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Drei Fragen an Marcel Haraszti, Rewe International AG
„Die Synergien sind nicht zu unterschätzen“
Als Vorstand der Rewe International AG steuert Marcel Haraszti ein Unternehmen, das in Österreich mit 46.860 Mitarbeitern und 2.479 Standorten rund elf Milliarden Euro umsetzt. Seit Oktober 2025 ist der 50-Jährige auch für das Billa-Geschäft in Bulgarien, in der Slowakei und in Tschechien, für den litauischen Lebensmittelhändler IKI und für den Drogeriefachhändler Bipa in Kroatien und in Rumänien verantwortlich.
GEWINN: Herr Haraszti, Sie sind seit fast 25 Jahren bei Rewe tätig und haben vom Management-Trainee bis zum Vorstand zahlreiche Stationen im In- und im Ausland durchlaufen. Gleichzeitig ist eine Karriere in einem deutschen Konzern für Österreicher nicht selbstverständlich. Was hat Ihren beruflichen Werdegang im Handel besonders geprägt?
Marcel Haraszti: Der Handel an sich hat mich schon immer begeistert. Meine Eltern haben ein Großhandelsunternehmen betrieben, und ich habe als Student am Graben in Wien beim Herrenausstatter E. Braun & Co. gearbeitet. Während meines Studiums an der WU entschied ich mich dann bewusst für Rewe, weil das Unternehmen für mich am unternehmerischsten gewirkt hat. Die vielen Stationen von Österreich über Osteuropa bis nach Deutschland haben mir gezeigt, wie wichtig es ist, Märkte wirklich zu verstehen und nahe bei den Menschen zu bleiben. Und weil Sie meine Nationalität angesprochen haben: Dass in deutschen Konzernen nur Deutsche Karriere machen, ist aus meiner Sicht ein Klischee. Vorstand der Rewe Group ist Lionel Souque, ein Franzose. Bei Rewe zählt die Leistung, nicht die Nationalität. Das habe ich in all meinen Stationen in Österreich wie auch international sehr klar erlebt.
GEWINN: Mit der Bündelung der Verantwortung für Österreich und die CEE-Märkte unter Ihrer Leitung sollen gezielt Synergien gehoben werden. Wo sehen Sie hier den größten Nutzen?
Haraszti: Die Synergien sind nicht zu unterschätzen und bieten eine große Chance für Rewe, Wachstum und Effizienz zu steigern. Sichtbar wird das etwa bei Eigenmarken, Store-Konzepten oder im technischen Einkauf. Das heißt aber nicht, dass wir überall alles gleich machen. Die Länder sollen dort zusammenarbeiten, wo es Mehrwert schafft, und sonst flexibel bleiben. Denn nur so können wir unser Angebot ideal auf die Bedürfnisse unserer Kunden abstimmen.
GEWINN: Der Lebensmittelhandel erlebt aktuell sehr herausfordernde Zeiten. Wo sehen Sie derzeit die größten Belastungsfaktoren für die Branche?
Haraszti: Die Märkte sind extrem volatil, Konsum und Margen stehen unter Druck, und gleichzeitig steigen die regulatorischen Anforderungen deutlich. Dazu kommen hohe Kosten, vor allem am Standort Österreich. Allein die Energiekosten haben sich seit 2020 verdoppelt. In der öffentlichen Debatte wird oft übersehen, dass unsere Marge bei null bis zwei Prozent liegt und zwei Drittel des Verkaufspreises im Einkauf entstehen. Das macht klar, wie eng der wirtschaftliche Spielraum tatsächlich ist.


