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Nachhaltige Investmentfonds auf dem Prüfstand
Geldanlage fürs gute Gewissen boomt. Deshalb schmücken viele Fondsanbieter ihre Produkte mit dem Prädikat „nachhaltig“. GEWINN prüft, welche Fonds diese Auszeichnung auch tatsächlich verdient haben.
Von: Martin Maier

Das Interesse an nachhaltiger Geldanlage ist derzeit so groß wie nie zuvor. Zwar erlebten nachhaltige Investments aufgrund der Finanzkrise in den Jahren 2007 und 2008 einen deutlichen Rückgang. Aber danach ist der Markt wieder kräftig gewachsen und konnte mit einem Volumen von über zwei Milliarden Euro bereits kurz nach der Krise einen neuen Höchststand erreichen. Der Absatz von nachhaltigen Investmentfonds, Zertifikaten etc. ist damit derzeit einer der wenigen Hoffnungsmärkte für die Finanzbranche, die mit der anhaltenden Risikoscheu der Anleger zu kämpfen hat. Offenbar haben Ereignisse wie die Explosion der Ölplattform Deep Water Horizon des britischen Ölkonzerns BP bei den Anlegern wieder ins Bewusstsein gerückt, welche folgenschweren Auswirkungen es haben kann, wenn Firmen und Staaten ihre Verantwortung gegenüber der Natur und Gesellschaft auf die leichte Schulter nehmen. Nicht jeder will in ein Unternehmen inves­tieren, das für die größte Naturkatastrophe der letzten Jahre verantwortlich zeichnet. Und wer möchte schon Staatsanleihen eines Landes kaufen, in dem die Menschenrechte mit Füßen getreten werden?
 

Das Geschäft mit dem guten Gewissen
 

Rund um dieses wachsende Interesse der Anleger an ethisch, sozial und ökologisch verantwortungsvollen Investments hat sich unter dem Begriff „nachhaltige Geldanlage“ eine ganz Industrie angesiedelt: von Fonds­anbietern, die neben Risiko und Rendite auch inhaltliche Faktoren wie Umwelt oder Gesellschaft in die Anlagestrategie mit einbauen, bis hin zu Rating-Agenturen, die börsennotierte Unternehmen in Bezug auf ihr verantwortungsvolles Handeln überprüfen. Aber mit dem boomenden Absatz von nachhaltigen Investments steigt automatisch die Anzahl der Trittbrettfahrer, die auch ein Stück vom Kuchen abhaben wollen. Da werden dann schnell einmal etwas angestaubte Ladenhüter mit dem Prädikat „nachhaltig“ aufgepeppt oder eilig neue Produkte lanciert. Wie ernst gemeint die vermeintlich nachhaltige Anlagestrategie hinter diesen Finanzprodukten dann tatsächlich ist, lässt sich für den einzelnen Anleger nur schwer überprüfen. Gerade bei Investmentfonds, die oft in 100 oder noch mehr Einzeltitel investieren, ist es aus Sicht eines Privatanlegers nicht überschaubar, ob es sich dabei ausschließlich um verantwortungsvolle Unternehmen bzw. Staaten handelt. Auf diese Informationslücke hat der heimische Finanzdatenanbieter software-systems.at reagiert und bietet das Screening von Investmentfonds nach inhaltlichen Kriterien auf Einzeltitelebene an. Dieser Service umfasst alle Investmentfonds im deutschsprachigen Markt, die ihre Investments der Finanzfirma zu 100 Prozent (mit etwas zeitlichem Abstand) bekannt geben. Denn nur so kann garantiert werden, dass sich nicht irgendwelche „schwarzen Schafe“ im Depot befinden. Entscheidend ist dabei, dass die Anleger selbst definieren können, welche Kriterien für sie relevant sind. Denn Nachhaltigkeit wird sehr unterschiedlich ausgelegt. Anhand der individuellen Vorgaben werden dann jene Fonds aus dem Anlageuniversum ausgewählt, die am besten zu den persönlichen Wertvorstellungen passen. „Wir schauen bei nachhaltigen Investments nicht darauf, was außen draufsteht, sondern welche Einzeltitel tatsächlich enthalten sind. Ausgedrückt wird das anhand der inhaltlichen Kennzahl EDA, für ethisch-dynamischer Anteil, die besagt, welcher Prozentsatz der im Fonds enthaltenen Einzeltitel den eigenen Vorgaben entspricht“,  erklärt Richard Lernbass, Gründer und Geschäftsführer von software-systems.at.
 

Nachhaltige Fonds auf dem Prüfstand
 
GEWINN hat nun anhand der Daten von software-systems.at alle in Österreich zum Vertrieb zugelassenen Investmentfonds, die sich selbst als „nachhaltig“ definieren, darauf hin „abgeklopft“, wie ernsthaft der nachhaltige Ansatz tatsächlich umgesetzt wird. Dabei wurde ein Katalog an ethischen, ökologischen und sozialen Standardkriterien verwendet, die üblicherweise auf breite Zustimmung beim Anlagepublikum stoßen. Anleger, die davon abweichende Schwerpunkte setzen oder gewisse Kriterien nicht einschließen möchten, werden demnach zu einem anderen Ergebnis kommen. ­GEWINN hat die Ergebnisse aufgrund der Standardkriterien für vier verschiedene Fondskategorien ermittelt und präsentiert die jeweiligen Topfonds. Die Fonds wurden dabei nach dem Anteil nachhaltiger Investments (EDA) und nach dem Ertrag des letzten Jahres gereiht. GEWINN-Tipp: Unter www.software-­systems.at („EDA let’s go“) können interessierte Anleger kostenlos den Fondsmarkt nach eigenen Kriterien durchsuchen.
 


