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International
Bei den Schulden schreiben wir Geschichte
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Ausufernde Staatsschulden bereiten Experten Kopfzerbrechen. Agenda Austria hat die langfristige Entwicklung analysiert und festgestellt, dass die Staatsschulden der Industrieländer im vergangenen Jahrhundert zweimal nach oben schossen: im Ersten und im Zweiten Weltkrieg. 1946 lagen sie schließlich bei 130 Prozent der Wirtschaftsleistung. Heute sind es rund 113 Prozent, wir bewegen uns also auf historisch hohem Niveau. Auch die Schwellenländer nähern sich mit mittlerweile 78 Prozent Rekordwerten an.
Entscheidend sei laut den Experten des Thinktanks aber die Entwicklung nach den Krisenzeiten. Nach 1945 bauten die Industrieländer ihre Schulden konsequent ab, bis Mitte der 1970er-Jahre auf gut 34 Prozent (siehe Grafik). Dieser Mechanismus sei längst verloren gegangen. Seit vier Jahrzehnten steigt die Schuldenquote in guten wie in schlechten Jahren. „Früher waren hohe Schulden die Antwort auf Katastrophen, heute sind sie Routine. Wer im Aufschwung nicht zurückzahlt, hat im Abschwung nichts mehr zu geben“, sagt Ökonom Friedrich Bähr. Schulden seien nichts anderes als ein Vorgriff auf künftige Steuern. Sie engen den Spielraum künftiger Budgets ein und belasten kommende Generationen.
Auch Robert Greil, Chefstratege bei der Privatbank Merck Finck, findet mahnende Worte: „An den Märkten rückt ein Risiko stärker in den Vordergrund, das lange unterschätzt wurde und teils noch immer wird: die politische und fiskalische Verlässlichkeit Europas. Zwar ist die Schuldensituation auf beiden Seiten des Atlantiks besorgniserregend. In Europa sind die Risiken aber aus unserer Sicht aktuell sogar größer als in den USA.“ Zu den fiskalischen Risiken kämen hier auch politische Risiken: Spanien wählt Ende November vorzeitig, Frankreich und Italien folgen 2027.



