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Ich seh’ Dir in die Augen, Kleines! – die 3D Videokonferenz
Benutzen Sie auch manches Mal eine Webcam, um mit Freunden oder Geschäftspartnern zu kommunizieren? Dann haben Sie sich sicherlich auch schon darüber geärgert, dass Sie Ihrem Gegenüber nie wirklich in die Augen schauen können – da die Kamera meist über dem Bildschirm platziert ist, die Augen aber auf den Monitor gerichtet sind, hat man bei Videokonferenzen meist den Eindruck, der Gesprächspartner schaut nach unten, fast so, als wolle er dem Blick ausweichen. Und das kann in einer wichtigen Verhandlung fatal sein: „Nur 20 Prozent der Inhalte eines Gespräches werden tatsächlich über Worte vermittelt, der Rest passiert nonverbal durch Mimik und Gesten,“ erläutert Werner Strasser, der mit seiner Firma ProCom-Strasser in Klosterneuburg ein Kompetenzzentrum für professionelle Videokonferenz-Technologien betreibt.
Von: Uwe Fischer
Als einer der ersten Anbieter Europas hat Strasser die 3D TelePresence Raumlösung von Sony in sein Produktportfolio aufgenommen, die zwar mit Preisen, je nach Umfang und Ausstattung, zwischen 50.000 und 250.000 Euro für Privatkunden oder Kleinunternehmen nicht gerade ein Schnäppchen darstellt, das man so nebenbei aus der Portokasse finanziert, aber doch eindrucksvoll zeigt, in welche Richtung sich die Videokommunikation entwickelt. So ist der eigentliche Bildschirm von teilverspiegelten Glasplatten umgeben, die den Strahlengang des Lichts zur Kamera so ablenken, dass die Aufnahme quasi genau aus der Mitte des Bildschirms heraus erfolgt. Nach der ersten Demonstration auf der Fachmesse ITnT im heurigen Frühjahr hatte ich nun die Gelegenheit, das System in dem neuen Kompetenzzentrum in einem realen Arbeitsumfeld auszuprobieren, und tatsächlich hat man, wenn Kamera, Spiegel und Monitore optimal aufeinander abgestimmt sind, den Eindruck, als würde man seinem Gegenüber beim Sprechen genau in die Augen schauen. Und nicht nur das: Durch die Spiegeltricks entsteht auch eine räumliche Perspektive und ein Gefühl von Dreidimensionalität – mit einem entsprechend abgestimmten Mobiliar lässt sich der Eindruck vermitteln, die Personen am anderen Ende der Leitung säßen tatsächlich im selben Raum am selben Tisch.
Von der Netzwerktechnologie her stellen Videokonferenzen heute kein Problem mehr dar – während ich mich noch mit Grauen an meine ersten Spielereien mit einer Webcam erinnere, bei der das Bild ruckelnd und pixelig Sekunden hinter dem Ton herhinkte, bringt man heute selbst mit Gratis-Lösungen wie Skype auf jedem einigermaßen stabilen Internet-Zugang eine synchrone, qualitativ hochwertige Übertragung von Sound und Video zustande. Das TelePresence-System von Sony setzt auf die vom Fernsehen her bekannten High Definition-Standards und findet dabei auch mit einer Übertragungsgeschwindigkeit von vier bis acht Megabit pro Sekunde das Auslangen, sodass sich die Anlage in praktisch jede moderne Netzwerk-Infrastruktur integrieren lässt.
Die einzige wirkliche Schwachstelle ist auf den ersten Blick noch der Preis – stellt man die Kosten des Konferenzsystems allerdings denen von Geschäftsreisen gegenüber, amortisiert sich eine derartige Anlage schneller als man glauben möchte. Während die „kleine“ Anlage mit einem 52 Zoll-Schirm ein bis zwei Personen in beinahe lebensechter Qualität in eine Konferenz einbindet, kann das große 70 Zoll-System auch bis zu zehn Personen gleichzeitig an den virtuellen Konferenztisch holen.
Zu schade nur, dass man den gelungenen Geschäftsabschluss nicht gleich im Anschluss an das Meeting gemeinsam in einer Bar begießen kann… Diese soziale Komponente möchte ich doch bei allem Terminstress und Kostendruck nicht missen. Denn auch wenn ich meinem Vis-a-Vis via Telepresence tief in die Augen schauen kann, jegliche Art von physischer Berührung und zwischenmenschlicher Beziehung verpufft gefühllos in den unendlichen Tiefen des Cyberspace. Unter diesem Aspekt erscheint mir auch der Slogan „Geben Sie Ihrem Partner oder Ihrer Partnerin einen Gutenachtkuss, wenn er bzw. sie außer Haus arbeitet!“, mit dem Skype die jüngste Release 4 seiner Kommunikationssoftware bewirbt, ziemlich lächerlich. Aber vielleicht gehöre ich auch nur einer aussterbenden Generation an, die noch Freunde und Beziehungen im „Real Life“ den virtuellen Kontakten im Internet vorzieht…
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Artikel vom: 30.06.09







