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Nichts für Warmduscher
Echtes Ayurveda ist kein „Kindergeburtstag“, aber es wirkt. Ein etwas „leidvoller“ Wegweiser zu den besten Ayurveda-Kuren von Südindien bis Kleinhaugsdorf.
Von: Claudia Brosche
Leave your world here – dieses Schild begrüßt jeden Neuankömmling an der Rezeption des vordergründig märchenhaft anmutenden Ayurvedapalastes Kalari Kovilakom. Wer bei Ayurveda an sanfte Massagen und gemütliche Ölbäder denkt, wird hier jedoch enttäuscht. Im südindischen Kerala wird purstes, authentischstes und striktestes Ayurveda praktiziert – und das hat mit „Wellness“, wie sie in Hochglanzprospekten verkauft wird, rein gar nichts zu tun.
„Ayur Veda“ oder das „Wissen um das Leben“ ist ein 5.000 Jahre altes, ganzheitlich ausgerichtetes Gesundheitssystem, das darauf abzielt, den Organismus zur Selbstheilung anzuleiten, besonders hilfreich ist Ayurveda bei neurologischen Erkrankungen, Arthritis, Stoffwechselstörungen, degenerativen und Lebererkrankungen, Hautproblemen sowie Störungen aufgrund eines schlechten Lebensstils und Burn-outs.

Energie tanken vor Sonnenaufgang

Die Aufforderung im Kalari Kovilakom, sein Leben an der Rezeption zu lassen, ist ernst gemeint: Sanft lächelnde dienstbare Geister entledigen uns unserer Straßenschuhe und Überbekleidung und reichen uns stattdessen „vegetarische“ Flip-Flops und einen weißen, weiten Leinenanzug. Die kommenden Tage werden wir – wie alle anderen maximal 36 Kurgäste auch – diese traditionelle Yogakleidung tragen. Mehr noch: Während einer 14- bis 21-tägigen Ayurveda-kur darf der Gast das zehn Hektar große Maharadscha-Anwesen nicht verlassen.
Ein Ayurvedakurtag beginnt in Indien früh – bereits um 5.45 Uhr. Die Stunde vor Sonnenaufgang ist laut indischer Heilslehre die energiereichste, doch wir Europäer tun uns schwer, im Türkensitz hockend beim Morgenyoga die Atmung in den Bauch zu lenken. Plötzlich hält der Yogalehrer inne, schaut uns groß an und meint: „This is the real beauty of India.“ Die blutrote Sonne schiebt sich über den Horizont, Gartenanlage und Palast funkeln taufeucht im goldenen Morgenlicht, Tropenvögel intonieren ihr Morgenlied, Kokospalmen und majestätische Mangobäume rascheln, Eichhörnchen und kleine Affen huschen von Ast zu Ast. „Awareness!“ lautet denn auch das oberste Gebot des Yoga.

Kein Kaffee und trockenes Brot

Nach dem Yoga freuen wir uns auf das Frühstück – doch das ist karg: eine halbe Papaya, trockenes Fladenbrot. Zum Aufwachen scharfes, heißes Ingwerwasser. Kaffee ist genauso tabu wie schwarzer Tee, Alkohol oder kalte Getränke. Denn wichtiger Bestandteil einer Ayurvedakur ist die „dosha-gerechte“ Ernährung. Und die ist vegetarisch, salzarm und nur mild gewürzt.
Richtig Hardcore ist aber erst die Entgiftungskur Panchakarma: Hier gibt’s in den ersten Tagen statt Frühstück einen übel schmeckenden Entgiftungstrunk aus Ghee (geklärter Butter) mit Kräutermedizin – so lange, bis alle Gifte im Körper gelöst sind und ausgeleitet werden können. „Schmeckt unglaublich grauslich“, stöhnt Monika, „aber hilft enorm.“ Die Bayerin ist bereits zum dritten Mal wegen ihrer schweren Lebensmittelunverträglichkeit im Kalari Kovilakom. „Danach fühle ich mich aber stets wie neu geboren!“
Sport, Schwimmen oder Sonnenbaden sind untersagt. Daher gibt es im Kalari Kovilakom auch keinen Pool (Fernseher übrigens auch nicht). Stattdessen gehören zu einer richtigen Ayurvedakur eine Vielzahl an Behandlungen wie Schwitzbäder, Güsse oder Massagen. Es gibt allein 32 Massagearten – mit Händen, Kräuterstempeln und Füßen. Besonders harmonisierend wirkt der Stirnölguss „Sirodhara“. „Sirovasthy“ mutet ulkig an: Hier wird ein Zylinder auf dem Kopf mit warmem Öl gefüllt. Gemeinsam ist den Anwendungen der exzessive Gebrauch von Sesamöl: Hierin sind die medizinischen Kräuter gelöst, die über die Haut aufgenommen werden und den Körper entgiften.

