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„Bewertungsniveau in Japan ist trotz Kursgewinnen äußerst attraktiv!“
Richard Kaye, Comgest: „Die tatsächliche Qualität und die Chancen des japanischen Markts werden von vielen globalen Marktteilnehmern immer noch nicht verstanden.“
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Aktienmarkt Japan

„Bewertungsniveau in Japan ist trotz Kursgewinnen äußerst attraktiv!“

GEWINN hat mit Richard Kaye, Portfoliomanager beim Vermögensverwalter Comgest, über die außergewöhnlichen Kursentwicklungen des japanischen Aktienmarkts gesprochen. 

Von Clemens Peleska

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02.06.2026
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Handelt es sich am japanischen Aktienmarkt nur um eine kurzfristige Aufholjagd oder um einen strukturellen Wandel? Richard Kaye, Portfoliomanager bei Comgest, ist jedenfalls von der Qualität japanischer Börsenunternehmen überzeugt. Was sich in Japan in den vergangenen Jahren zum Wohle der Wirtschaft verändert hat, was den japanischen Aktienmarkt von anderen Märkten unterscheidet und wo der Experte noch hohes Investmentpotenzial sieht, lesen Sie hier.

GEWINN: Der japanische Aktienmarkt hat in den vergangenen zwei Jahren neue Höchststände erreicht. Handelt es sich hierbei vor allem um eine kurzfristige Aufholjagd oder erleben wir eine strukturelle Neubewertung Japans?

Kaye: Ich meine, dass wir in den vergangenen zwei Jahren am Aktienmarkt einen strukturellen Wandel Japans gesehen haben. Es ist ein Prozess der Wiederentdeckung Japans, der schon mehr als 30 Jahre auf sich warten ließ. Die tatsächliche Qualität und die Chancen des japanischen Markts werden von vielen globalen Marktteilnehmern immer noch nicht verstanden. Es gibt drei wesentliche Faktoren, die für einen strukturellen Wandel sprechen. Erstens macht die aktuelle Regierung viele der grundlegenden Stärken Japans sichtbar, die schon immer vorhanden waren. Japan besitzt Unternehmen in Branchen und Industrien, die einen globalen Wettbewerbsvorteil haben. Etwa bei Technologien rund um die Entwicklung und Infrastruktur von künstlicher Intelligenz, bei der Halbleiterfertigung, bei der Biotechnologie und im Schiffbau. Gerade beim Schiffbau wird Japans Bedeutung häufig unterschätzt. Tatsächlich entfällt rund ein Viertel der weltweiten Schiffbauindustrie für den Frachtverkehr auf Japan. Der Fokus der Regierung auf Japans natürliche Stärken ist daher ein wichtiger Bestandteil dieses strukturellen Wandels.

GEWINN: Was sind die anderen zwei Faktoren, die für einen strukturellen Wandel in Japan sprechen?

Kaye: Der zweite entscheidende Faktor ist das Gewinnwachstum der japanischen Unternehmen. Dies ist aber kein neues Phänomen. Das Gewinnwachstum war seit vielen Jahren bereits mindestens so stark wie jenes westlicher Märkte. Niemand glaubt das, da ja das japanische Bruttoinlandsprodukt nur sehr langsam, dieses Jahr um etwa ein Prozent, wächst. Wir sehen derzeit einen Aufholprozess, der die starken Unternehmensgewinne am Aktienmarkt positiv widerspiegelt. 

Der dritte wesentliche Grund, warum ich von einem langfristigen strukturellen Wandel ausgehe, lautet: Japan kauft Japan. Vor allem institutionelle Anleger aus Japan haben ihr eigenes Land und ihren Aktienmarkt als aussichtsreiche Investmentmöglichkeit wiederentdeckt. Und die Basis institutioneller Investoren in Japan ist eine der größten der Welt.