Topaktienfonds
 

Bei der Bewertung der Aktienfonds wurde zwischen allgemein nachhaltigen Fonds und speziellen Themenfonds unterschieden. Während die erste Gruppe einen breiten nachhaltigen Ansatz verfolgt, der üblicherweise ethische, soziale und ökologische Kriterien gleichermaßen beachtet, fokussieren sich nachhaltige Themenfonds meist nur auf einzelne ökologische Themenbereiche wie etwa Klimaschutz, erneuerbare Energiequellen oder Wasser.
Die Tabelle unten zum Download zeigt jene Aktienfonds, die aktuell die nachhaltigen Standardkriterien tatsächlich am besten erfüllen können. Einige wenige unter den Topfonds erzielen sogar eine 100-prozentige nachhaltige Trefferquote und enthalten somit ausschließlich Aktien, die den inhaltlichen Vorgaben entsprechen. Unter diesen nachhaltigen Musterschülern konnte der ESPA WWF Stock Umwelt des heimischen Anbieters Erste SparInvest auf Sicht des letzten Jahres mit 14,3 Prozent den höchsten Ertrag erzielen. Der Fonds investiert in die bedeutendsten Unternehmen der Umweltbranche weltweit, wovon derzeit etwa jeweils ein Drittel auf US, europäische und asiatische Aktien entfallen. „Wir werden beim Management dieses Fonds und eines weiteren Fonds vom World Wide Fund for Nature im Rahmen eines Umweltbeirates beraten, und ein Teil der Einnahmen aus dem Fonds kommt dem Wasserschutzprogramm des WWF Österreich zugute. Dabei möchte ich darauf hinweisen, dass nachhaltige Geldanlage nicht mit Spenden verwechselt werden darf und einen Ertrag bringen soll“, beschreibt Wolfgang Pinner, Leiter „Responsible Investments bei der Erste SparInvest.
In Hinsicht auf die Ertragslage weisen die Topaktienfonds sehr große Unterschiede auf: Während manche Fonds interessante Renditen erwirtschaften konnten, mussten einige im Vergleichszeitraum sogar Verluste hinnehmen. Den größten Ertrag (plus 36 Prozent) unter den Top 20 brachte der First State Asia Pacific Sustainable. Dieser 2005 aufgelegte Fonds konnte mit seiner Fokussierung auf die Region Asien (ohne Japan) vom Aufwärtstrend an den Schwellenländermärkten profitieren. Aber Achtung! Der Fonds wird in Britischen Pfund gehandelt, was aus Sicht von Anlegern aus der Euro-Zone ein zusätzliches (Währungs-)Risiko mit sich bringt. Am anderen Ende der Ertragsskala befindet sich der Dexia Equities Sustainable Green Planet Fonds, der im letzten Jahr ein Minus von 2,8 Prozent hinnehmen musste. Der Fonds hatte gleich vom Start 2007 weg keine guten Karten und konnte sich von den anfänglichen Verlusten in der Krise nicht so gut erholen wie vergleichbare nachhaltige Aktienfonds.
Generell mussten sich nachhaltige Aktienfonds im letzten Jahr im Vergleich zum Gesamtmarkt ertragsseitig eindeutig geschlagen geben und haben von September 2009 bis September 2010 im Schnitt einen Ertrag von rund 9,0 Prozent erzielt. Herkömmliche Fonds brachten im Schnitt 13,5 Prozent.
 


Die nachhaltigsten Themenfonds
 
Häufig sind nachhaltige Themenfonds in erster Linie darauf ausgerichtet, wirtschaftlich von Öko-Trends wie Klimaschutz, erneuerbare Energien oder Wasser zu profitieren. Dennoch gibt es einige Anbieter von Themenfonds, die darüber hinaus auch soziale und ethische Standards beachten und somit die strengen Vorgaben von GEWINN zu 100 Prozent erfüllen können: Unter den Klimaschutzfonds konnte vor allem der ESPA-WWF-Stock-Climate- Change-Fonds in Sachen Nachhaltigkeit punkten. Ähnlich wie beim bereits genannten Schwesterprodukt (ESPA WWF Stock Umwelt) besteht auch hier eine Kooperation mit dem WWF. Der Fonds investiert dabei ausschließlich in Unternehmen, die klimarelevante Produkte herstellen oder Vorbildwirkung in Sachen Klimaschutz beweisen.
Unter jenen Themenfonds, die sich auf Unternehmen im Bereich erneuerbare Energiequellen fokussieren, konnte mit dem Kepler Öko Energien ebenfalls ein heimisches Produkt in puncto Nachhaltigkeit am besten abschneiden. Bei der Auswahl der nachhaltigen Unternehmen wird das Management der Kepler KAG von oekom research, einer der international anerkanntes­ten Rating-Agenturen für nachhaltige Investments, beraten.
 


