen.

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