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„Gründen heißt, ständig Lösungen zu finden“
Laurenz Sutterlüty und David Riedl haben 2025 die Jury überzeugt. Mit ihrem innovativen Heizsystem treiben sie die Wärmewende voran.
© Franz Neumayr

Jungunternehmen

„Gründen heißt, ständig Lösungen zu finden“

Die Enercube-Gründer David Riedl und Laurenz Sutterlüty sind die Sieger des GEWINN-Jungunternehmer:innen-Wettbewerbs 2025. Im Interview schildert Riedl, wie aus einer Idee ein erfolgreiches Unternehmen wurde und wo Enercube heute steht.

Von Michaela Schellner

05.06.2026
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GEWINN: Herr Riedl, was macht Enercube genau?

Riedl: Wir entwickeln und produzieren vorgefertigte Wärmepumpenmodule, sogenannte Wärmepumpen-Cubes, für den seriellen Heizungstausch in Mehrparteienhäusern. Der Gebäudesektor ist für rund 30 Prozent der energiebedingten Treibhausgasemissionen verantwortlich, rund 60 bis 70 Prozent der Gebäude werden immer noch fossil, also mit Öl oder Gas beheizt. Wir haben ein standardisiertes Produkt entwickelt, mit dem sich diese Gebäude schnell und effizient auf erneuerbare Wärme umstellen lassen.

GEWINN: Was ist daran besonders?

Riedl: Jeder Heizraum ist anders, und genau das macht Sanierungen teuer und langsam. Unsere Cubes sind komplett vorgefertigte Heizzentralen, die per Lkw angeliefert und außerhalb des Gebäudes aufgestellt werden, dort lediglich die Größe eines Kfz-Stellplatzes benötigen und rasch angeschlossen werden können. Für Mieter bedeutet das meist nur drei bis vier Stunden ­ohne Warmwasser, und dann funk­tioniert alles genau wie vorher. Das schafft Standardisierung und macht den Heizungstausch skalierbar.

GEWINN: Ein großer Meilenstein ist die Zusammenarbeit mit Vonovia, einem der größten Immobilienkonzerne Deutschlands. Wie kam es dazu?

Riedl: Durch ehrliche, direkte Kommunikation. Wir haben immer offen gesagt, was wir können und was noch nicht. Daraus ist Vertrauen entstanden. 2023 erfolgte der Startschuss mit einem ersten Pilotprojekt, daraus wurden weitere Aufträge und schließlich ein Vertrag über 1.100 Cubes bis Ende 2029. Vonovia ist mittlerweile mit einer Minderheitsbeteiligung auch als strategischer Partner bei uns eingestiegen.

GEWINN: Und wie läuft es in der ­neuen Konstellation?

Riedl: Reibungslos. Viele haben uns vor einem Großkonzern gewarnt. ­Unsere Erfahrung ist aber durchwegs positiv. Die Partnerschaft hat uns ermöglicht, unser Team massiv auszubauen. Wir beschäftigen inzwischen rund 20 Mitarbeiter und werden künftig auch an einem eigenen Standort produzieren.

GEWINN: Wo befindet sich dieser?

Riedl: In Köstendorf bei Salzburg. Wir haben uns ein 15.000 Quadratmeter großes Grundstück gesichert und ­errichten dort gerade unsere neue ­Unternehmenszentrale. Ab Sommer 2027 können wir dort im ersten Schritt bis zu 500 Cubes pro Jahr fertigen. Das ist ein enormer Kapazitätssprung.

GEWINN: Was waren die größten ­Herausforderungen auf Ihrem bisherigen Weg?

Riedl: Gründen heißt, ständig Lösungen zu finden. Eine der größten Herausforderungen war, die richtigen Mitarbeiter zu gewinnen. Viele wechseln nicht gerne von einem sicheren Job zu einem jungen Unternehmen, weil immer die Frage mitschwingt: Gibt es euch in zwei Jahren noch? Wir hatten das Glück, von Anfang an großartige Leute zu finden, die wiederum weitere starke Mitarbeiter angezogen haben.

GEWINN: Welche Hürden unterschätzt man als Gründer?

Riedl: Wie breit das Aufgabenspektrum ist. Man verantwortet plötzlich alles von Finanzierung und Buchhaltung über Personal bis hin zu ganz praktischen Dingen.

GEWINN: Würden Sie heute etwas ­anders machen?

Riedl: Ja: früher starten. In Österreich denken wir oft zu lange nach, aus Angst, zu scheitern. In Amerika beispielsweise wird schneller ausprobiert. Wenn etwas nicht funktioniert, probiert man es einfach noch einmal. Dieses Denken hätte uns früher mehr Geschwindigkeit gebracht, wir hätten schon viel mehr Öl und Gas einsparen können.

GEWINN: Inwiefern hat der Sieg beim GEWINN-Jungunternehmer:innen-Wettbewerb Ihr Wachstum beflügelt?

Riedl: Wir haben enorm profitiert, vor allem durch Sichtbarkeit. Es kamen Bewerbungen, Anfragen von Banken, Logistikpartnern und Unternehmen, mit denen wir nicht gerechnet hätten. Die 7.000 Euro Preisgeld von Verbund haben wir eins zu eins ins Wachstum investiert.

GEWINN: Würden Sie anderen ­Gründern zur Teilnahme raten?

Riedl: Absolut. Der Wettbewerb schafft Reichweite und öffnet Türen. Gerade für junge Unternehmen ist das extrem wertvoll.

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