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Dividendenaktien
„Wenn die Dividende wächst, wächst in der Regel auch das Unternehmen“
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Beim Investieren in Dividendenaktien denken viele Anleger zuerst an konservative Branchen und hohe Ausschüttungsquoten. Dass man bei Dividendenstrategien auch einen anderen Ansatz wählen kann, zeigt der britische Fondsanbieter Guinness Global Investors. Was Privatanleger von dem Investmentansatz lernen können, worauf es bei Dividendentiteln wirklich ankommt und welche Art von Unternehmen mit einer nachhaltigen Dividende ihr Portfolio bereichern kann, lesen Sie im Interview.
GEWINN: Worin unterscheidet sich die Dividendenstrategie von Guinness Global Investors von anderen Dividendenfonds?
Mehrtens: Grundsätzlich achten wir sehr stark auf die Qualität der Dividende und nicht nur auf die Dividendenhöhe oder Dividendenrendite. Als wir bestehende Dividendenfonds analysiert haben, ist uns aufgefallen, dass viele Unternehmen in Phasen der Krise ihre Dividenden gekürzt haben. Diese Unternehmen brauchten oft 200 bis 300 Tage, um sich davon zu erholen, und das hat sich auf die Fondsperformance ausgewirkt. Das größte Risiko eines Dividendenfonds ist aus unserer Sicht eine Kürzung oder gar der komplette Ausfall der Dividende. In unser Portfolio legen wir nur Unternehmen mit ausreichend hoher Qualität, die auch in einer Rezession hohe Kapitalrenditen erwirtschaften und damit ihre Dividenden zahlen können. Die Idee entstand während der Finanzkrise 2008 und 2009. Damals haben viele klassische Dividendenfonds überdurchschnittlich stark verloren. Da haben wir uns gefragt, auf welche Unternehmen man sich gerade in Krisenzeiten verlassen kann. Dabei kamen wir zu dem Schluss, dass Unternehmen mit dauerhaft hohen Kapitalrenditen und einer moderaten Ausschüttung langfristig die bessere Basis darstellen. Außerdem sehen wir es sehr gerne, wenn Unternehmen ihre Dividenden über die Jahre kontinuierlich steigern können. Denn wenn die Dividende wächst, wächst in der Regel auch das Unternehmen.
GEWINN: Warum legen Sie gerade bei Unternehmen, die ihre Gewinne sowieso an ihre Investoren ausschütten, so viel Wert auf die Qualität des Geschäfts?
Mehrtens: Weil Qualität die Grundlage dafür ist, dass Dividenden nachhaltig und langfristig gezahlt werden können. Wir analysieren Unternehmen über einen Zeitraum von zehn Jahren und prüfen, ob sie in dieser Zeit durchgehend hohe Kapitalrenditen erzielt haben. Das bedeutet, dass sie auch eine Rezession überstanden haben müssen. Wir suchen Unternehmen, die widerstandsfähig sind und ihre Kapitalkosten decken können. Im Minimum verlangen wir eine Kapitalrendite von zehn Prozent. Nur so kann ein Unternehmen Dividenden zahlen und gleichzeitig gesund wirtschaften. Das bringt eine nachhaltig hohe Rendite für unser Portfolio.
GEWINN: Sie haben die Wichtigkeit steigender Dividenden angesprochen. Können Sie diese weiter erläutern?
Mehrtens: Regelmäßig steigende Dividenden, die nicht aus der Substanz oder durch Fremdkapital finanziert werden, sind aus unserer Sicht ein zuverlässiger Indikator für ein gesundes Geschäft, das wächst. Und Studien zeigen auch, dass Unternehmen mit steigenden Dividenden sogar den S&P 500 schlagen können. Wenn ein Unternehmen seine Dividende Jahr für Jahr erhöht, ist das meist ein Zeichen für ein funktionierendes und sich weiterentwickelndes Geschäftsmodell. Aufgrund unseres Fokus auf wachsende Dividenden und qualitativ hochwertige Unternehmen können wir langfristig durchaus mit einem MSCI World mithalten.
GEWINN: Wie analysieren Sie die ausschüttenden Unternehmen, bevor Sie eine Investmententscheidung treffen?
Mehrtens: Der klassische Dividendenfonds beginnt bei der Aktienanalyse meist bei der Höhe der Dividende. Dort werden zunächst Unternehmen herausgefiltert, die keine hohen Ausschüttungsquoten bieten. Bei uns ist es genau umgekehrt. Der erste Schritt unserer Analyse besteht darin, die Qualität des Unternehmens zu beurteilen. Zuerst betrachten wir die Finanzkennzahlen und erst dann schauen wir konkret auf die Dividende. Natürlich ist die Dividende am Ende entscheidend, aber sie ist nicht der Ausgangspunkt unserer Analyse. Aus unserer Sicht sollte die Höhe der Dividendenrendite im ersten Analyseschritt noch keine Rolle spielen. Entscheidend bei der Qualitätsbetrachtung ist die Frage, ob ein Unternehmen die Dividende nachhaltig finanzieren kann und gleichzeitig in sein Geschäft investiert. Unternehmen mit hohen Kapitalrenditen, soliden Geschäftsmodellen und der Fähigkeit, auch in schwierigen Marktphasen stabil zu bleiben, bieten aus unserer Sicht eine bessere Grundlage für langfristigen Anlageerfolg als eine reine Jagd nach möglichst hohen Ausschüttungen.


