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Viele Steuerreformen später
„Junge Aktien“ wurden unter Finanzminister Franz Vranitzky (dem späteren Bundeskanzler, rechts im Bild) ab 1986 steuerlich absetzbar; unter Finanzminister Ferdinand Lacina (links) wurde 1994 die Vermögensteuer abgeschafft
© APA-Archiv/Robert Jäger/picturedesk.com

40 Jahre GEWINN

Viele Steuerreformen später

Wussten Sie, dass es bis ins Jahr 1988 einen Spitzensteuersatz von 62 Prozent gab? Dafür waren die Zeiten für Aktionäre vor 30 Jahren steuerlich gesehen rosiger. Ein Blick zurück zeigt manch Überraschendes und viel Auf und Ab.

30.03.2022

Erst kürzlich kündigte Finanz­minister Magnus Brunner an, das bereits im Regierungsprogramm festgelegte Vorhaben in die Tat umzusetzen: Aktiengewinne jenseits einer Behaltefrist sollen künftig steuerfrei gestellt werden. Die Details dazu sind laut Finanzministerium gerade in Vorbereitung.
Neu ist diese Idee freilich nicht, vor Jahrzehnten ging man sogar noch weiter. Ein paar Beispiele gefällig?

Im Jahr 1985, kurz nach Gründung des GEWINN, war die Freude groß, als der damalige Finanzminister Franz Vranitzky (SPÖ) ankündigte, per 1986 unter anderem die steuerliche Absetzbarkeit „junger Aktien“ einzuführen. Kapitalerträge aus jungen ­Aktien und Genussscheinen, die vor dem 1. 10. 1992 begeben wurden, waren ­zudem steuerfrei. Zehn Jahre später, 1995, schaffte man auch noch die Wertpapiersteuer ab. 2000 folgte die vorläufig letzte Entlastung der Aktionäre, die Börsenumsatzsteuer wurde abgeschafft.

Danach schlug das Pendel allerdings wieder in die andere Richtung um. Mit dem Budgetbegleitgesetz 2011 – übrigens zu Zeiten eines ÖVP-geführten Finanzministeriums – konnten Käufe junger Aktien nicht mehr als Sonderausgaben abgeschrieben werden, dazu wurde auch gleich die Abschreibung von Wohnbauanleihen abgeschafft. Damit nicht genug: Kursgewinne, die beim Verkauf von Wertpapieren entstehen – ganz unabhängig von Behaltedauer oder Beteiligungsausmaß – werden seither mit 25 Prozent KESt besteuert.
Davor galt die sogenannte Spekulationsfrist: Nur die „Spekulanten“, die ihre Wertpapiere innerhalb eines ­Jahres nach Kauf wieder abgestoßen hatten, mussten allfällige Gewinne im Rahmen ihrer Einkommensteuererklärung versteuern.
Anfang 2016 wurde es dann zu ­Zeiten des Finanzministers Hans Jörg Schelling (ÖVP) noch teurer. Seither müssen Anleger, die in Aktien, Anleihen, Investmentfonds, ETF, Indexzertifikate und Ähnliches investieren, ­sogar 27,5 Prozent an besonderem Steuersatz auf Zinsen, Dividenden und Veräußerungsgewinne bezahlen.
Die letzten News in diesem Bereich: Seit März 2022 sind auch Krypto-Währungen bezüglich Besteuerung den Wertpapieren gleichgestellt.  
Wie eingangs erwähnt, spricht ­aktuell einiges dafür, dass das Pendel bald wieder in die Gegenrichtung ausschlägt, zur Freude der Anleger.

Auf und Ab der Einkommensteuer

In den letzten Jahren wurde (siehe Grafik) die Höhe der Einkommen­steuer besonders in den unteren und mittleren Gehaltsstufen verringert, ­eine weitere stufenweise leichte Absenkung bis 2024 ist geplant.
1982 sah es noch anders aus: Sogar für Einkommen unter 50.000 Schilling jährlich (= 3.640 Euro) wurde ein Steuersatz von 21 Prozent angewandt; schon ab 20.000 Euro jährlich (entspricht nach heutiger Kaufkraft nicht ganz 50.000 Euro) mussten 51 Prozent des Jahreseinkommens an den Fiskus abgeliefert werden, und die Staffelung ging da noch deutlich weiter – siehe Übersicht links. Der Spitzensteuersatz lag bis 1988 sogar bei 62 Prozent, er wurde ab einem Einkommen von rund 110.000 Euro jährlich (entspricht rund 265.000 Euro an heutiger Kaufkraft) fällig. Heute muss man dagegen schon ein Millionärsgehalt haben, um unter den Spitzensteuersatz von
55 Prozent zu fallen.
Während es seit 1989 mit den Steuersätzen generell bergab ging, setzte man sie 2005 dann wieder deutlich hinauf. Eine Erleichterung war damals dagegen, dass Einkommen bis 10.000 Euro erstmals steuerfrei blieben. Seit der Steuerreform 2010 geht es erfreulicherweise wieder bergab  –siehe Übersicht!