Wasser bringt die besten Erträge
 

Die Versorgung mit frischem Trinkwasser ist schon jetzt eine Aufgabe, die nicht überall auf der Welt erfüllt werden kann. Und durch die rasant steigende Weltbevölkerung und den raketenhaften Anstieg des Wasserverbrauchs in den aufstrebenden neuen Indust­rieländern China und Indien wird diese Herausforderung auch in Zukunft nicht leichter zu bewältigen sein. Sogenannte „Wasser“-Fonds investieren in Unternehmen, die sich im Bereich Wasseraufbereitung, effiziente Wassernutzung etc. engagieren. Unter diesen Produkten konnte der Swisscanto EF Water Invest die inhaltlichen Kriterien am besten erfüllen.
Vergleicht man die Erträge dieser Öko-Themenfonds, hatten im Jahresvergleich eindeutig Wasserfonds mit einem durchschnittlichen Ertrag von knapp 13 Prozent die Nase vorn, gefolgt von Klimaschutzfonds, während Fonds mit Schwerpunkt „Neue Energien“ im letzten Jahr finanziell eher dürftige Ergebnisse erzielen konnten.
 


Nachhaltige Anleihenfonds
 
Brandneu ist die Möglichkeit unter software-systems.at auch Anleihen- und Mischfonds in Bezug auf ihre Nachhaltigkeit zu bewerten. Dabei werden seit Oktober diesen Jahres auch Emittenten von Anleihen gemäß den inhaltlichen Standardkriterien durchleuchtet. Staaten mit zu hohen Rüstungsausgaben oder zu hohem Anteil von Atomenergie werden negativ beurteilt. Für Länder, die eine starke Umweltorientierung aufweisen oder erneuerbare Energiequellen stark fördern, gibt’s Pluspunkte. Das ist insofern für Österreich besonders relevant, da hierzulande ein Großteil der Veranlagung in Anleihenfonds erfolgt.
Unter diesem Gesichtspunkt wurden alle nachhaltigen Anleihenfonds mit Verkaufszulassung in Österreich auf Einzeltitelebene untersucht. So konnte etwa der Volksbank-Mündel-Rent-Fonds die inhaltlichen Vorgaben zu 100 Prozent erfüllen. Dieses Produkt investiert ausschließlich in österreichische mündelsichere Staatsanleihen und wird damit als hundertprozentig nachhaltig bewertet, weil der österreichische Staat die inhaltlichen Kriterien zur Gänze erfüllt.
Ein ähnlich gutes Ergebnis erzielen auch der Raiffeisen-Österreich Rent und der ESPA Bond Euro Mündelrent, die beide überwiegend in österreichische Anleihen investieren. Mit dem Parvest Sustainable Bond Euro Corporates hat es auch ein reiner Unternehmensanleihenfonds unter die Top 20 der nachhaltigsten Anleihenfonds geschafft: Der Fonds von BNP Paribas inves­tiert in Unternehmensanleihen guter Bonität von Emittenten, die aus der Euro-Zone stammen (Schwerpunkt Frankreich) und nachhaltige Kriterien erfüllen.
Ertragsseitig zeigt sich bei den nachhaltigen Anleihenfonds ein überwiegend positives Bild: Im Durchschnitt brachten diese Produkte 7,2 Prozent im Jahresvergleich und schnitten damit etwas schlechter ab als der Gesamtmarkt mit 9,7 Prozent.
Während nachhaltige Anleihen- und Aktienfonds im letzten Jahr spürbar schlechtere Erträge brachten als „herkömmliche“ Fonds, haben Mischfonds mit ethischen, sozialen und ökologischen Kriterien (plus 6,1 Prozent) fast genauso gut abgeschnitten wie der Gesamtmarkt (plus 6,9 Prozent).
Somit kommt es wohl auf die richtige Mischung von Aktien und Anleihen an. Das beste inhaltliche Ergebnis mit einem Anteil nachhaltiger Werte in Höhe von jeweils 80 Prozent erreichten der Swisscanto PF. Green Investments Yield und der Don Bosco Ehtik fructus omnibus. Der Fonds mit dem klingenden lateinischen Namen („fructus omibus“ steht für „Ertrag für uns alle“) wird vom Bankhaus Jungholz verwaltet und wurde über die Kepler KAG aufgelegt. Im Fondsmanagement kommt dabei ein Kriterienkatalog zur Anwendung, der vom Hilfswerk Jugend Eine Welt entwickelt wurde. Wie bei vielen anderen nachhaltigen Fondsprodukten wird hier die Einhaltung dieser Kriterien durch einen unabhängigen Ethik-beirat regelmäßig überprüft.
 
Für Sie jetzt zum Download:
 
 
 
 
 
Artikel vom:  12.02.11
 
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Aktien, Anleihen, Fonds – was Sie riskieren sollten, um Ihr Vermögen zu bewahren

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