Die Japan Post Bank oder die Nippon Life Insurance Company sind beispielsweise große Finanzkonglomerate, die in ihrem Volumen mit US-Institutionen vergleichbar sind. Zwar ist der Anteil japanischer Aktien in den Portfolios dieser Organisationen mit etwa sieben Prozent immer noch gering. Allerdings haben wir von diesen Akteuren verstärkte Kaufsignale gesehen, die einen anhaltenden, starken Kapitalfluss institutioneller Investoren aus Japan in den eigenen Aktienmarkt bestärken. Und wenn der heimische Aktienanteil von sieben auf 20, 30 oder 50 Prozent steigen sollte, könnte der Nikkei nicht bei 66.000, sondern bei 100.000 Punkten stehen.     

GEWINN: Können Sie etwas genauer auf die Maßnahmen der japanischen Regierung eingehen, die unter anderem zu einer ­Rückkehr der heimischen Investoren an den Aktienmarkt geführt haben?

Kaye: Die neue japanische Regierung hat zahlreiche Deregulierungen umgesetzt. Der wichtigste Punkt ist aber das Beseitigen von Hindernissen, die inländische Investitionen bislang erschwert haben. Eine der wichtigsten Maßnahmen war die steuerliche Begünstigung von privaten Spar- und Anlagekonten. Vor einigen Jahren wurde das sogenannte NISA-System (Nippon Individual Savings Account) eingeführt, dessen Konten einer besonders attraktiven steuerlichen Behandlung unterliegen. Steuerliche Vorteile hinsichtlich inländischer Investitionen wurden in den vergangenen Jahren auch kontinuierlich ausgeweitet. Dadurch wurden Privatanleger ermutigt, stärker in den Kapitalmarkt zu investieren.

Auf der institutionellen Seite wurde die Allokation in heimische Aktien ebenfalls gefördert und unterstützt. Dies geschah unter anderem über den staatlichen Pensionsfonds GPIF (Government Pension Investment Fund), der auf Geheiß der Regierung den Anteil japanischer Aktien deutlich auf rund 27 Prozent erhöht hat. Vor zehn Jahren lag hier die heimische Aktienquote noch unter zehn Prozent. Durch diese Vorbildwirkung des staatlichen Pensionsfonds wurden auch andere institutionelle Investoren dazu motiviert, ihre Allokation in japanische Aktien auszuweiten.

GEWINN: Ist Japan also wieder auf Erfolgskurs?

Kaye: Japan war ungeachtet der Aktienmarktentwicklung immer ein starkes Land mit hervorragend ausgebildeten Menschen, mit außergewöhnlich hohem gesellschaftlichem Zusammenhalt und großartigen Unternehmen, die unterschiedlichste Krisen überstanden haben. Japanische Unternehmen haben Rohstoffknappheit und Ressourcenmangel überstanden. Sie haben einen Arbeitskräftemangel und den Diebstahl geistigen Eigentums durch China überstanden. Diese äußerst robusten japanischen Firmen waren jedoch über viele Jahre mit zahlreichen regulatorischen Hindernissen konfrontiert, die ihr Wachstum gebremst haben. Nun können sie ihre wirtschaftlichen Stärken wieder voll ausspielen.

GEWINN: Und die Wirtschaftsdaten bestätigen diese Einschätzung?

Kaye: Die Deflation ist in Japan zurückgegangen und hat sich zu einer gesunden Inflation entwickelt. Außerdem haben wir deutliche Lohnsteigerungen gesehen, etwas, das es über Jahrzehnte hinweg kaum gegeben hat. Insgesamt verbessert sich das Bild, auch wenn manche Bereiche mehr profitieren als andere. Ich selbst konzentriere mich jedoch vor allem auf die Unternehmensgewinne. Betrachtet man den Gewinn je Aktie oder das organische Ebitda-Wachstum und vergleicht es mit den USA, hat Japan über viele Jahre kaum schlechter abgeschnitten. 

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