„Luxussteuer“ ade

Wenn alle paar Jahre, wann immer die Staatsfinanzen besonders klamm sind, Rufe nach „Vermögensteuer“ laut werden, hilft auch hier ein Blick zurück. Denn es gab schon beinahe alles einmal. In den 1980er-Jahren war eine Vermögensteuer auf vieles üblich, es gab allerdings einen persönlichen 150.000-Schilling-Vermögensfreibetrag pro Steuerbürger. Bis Finanzminister Ferdinand Lacina (SPÖ) 1994 die Vermögensteuer abschaffte und nebenbei die Möglichkeit für Privatstiftungen schuf. „Teppiche, Möbel, Goldmünzen: nie mehr Vermögensteuer!“, jubelte der GEWINN damals.
Auch eine dezidierte „Luxussteuer“ war schon mal Realität. Und das kam so: Unter Finanzminister Hannes Androsch (SPÖ) 1973 wurde die damalige Umsatzsteuer in eine sogenannte Mehrwertsteuer umgewandelt, ein erhöhter Mehrwertsteuersatz wurde als „Luxussteuer“ in Höhe von 30 Prozent auf Pelze, Goldschmuck, Yachten, aber auch Autos, Elektrogeräte oder Sekt eingefordert.
Mitte der 1980er-Jahre fiel dann einiges aus diesem erhöhten Steuersatz wieder heraus. So wurden Anfang 1984 Pelze, Juwelen und Fotoapparate nur noch mit 20 Prozent versteuert, das hatte der damalige Finanzminister Herbert Salcher (SPÖ) den Händlern versprochen. Was unseren damaligen GEWINN-Steuerautor Ernst Roland im Oktober 1983 zum Tipp veranlasste: „Wie wär’s, wenn Sie Ihren Lieben diesmal nur einen Warenbon unter die Tannenzweige legten?“
Ende 1991, in Vorbereitung auf den EU-Beitritt, wurde dann auch der Luxusumsatzsteuersatz von 32 Prozent für Autos abgeschafft.

… oder nicht ganz?

Mit Luxusumsatzsteuer für Pkw war’s dann zwar vorbei, dafür wurde die ­sogenannte Normverbrauchsabgabe (NoVA) eingeführt. Damit wird heutzutage nicht mehr Luxus bestraft, sondern CO2-Ausstoß. Alle paar Jahre ­erhöhen sich die Sätze für besonders stark CO2-emittierende Fahrzeuge, während Elektro- und Wasserstoff-betriebene Kfz gänzlich von der NoVA befreit sind. Das gilt selbst für die ­Gefährte des Elon Musk, die sowohl preislich als auch vom Energieverbrauch her wohl eindeutig im Luxussegment liegen. Und so könnte es auch hier wieder mal zu einem Umdenken kommen.

Steuerfreies Erben

Bis August 2008 hatte GEWINN regelmäßig viel zu schreiben: zu jedem Erbrechtsartikel gehörten Übersichten über die Steuerhöhen, die zu erwarten waren, je nachdem, in welchem Verwandtschaftsgrad man zum Erblasser stand. Garniert mit Tipps, wie man das eine oder andere optimieren konnte. Besonders heikel war die alte Steuer für Lebensgefährten: ohne Ehering wurden sie vom Gesetz wie Fremde behandelt, bei großen Vermögen mussten sie bis zu 60 Prozent an Erbschaftssteuer abliefern. Heiraten war also schon allein deshalb angesagt.
Das ist seit 1. August 2008 vorbei – damals wurde die Erbschafts- und Schenkungssteuer abgeschafft.
Ein wenig durch die Hintertür kam die Steuer allerdings im Jahr 2016 wieder zurück – zumindest, was Immobilien betrifft, Stichwort Grunderwerbsteuer. Denn seit Anfang 2016 gilt eine Regelung, die das Erben und Schenken von Grundstücken, Häusern oder Wohnungen in vielen Fällen teurer gemacht hat als zuvor.

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