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„Edelmetallpreise dürften auf mittlere Sicht weiter steigen“
Benjamin Louvet, Ofi Invest AM: „Die klassische Vermögensaufteilung mit 60 Prozent Aktien und 40 Prozent Anleihen gilt laut führenden Köpfen als überholt. Edelmetalle sollten künftig eine deutlich größere Rolle in Portfolios spielen.“
© Ofi Invest AM

Interview

„Edelmetallpreise dürften auf mittlere Sicht weiter steigen“

Benjamin Louvet, Leiter der Rohstoffinvestments bei Ofi Invest AM, ist trotz des jüngsten Preissturzes bei Gold und Silber weiterhin mittel- und langfristig sehr positiv in Bezug auf Edelmetalle gestimmt. 

Von Clemens Peleska

11.02.2026
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In den vergangenen Monaten kannte der Goldkurs nur eine Richtung: nämlich nach oben. Gold, aber auch andere Edelmetalle wie Silber hatten neue Höchststände erreicht und Anlegern spektakuläre Renditen gebracht. Vor etwa zwei Wochen gab es aber auch am Gold- und am Silbermarkt eine starke Korrektur. Wir haben mit Benjamin Louvet, Leiter der Rohstoffinvestments beim französischen Asset-Manager Ofi Invest AM, über die Zukunft von Edelmetallen und die Eigenheiten von Gold und Silber gesprochen, die Anleger beachten sollten.

GEWINN: Obwohl der Goldpreis vor zwei Wochen eine starke Korrektur von 5.400 auf 4.700 US-Dollar pro Feinunze erfahren hat, konnte man mit Gold in den letzten zwölf Monaten eine spektakuläre Rendite von 65 Prozent (etwa 50 Prozent auf Euro-Basis) erzielen. Ist die starke Goldpreisentwicklung nur auf geopolitische Unsicherheiten zurückzuführen oder gibt es noch andere Gründe?

Louvet: Es gibt unterschiedliche Gründe, warum sich Gold und auch Silber sehr stark entwickelt haben. Edelmetalle profitieren aber derzeit am stärksten von der Reallokation in „sichere Häfen“ und „reale“ Anlagewerte, die man anfassen kann. Globale Investoren haben realisiert, dass Aktien und Anleihen sehr stark miteinander korrelieren. Die klassische Vermögensaufteilung mit 60 Prozent Aktien und 40 Prozent Anleihen gilt laut führenden Köpfen wie Mike Wilson von Morgan Stanley oder Ray Dalio von Bridgewater Associates als überholt. Edelmetalle sollten künftig eine deutlich größere Rolle in Portfolios spielen.

GEWINN: Was bedeutet das im Konkreten?

Louvet: Mike Wilson etwa plädiert für eine neue Vermögensaufteilung mit einem fixen Goldanteil. Anstelle des traditionellen Mischportfolios empfiehlt er eine Gewichtung von 60 Prozent Aktien, 20 Prozent Anleihen und 20 Prozent Gold. Tatsächlich ist Gold in den Portfolios vieler Vermögensverwalter bislang kaum vertreten. Der durchschnittliche Goldanteil liegt bei lediglich rund 2,5 Prozent, fast die Hälfte der Vermögensverwalter halten überhaupt keine Goldposition. Gerade deshalb ist der aktuelle Kapitalzufluss in Edelmetalle von großer Bedeutung. Dieser Prozess ist noch lange nicht abgeschlossen und dürfte den Goldpreis weiter treiben.

GEWINN: Was hat dann die jüngste Korrektur am Goldmarkt ausgelöst?

Louvet: Auslöser für die Korrektur war die Nominierung von Kevin Warsh zum Vorsitzenden der Zentralbank der Vereinigten Staaten (Fed). Warsh bringt Erfahrung als früherer Notenbanker mit und hat den Ruf, ein Verfechter einer konventionellen Geldpolitik zu sein. Jedoch geht bei Anlegern zunehmend die Sorge um, Donald Trump könnte die Unabhängigkeit der Fed schwächen und erzwingen, die Zinsen drastisch zu senken. Aus unserer Sicht wurde durch die Besetzung diese Befürchtung entkräftet. Dieser Schritt kam jedoch für einen Großteil der Anleger völlig überraschend. Die geringere Marktliquidität in Verbindung mit technischen und zyklischen Faktoren hat somit zu einer verstärkten Korrektur geführt.

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