Mehr Wellness, weniger Hardcore

Die öltriefenden
Massagetechniken sind auch in Europas Wellness-Hotels Mode geworden und
vermitteln einen unvollständigen Eindruck von Ayurveda. Aber auch in
Indien gibt es Abstufungen. Während das Kalari Kovilakom klinisches
„Hardcore“-Ayurveda bietet, versucht das Strandresort SwaSwara einen
durchaus gelungenen Kompromiss. Neben Yoga gibt es hier auch
Urlaubsfreuden wie Baden im Meer oder Pool, Kunst- und Kreativkurse,
Dschungel- und Strandwanderungen, Mountainbiken, Kanutouren,
Bogenschießen, Kochkurse, Bird- und Butterfly-Watching. All das aber
na­türlich zulasten der gesundheitlichen Effizienz.

Was der Verzicht in Indien kostet

Billiger kommt der Verzicht zugunsten der eigenen Gesundheit aber nicht. Im
Harcore-Yogaresort Kalari Kovilakom kostet die 14-tägige Panchamakur
inklusive ärztlicher Betreuung, allen Behandlungen, ayurvedischer
Vollpension und Flug nicht unter 4.300 Euro.
Etwas günstiger gibt es das Swa­Swara. Hier werden zwei Kurwochen bis Ende Mai inklusive Flug Wien–Goa–Wien für 3.990 Euro angeboten. Ohne Flug kostet die Ayurvedasoftversion mit Arztbesuch, allen Anwendungen und Kulturprogramm bis 31. Mai 2011 noch 2.520 Euro. Danach sind im SwaSwara offensichtlich Schnäppchenwochen angesagt. Vom 1. Juni bis 30. September kostet die 14-tägige Ayurvedakur nur noch 1.512 Euro.

Ayurveda in und um Österreich

Wer sich doch für kompromissloses Ayurveda entscheidet, muss aber nicht unbedingt nach Indien reisen. Auch in und um Österreich finden sich dafür Anbieter. Sehr authentisch mit einem indischen Ayurveda-Arzt und einem ayurvedischen Meister ist das Kneipp- und Gesundheitszentrum der Barmherzigen Brüder in Schärding in Oberösterreich ausgestattet. Hier wird auch die Reinigungskur Panchakarma angeboten.
Auch in Klagenfurt gibt es eine Ayurveda-Klinik, die von dem aus Indien stammenden Chirurgen und Ayurveda-Arzt Dr. Sebastian Mathew von der Österreichischen Gesellschaft für Ayurveda geleitet wird.
In der grenznahen Villa Dhanvantari in Bayern gibt es ebenfalls ein kleines Ayurvedakurzentrum. Eine ausgefallene Mischung findet man nahe Kleinhaugsdorf auf tschechischer Seite im Vier-Sterne-Hotel Savannah deluxe. Auch wenn das Hotel einer amerikanischen Betreibergesellschaft samt benachbartem Casino mehr an Las Vegas erinnern, gibt es hier eine durchaus kompetente Ayurvedaabteilung unter der Leitung der Familie Siddhalepa aus Sri Lanka, die sich seit 200 Jahren der Ayurvedaheilkunst widmet.

Ayurveda-Reiseprofis

Ayurvedareisen in den asiatischen Raum bieten vereinzelt die großen Reiseveranstalter (www.dertour.at, www.tui.at, www.jahn-reisen.at) sowie die deutschen Spezialisten Neue Wege Reisen und Lotus Travel (www.lotus-travel.com, www.neuewege.com) an.

>> Zum Download:  Die besten Angebote für Ayurveda-Reisen in und um Österreich sowie in Asien

Artikel vom:  01.03.11
 
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