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Von Brasilien bis Taiwan
Chancen in den Schwellenländern
Trotz geopolitischer Spannungen und des konfrontativen Regierungsstils von Donald Trump mitsamt seiner erratischen Zollpolitik präsentierten sich die globalen Aktienmärkte auch 2026 bislang erstaunlich robust. Allerdings wachsen mit der Rekordjagd an den Börsen auch die Risiken. Tilmann Galler, Kapitalmarktstratege bei J.P. Morgan Asset Management, meinte in seinem jüngsten Kapitalmarktausblick: „Wir haben ein konstruktives Umfeld, aber teilweise sehr hohe Bewertungen.“ Vor allem im Technologie- und im KI-Sektor hätten sich erhebliche Klumpenrisiken aufgebaut. Und damit wohl auch auf dem gesamten US-Markt, der in weiterer Folge wiederum häufig Indizes, ETFs und letztendlich individuelle Depots dominiert. Deshalb, so ein häufiger Rat vieler Investmentprofis, sollten Anleger den US-Anteil an ihrem Portfolio kritisch überprüfen. Und genau hier kommen immer häufiger Aktien aus Schwellenländern ins Spiel.
„Der marktkapitalisierte Weltaktienindex besteht zu über 70 Prozent aus US-Aktien. Es macht auf alle Fälle Sinn, sich aus Gründen der Diversifikation breiter aufzustellen, und dafür sind Aktien aus den Emerging Markets bestens geeignet“, rät Peter Ganglmair, Fondsmanager bei 3 Banken-Generali Investment. Tatsächlich seien Emerging-Markets-Aktien mit durchschnittlich nur rund drei bis vier Prozent in den globalen Aktienportfolios sehr unterrepräsentiert. Das entspräche in keiner Weise der Bedeutung dieser Länder für die Weltwirtschaft.
Der ATX zeigt’s vor
Ganglmair weist auch darauf hin, dass Emerging Markets seit 2010 eine „massive Underperformance“ im Vergleich zum globalen Aktienmarkt aufweisen. Und dies, obwohl deren wirtschaftliche Bedeutung in diesen 15 Jahren massiv zugenommen habe. Inzwischen würden aber viele fundamentale Gründe für diese Märkte sprechen. Laut Ganglmair sei es ratsam, dieses Thema rechtzeitig im Portfolio strategisch zu gewichten, um hier langfristig profitieren zu können. Denn: „Wie schnell Trendwenden vollzogen werden, haben wir 2025 gesehen, als beispielsweise auch ein ATX binnen drei Monaten die letzten, relativ schlechteren Jahre wettgemacht hat.“
Der Minderertrag der Schwellenländer im Vergleich zu den Industrieländern im Zeitraum seit 2010 hatte freilich bereits im Vorjahr ein Ende: Der MSCI-Emerging-Markets-Index, der rund 1.200 Unternehmen aus 24 Schwellenländern umfasst, legte im vergangenen Jahr in Euro gerechnet um 16 Prozent zu (inklusive Dividenden) – mehr als doppelt so viel wie der Industrieländerindex MSCI World. Und das könnte erst der Beginn einer längerfristig positiven Entwicklung sein. Denn die Historie zeigt, dass Phasen des Mehr- oder Minderertrags von Schwellenländerbörsen stets in mehrjährigen Zyklen verlaufen sind.
Für Schwellenländer, deren Spektrum groß ist und von Brasilien über China und Indien bis nach Südafrika reicht, sprechen laut Experten gleich mehrere Argumente. Allen voran bieten Schwellenländer weiterhin einen Wachstumsvorsprung gegenüber den Industriestaaten. Der Internationale Währungsfonds rechnet für Schwellenländer in diesem Jahr mit einem realen Wachstum von 4,2 Prozent. Die Volkswirtschaften der Industrieländer dürften dagegen nur um 1,8 Prozent zulegen.
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